"Dankbar, dass die das loswerden können."

Dana Hoffmann

Unirektor Wolfgang Jäger hat am 14. August eine Evaluierungskomission damit beauftragt, die Dopingvorwürfe an der Freiburger Uniklinik aufzuklären. Vorsitzender dieser Komission ist der pensionierte, 71-jährige Richter Hans Joachim Schäfer. Er hat mitunter zu klären, welche Rolle drei Ärzte der Sportmedizin im Dopingskandal spielen: Lothar Heinrich, Andreas Schmid und Georg Huber. Sie stehen unter Verdacht, einige Fahrer des Straßenrennstalls T-Mobile gedopt zu haben. Der Aufklärer im fudder-Interview.



Herr Doktor Schäfer, schon im Mai hat die Freiburger Uniklinik eine "Dopingkomission" beauftragt, die zahlreichen Vorwürfe gegen die Freiburger Sportmedizin zu überprüfen. Nun noch eine zweite Komission. Wie unterscheiden sich diese beiden Gruppen?

Die Dopingkommission prüft, inwieweit die Ärzte der Freiburger Sportmedizin in die Dopingangelegenheit der Team Telekom-Radfahrer verwickelt sind. Die Evaluierungskommission ist viel breiter angelegt. Sie prüft, inwieweit die Sportmedizin seit 1970 Einfluss genommen hat auf das Geschehen, also etwa auf Forschungsprojekte in Zusammenhang mit Doping. Die Frage ist hier, inwieweit sich das ausgewirkt hat auf die Patientenversorgung und die Sportlerbetreuung. Und: wie sind welche Gelder verwendet worden?

Untersucht die Evaluierungskommission alle Sportarten?

Ja, die Untersuchungen beziehen sich auf die gesamte Abteilung.

Wie arbeitet die Kommission? Spazieren Sie in die Klinik und nehmen dann einen Aktenstapel mit?

So ähnlich. Aber wir gehen nicht hin, sondern fordern die Akten an.



Können Sie sich die Patienten aussuchen?

Jein. Wir können natürlich Patientenakten nur aussuchen, wenn wir die Genehmigung der Patienten haben. Das ist eine gewisse Schwierigkeit. Man muss an die Patienten heran gehen und klären, ob sie damit einverstanden sind. Erst dann kann man zugreifen.

Und was prüfen Sie in den Akten?

Dafür müssten wir die Akten erst mal haben. Soweit sind wir in der Evaluierungskommission noch nicht. Bei der Dopingkommission prüft man, inwieweit die Akten Aufschluss geben über Leistungstests, Blutwerte und so weiter.

Warum beschränkt sich die Dopingkommission nur auf die Radfahrer des Teams Telekom?

Weil das der Auftrag war. Nämlich, nach den Veröffentlichungen von Jef d`Hont, der von 1992 bis 1996 Pfleger bei Telekom war und Vorwürfe erhoben hat gegen Ärzte der Sportmedizin, diesen Vorwürfen nach zu gehen. Wir haben den Auftrag schon ausgedehnt, weil es ja ziemlich sicher ist, dass sich in dem Augenblick, da d`Hont gegangen ist, nicht alles völlig geändert hat. Deshalb prüfen wir die Zeit danach auch mit. Aber eben nur bezogen auf dieses Team.

Glauben Sie nicht, dass auch in anderen Bereichen des Profisports gedopt wird?

Ich gehe schon davon aus, dass in allen Leistungssportarten ein Dopingproblem möglich ist. Aber dass der Auftrag jetzt nur diese Profiradler betrifft, ist mir durchaus recht, denn das ist auch schon eine groß angelegte Sache.



Wie lange will man damit warten, andere Sportarten zu untersuchen?

Ich warte gar nicht. Ich bin für diese Kommission als Vorsitzender eingesetzt und ich werde diese Arbeit abschließen mit einem Bericht an meinen Auftraggeber, das Klinikum. Dann ist meine Arbeit fertig.

Haben Sie nicht den Anspruch, noch mehr auf zu decken?

Nein, den Anspruch habe ich nicht, denn das geht mich nichts an. Ich bin für diese Arbeit eingesetzt und die mache ich. Aber es wäre ja denkbar, dass jetzt andere Kliniken folgen, die ähnliche Probleme haben und andere Sportarten untersuchen. Aber das ist echt nicht mein Problem.

Was passiert, wenn die Evaluierungskommission einen neuen Dopingfall aufdeckt?

Das weiß ich nicht. Da wäre dann die Frage, ob der Rektor oder das Klinikum eine neue Kommission einsetzt. Oder das Ministerium. Das sind aber alles Sachen, die mich nicht betreffen.

Wie ist denn Stand der Dinge in der Dopingkommission?

Wir arbeiten intensiv und hoffen, dass wir in absehbarer Zeit soweit sind, dass wir einen Abschlussbericht vorlegen können. Einen zeitlichen Rahmen kann ich Ihnen nicht geben.



Drei Ärzte waren betroffen. Wie haben sie sich zu den Vorwürfen geäußert?

Professor Schmidt und Dr. Heinrich sind vor der Kommission gar nicht erschienen, sondern haben durch ihre Anwälte erklären lassen, dass sie bereit sind, mit zu arbeiten. Sie wollen warten, bis die Kommission zu einem Abschluss gekommen ist und dann Akteneinsicht nehmen. Danach wollen sie sich äußern. Inwieweit es möglich ist, dass man die Akteneinsicht machen kann, erscheint mir äußerst fraglich. Denn ein Teil der Befragten hat gesagt, er sei nicht damit einverstanden, dass man die Akten an irgendjemanden raus gibt.

Dr. Huber hat gestanden. Korrekt?

Dr. Huber hat Angaben vor der Kommission gemacht.

Stimmt es, dass er zugegeben hat, zwischen 1980 und 1990 der U23-Mannschaft Testosteron verabreicht zu haben?

Das habe ich auch gelesen.

Aber?

Kein aber.

Dann ist Hubers Geständnis also zutreffend.

Dazu will ich keine Angaben machen.

Wie reagieren die betroffenen Sportler auf die Arbeit der Kommissionen?

Das hat mich sehr gewundert. Die reagieren nicht nur ganz normal, sondern unheimlich offen. Es ist für mich ein verwunderliches, ganz und gar angenehmes Klima bei den Anhörungen. Ich hätte mir vorgestellt, dass das sehr viel zäher geht. Oder, dass Animositäten auftauchen. Aber das ist überhaupt nicht der Fall. Die sind eigentlich eher dankbar, dass sie das alles mal los werden können.