Daniel von der Band Cold Kids im Interview: "Punk sollte eine Haltung verkörpern"

Bernhard Amelung

Bei den Cold Kids trifft Deutschpunk auf wavige Elemente und martialische Texte. Das Quartett aus Bamberg spielt am Samstag zusammen mit Eat/Read/Sleep in der KTS. Ein Gespräch über Clubkrisen und was Punk eigentlich bedeutet.

In "Tout Avec Raison" singt ihr "Sehen wir uns endlich einmal wieder mit dem Henkersbeil am fetten Kinn". An wessen Kinn befindet sich das Beil?

Daniel: Eigentlich muss dir Hobel, unser Sänger und Synthesizerspieler, den Text erklären. Er hat ihn geschrieben. Als Bassist kann ich nur meine eigene Interpretation dazu abgeben. "Tout Avec Raison" ist ein Song, der inhaltlich gar nicht konkret ist, der kryptisch ist und viele Interpretationsmöglichkeiten offen lässt.

Der Text wirkt martialisch.

Daniel: Der Text enthält sozialistische Elemente, Elemente des Klassenkampfes, ist gesellschaftskritisch und eher dem linkspolitischen Spektrum zuzuordnen. Dort sind auch wir politisch zu verorten. Der Text ist aber überspitzt formuliert, denn wir sind ja keine Steine schmeißenden Kids.

Was das Henkersbeil betrifft: Haben nicht rechtspopulistische Demonstranten inzwischen solche Bilder für sich besetzt?

Daniel: Wir treten nicht auf, gehen auf die Straße und sagen, man solle die Personen köpfen oder beseitigen, die einem nicht gefallen. Unsere Songs beinhalten keine Aufforderung zur Lynchjustiz. Unsere Wut auf gesellschaftliche Ereignisse stellen wir metaphorisch dar.

Ist Wut die treibende Kraft hinter eurer Musik?

Daniel: Die Musik ist eine Plattform für meine linken Punk-Gedanken, ist ein Spiegel meiner Denkweise, meiner Lebensziele. Diese Aspekte stehen für mich im Vordergrund. Und dann ist das Musik machen auch ein Hobby, das ich sehr gerne ausübe. Ich komme darüber in andere Städte und lerne neue Menschen kennen. Das ist schön.

Ich möchte im Folgenden deine Meinung zu ein paar Statements erfahren. Punk ist zu tun, was man will.

Daniel: Ich sehe solche Floskeln im Allgemeinen kritisch. Punk bietet mir in Bezug auf die Musik jedoch einen Freiraum, mich zu verwirklichen, etwas auszuprobieren, womit man in einer klassischen Gesellschaft nicht unbedingt andocken kann.

Punk bedeutet, seine Meinung zu sagen.

Daniel: Punk kann auch nur musikalisch schön sein. Aber natürlich sollte Punk auch eine Haltung verkörpern und eine Message vertreten. Teilweise wiederholen sich die Aussagen nach zig Jahren Punk-Geschichte. Aber ich denke, man findet immer wieder neue gesellschaftliche Vorkommnisse. Zum Beispiel die AfD. Da kann man Aussagen transferieren, in einen aktuellen Kontext setzen.

Punk bedeutet, alles selbst zu machen.

Daniel: Das ist ein wichtiger Teil von Punk oder DIY-Subkulturen. Das machen wir in Bamberg auch. Wir veranstalten zum Beispiel Konzerte in unserem Proberaum. Die laufen dann allerdings unter dem Label der Privatveranstaltungen.



Wie seid ihr darauf gekommen?

Daniel: Vor einiger Zeit hatten wir in Bamberg eine Clubkrise. Einzelne Läden, in denen man Konzerte veranstalten konnte, haben geschlossen. Daraufhin haben sich einige Leute mobilisiert und Proberäume oder Wohnzimmer zu Veranstaltungsorten umgewandelt.

Das Thema Clubkrise ist in Freiburg auch aktuell. Viele Orte sind weggebrochen, in denen Untergrundkultur stattfinden kann. Wie haben es die Leute in Bamberg geschafft, sich zu mobilisieren?

Daniel: Ach, mobilisiert klingt vielleicht zu hoch gegriffen. Wir haben halt unseren Proberaum. Der bietet sich gut an, um kleine Konzerte zu veranstalten. Er liegt etwas außerhalb, man stört niemanden, im Untergeschoss haben wir ein Klo. Für das Treppenhaus haben wir eine kleine Bar zusammen gebaut. Dort bieten wir eine kleine Auswahl an Getränken gegen eine Spende an.

Sonst haben Leute, die relativ große Wohnungen hatten, ihre Räume angeboten, um dort einmal ein Konzert zu veranstalten. Zwischen den einzelnen Leuten gab es ursprünglich keine Verbindung. Klar, man kannte sich, aber jeder hat trotzdem erstmal für sich selbst gewurschtelt. Erst mit der Zeit hat sich da so etwas wie ein loses Netzwerk entwickelt.

Wie habt ihr von den Cold Kids euch eigentlich kennen gelernt?

Daniel: Den Alex, unseren Schlagzeuger, habe ich zwei oder drei Jahre vor unserer Bandgründung kennen gelernt. Seither trugen wir die Idee mit uns herum, eine gemeinsame Band zu gründen. Das hat aber nicht geklappt, weil ich in zwei anderen Bands gespielt habe und er in andere Projekte eingebunden war. Irgendwann war es halt so weit. Wir haben noch den Korbi und den Georg kennen gelernt, gemeinsam geprobt und festgestellt, dass die Chemie stimmt. Die muss immer stimmen zwischen Leuten, die gemeinsam Musik machen. So ist dann alles irgendwie entstanden.

Eure Musik verortet man in der Nähe von Rachut-Bands wie Angeschissen und Dackelblut. Ist er euch auch musikalisches Vorbild?

Daniel: Die Rachut-Bands sind auf indirekte Weise prägend. Wir mögen seine Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache. Aber für unsere Musik fürde ich gar kein konkretes Vorbild nennen können. Das ist einfach so entstanden, dass wir deutschen Punk mit wavigen Elementen verknüpft haben.

Wie lange braucht ein Stück, bis es für euch persönlich fertig ist?

Daniel: Bei der Demo ging alles sehr schnell. Zwei Songs waren innerhalb von einer Probe grob fertig. Auch die Sieben-Zoll-Platte haben wir sehr schnell produziert. Jetzt haben wir auch schon wieder zwei Songs, die fertig sind und viel Material, das in der Mache ist. Die Songs entstehen oft durchs Jammen im Proberaum, und dann fügen wir das eine oder andere Element noch hinzu.

Bei den Texten ist das wohl genau so. Manchmal hat Korbi Textfetzen, die er mitbringt und ausbaut, oder er schreibt Texte in den Raum hinein und .

Was kann man 2017 von euch erwarten?

Daniel: Mitte des Jahres solle eine Seven Inch mit Krank, einer Punkband aus Hamburg, rauskommen. Dann steht eine Twelve Inch im Raum, vielleicht sogar ein Album. Aber das ist noch nicht konkret. Wir lassen alles auf uns zukommen.
Was: Cold Kids & Eat/Read/Sleep
Wann: Samstag, 14. Januar 2017, 21 Uhr
Wo: KTS Freiburg

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