Clueso & Blumentopf: "Macht Platz, die Jungs vom Topf geben Gas!"

Andreas Wieland

"Macht Platz, die Jungs vom Topf geben Gas" war eine der Textpassagen, die das Publikum im Zirkuszelt gestern Abend zum Ausflippen brachten. Blumentopf und Clueso sorgten den ganzen Abend für gute Stimmung und heizten so richtig ein. Andal war für fudder dabei.



Der Abend fing eigentlich nicht so gut an: es regnete. Reichlich Leute wollten sich eigentlich das Konzert von draußen anhören, weil ihnen 25 Euro für die Tickets zu teuer waren. Zum Glück hörte der Regen vor Konzertbeginn auf und die Sonne kam noch einmal raus, bevor sich alle in das Zirkuszelt begaben. So waren schon vor dem Konzert viele Zuschauer völlig durchnässt.

Um zehn nach acht fing Clueso mit seinem Programm an: die Stimmung war gut und Cluesos Stimme animierte das Publikum zum Mitsingen und Mitschwanken.

Die Band, mit der Clueso momentan auf Tournee ist, um sein neues Album „So sehr dabei“ zu präsentieren, konnte auch punkten. Vor allem an der Arbeit des Gitarristen, der ein amtliches Solo hinlegte, konnte man erkennen, dass die Band ihr Handwerk versteht. Leider war der Sound nicht so gut abgemischt; die Höhen waren etwas übersteuert. Cluesos Programm war gut durchmischt mit alten und neuen Tracks. Die Lieder des neuen Albums und des Albums „Weit weg“ von 2006 sind meiner Meinung nach allerdings zu poppig geworden. Wenn man  Cluesos Entwicklung betrachtet, dann war sein erstes Album von 2001 „Text und Ton“ ein Rap-Album unter vielen, das auch nicht viel Aufsehen erregte. „Gute Musik“ von 2004 hingegen war neu und innovativ. Gute Musik war nicht nur Name, sondern auch Programm. Auf jeden Fall war Cluesos Auftritt gelungen und eine gute Einstimmung auf den Abend.

Um zehn Uhr kamen dann Blumentopf auf die Bühne: Mein erster Eindruck der fünf Jungs: man sieht ihnen schon an, dass sie älter geworden sind. Kein Wunder, denn den Topf gibt es schon seit 1992. 1997 kam ihr erstes Album „Kein Zufall“ heraus, mit dem sie ihren Durchbruch hatten.



Den Text von dem Klassiker „6 Meter 90“, in dem Blumentopf sich gekonnt ironisch über Boygroup-Fanatismus beklagt, konnte selbst ich noch auswendig. Der Topf beweist immer wieder seine Fähigkeit, jede Thematik geschickt in einen Text zu packen. Nicht nur bei den Freestyles, die sie an diesem Abend von sich gaben, bei denen sie das Publikum integrierten, sondern auch erst kürzlich bei der Europameisterschaft. Dort wurde jedes Spiel der deutschen Mannschaft bei der „Raportage“ in einen Text verpackt und im ZDF übertragen.

Die Bühnenpräsenz der fünf Bandmitglieder war beeindruckend. Man konnte ihnen richtig ansehen, dass sie Spaß an der Sache haben und das übertrug sich aufs Publikum: die Stimmung war bombastisch. Bei der Zugabe „Macht Platz, die Jungs vom Topf geben Gas“ konnte man alle Hände oben sehen, wenn die Blinder das Zelt für kurze Zeit in helles Licht tauchten, und dann wurde einem auch bewusst, wie viele Zuschauer überhaupt in dieses Zelt passten.

Trotzdem war es auch weiter vorne im Publikum nicht unangenehm. Bei vielen Konzerten oder Festivals wird man in den ersten Reihen erdrückt oder bekommt Ellenbogen in die Rippen geschlagen. Obwohl das Konzert so gut wie ausverkauft war, hatte man überall genügend Platz, um sich zur Musik bewegen zu können. Die kleinen kreischenden Mädchen haben etwas gestört, auf der anderen Seite hat es mich aber gefreut, dass die Band auch wieder junge Fans hat.



Es scheint, als gebe es doch noch eine Alternative zum heutigen Mainstream. Das Publikum reichte von 14- bis zu 35-jährigen, was ich sehr selten in anderen Locations  beobachten konnte. Selbst einen der Besitzer des Kamikaze Klubs  konnte man in der Menge am Zurufen und Pfeifen entdecken. Er teilte mir mit, dass der Besuch dieses Konzertes zum Pflichtprogramm gehörte. Dem konnte ich nur beistimmen.

Das Licht und die Show waren super, der Sound war in Ordnung und ich gehe davon aus, dass nach den Zugaben jeder Zuschauer das Zelt nassgeschwitzt verließ.

Im Anschluss spielte um halb eins die Band Menschlich im Actionzelt, die erst Ende Juni ihr Album „Utopia“ released haben. Für mich klangen sie wie eine Mischung aus Herbert Grönemeyer und den Söhnen Mannheims; an sich war das nicht schlecht, die Stimmen und die Raps waren gut, aber auch nicht besonders.

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