Cool sein wird teuer: Baggy-Pants-Verbot in Michigan

Hannah Allgaier

Seit Ende Juni diesen Jahres darf die Hose nicht mehr zu tief hängen: In Flint im US-Bundesstaat Michigan hat der Stadtrat ein Gesetz gegen die "unanständige Bloßlegung von Körperteilen" erlassen.



Die Kultur der sogenannten "Baggy Pants", Hosen, die besonders weit sind und deren Bund meist unterhalb der Hüfte getragen werden, stammt aus den US-Gefängnissen. Dort werden den Häftlingen immer zuerst die Gürtel abgenommen – und sofort hängen die Hosen ein paar Zentimeter tiefer.


Entlassene Strafgefangene fingen dann an, ihre Hosen auch außerhalb der Gefängnisse auf diese Art zu tragen. So hielt die Baggy-Hose Einzug in die Kultur des Gangsta Rap und ist seit circa 1990 fester Bestandteil der weltweiten HipHop-Garderobe. Diese Zeiten sind in Flint im US-Bundesstaat Michigan vorbei. Wer dort die Hose zu tief hängen hat (siehe Grafik oben), muss mit einer Geldstrafe von bis zu 500 US-Dollar oder drei Monaten bis zu einem Jahr Gefängnis rechnen. Der örtliche Police Chief hatte das Tragen von hängenden Hosen – je nach Hosen-Trag-Tiefe – in einer Verordnung zur "Erregung öffentlichen Ärgernis" und zur "Handlung gegen die öffentliche Ordnung" erklärt.

"Manche Leute nennen es einen Trend," sagte Police Chief David Dicks der Detroit Free Press. "Aber ich glaube, es ist eine landesweite Belästigung. Es ist unanständig und erfüllt daher den Tatbestand der Erregung öffentlichen Ärgernisses." Dicks hatte das Police Department erst kurz zuvor als vorübergehender Leiter übernommen.

Außerdem erleichtert der Hängende-Hosen-Straftatbestand nach Meinung des Police Chief das Vorgehen gegen andere Straftaten. So werde es der Polizei ermöglicht, potentielle Täter zu durchsuchen und möglicherweise Waffen und Drogen sicher zu stellen.

Die American Civil Liberties Union (ACLU) kündigte an, die Praxis im Auge zu behalten. "Wir sorgen uns, dass die Durchsetzung der Verordnung zu  Verletzungen der Grundrechte führen könnte", sagte ACLU-Anwalt Greg Gibbs.

Die Vorsitzende der ACLU Michigan, Kary Moss, sagte gegenüber der Detroit Free Press: "Wir werden abwarten, ob diese Verordnung durchgesetzt wird. Wenn ja, werden wir dagegen vorgehen. Wir machen uns Sorgen, dass durch diese Verordnung vor allem Afro-Amerikaner beeinträchtigt werden."

Der Police Chief lehnte eine mögliche Benachteiligung von Afro-Amerikaner und Teenagern ab. "Das ist kein schwarzes Thema", sagte Dick, der selbst Afro-Amerikaner ist, zur Detroit Free Press. "Das betrifft alle Menschen. Viele Leute unterschiedlicher ethnischer Abstammung folgen diesem Trend."

Mehr dazu:

[via CR-Blog]