Da ist was im Busch

Lilian Kaliner

Lilian und Patrick kommen auf ihrer Australienreise über Nacht in ein Buschfeuergebiet. Ein verrauchter Bericht voller Husten, Hitze und fliehender Familien.



Die ersten zwei Tage nach unserem Staatenwechsel nach Victoria fanden wir ziemlich langweilig. Der Princes Highway, auf dem wir seit Sydney durch kleine Küstenorte gefahren waren, führt von der Grenze bis nach Melbourne durchs Inland.


Kein Meer mehr, dafür wenig aufregendes Inland. Dachten wir. An unserem zweiten Abend in Victoria parkten wir an einem Fluss, kurz hinter dem Urlaubsort Lakes Entrance.

Es war uns schon am Nachmittag aufgefallen, dass die Luft ein wenig neblig war. Nebel wie Feuerrauch. Doch das ist hier nichts Seltenes, wir machten uns darüber keine Gedanken. Unsere Farm in New South Wales hing einige Tage im Nebel, weil es hunderte Kilometer weiter südlich brannte. Wir parkten also am Flussufer und fütterten aus lauter Langeweile die Möwen. Kurz vor Sonnenuntergang färbte sich der Himmel dunkelgelb und alles wurde in ein merkwürdiges Licht getaucht. Brennt es wohl doch nicht ganz so weit weg,  dachten wir. In den Abendnachrichten sahen wir dann einen Bericht über das Buschfeuer in Victoria. Die Urlauber aus Lakes Entrance flüchteten nach Hause, da alles im Nebel versank. Als wir am Nachmittag dort waren, hatten wir von Aufbruchstimmung nichts mitbekommen.

Alles total übertrieben, dachten wir. Im Dunkeln kam eine Weiterfahrt sowieso nicht in Frage.



Nach ein paar Hustenanfällen in der Nacht dämmerte uns, dass da etwas nicht stimmte. Wir öffneten die Autotüre und versanken im Rauch. Zwanzig Meter weit konnte man sehen. Patrick erinnerte sich mit Bedenken an die Worte unseres Farmers: „Wenn man den Feuernebel nur sieht, ist es weit weg. Wenn man das Feuer riecht, ist es nah“.

Sehr aufbauend, nachts um drei, mitten in der Pampa. Da klar war, dass es nicht gerade hinter dem nächsten Hügel brannte, haben wir uns wieder umgedreht und weiter geschlafen.

Eine halbe Stunde später wachten wir erneut auf, diesmal von einem lauten Getöse direkt hinter unserem Van. Verschlafen schoben wir die Vorhänge zur Seite. Knapp zehn Meter hinter uns stand ein Feuerwehrauto und tankte Wasser aus dem Fluss. Kratzende Kehlen vom Rauch und Feuerwehrautos. Wir wollten sofort bei Tagesanbruch aufbrechen.



Als wir um kurz vor neun aufwachten, stand unser Van in gelbem Dunst und die Farmen am gegenüber liegenden Flussufer waren nicht einmal mehr schemenhaft zu sehen. Hätten wir uns nur einen Wecker gestellt! Unzählige Familien waren schon auf dem Rückweg.

Ein Wohnwagen nach dem anderen rollte an uns vorbei, wir reihten uns eilig in den Konvoi.
Wir fuhren drei Stunden durch gelben Nebel, sahen zum ersten Mal am Tag eine dunkelrote Sonne, teilweise regnete es Asche. Auf der linken Seite sahen wir am Horizont blauen Himmel, auf der rechten eine dunkelgrau-rote Wand. Immer wieder kamen Feuerwehrautos entgegen.



Als wir plötzlich einen vierzig Grad heißen Wind spürten, hatten wir Respekt vor den Feuerwehrmännern. Erstaunlich: das Leben in den Ortschaften schien normal weiter zu laufen. Die Leute waren am bummeln und einkaufen. Abgebrannte Bäume allenthalben. Man könnte meinen, jeder Baum in Victoria brennt mindestens ein Mal in seinem Leben. Es muss schon heftig sein, sein Haus in der Nähe eines großen Buschfeuers zu wissen. Die Australier scheinen sich an diese Gefahr gewöhnt zu haben.