Claudia Grammelspacher will Deutschlands sexyste Veganerin werden

Simone Höhl

Sie könnte zu Deutschlands attraktivster Veganerin gekürt werden: Claudia Grammelspacher steht im Finale von "Germany’s Sexiest Vegan", einem Wettbewerb der Tierrechtsorganisation Peta. Es wäre nicht ihr erster Titel: Die 43-jährige Freiburgerin war schon mehrfach Weltmeisterin im Kickboxen.



Terminanfrage bei der Finalistin, Claudia Grammelspacher hat gleich Zeit: "Für die gute Sache immer." Die 43-Jährige ist unkompliziert, klein und zierlich, aber kräftig: Muskeln wölben sich unter ihren Tattoos an Beinen und Armen, am Handgelenk trägt sie das Symbol des Vegetarierbunds. Sportlich war sie schon immer. Vegan nicht.


Von der Leichtathletik über Jazztanz kam sie mit Anfang 20 zum Kampfsport Jiu Jitsu – und auf den Geschmack. Im Alter von 33 Jahren begann sie mit Kickboxen und Boxen. Und mit Wettkampfsport: "Mit 33 haben die meisten schon damit aufgehört", sagt sie und lacht. Sie wurde Vize- und Weltmeisterin im Kickboxen, in der Klasse der "Veteranen", aber auch bei den Jungen.

Vegetarierin war sie mit 30, ließ nach und nach tierische Produkte weg und ernährt sich seit knapp zwei Jahren ganz ohne diese. "Viel zu spät", sagt die 43-Jährige, die aus ethischen Gründen vegan lebt. "Der nette Beigeschmack ist, ich bin unheimlich fit und tue was für die Umwelt", erklärt sie in der Sitzecke des Fightclubs Freiburg. Was sie satthat: Kommentare, weil sie nur Pflanzliches isst. "Man muss sich viel anhören."

Die Kampfsportlerin hat diverse Trainerlizenzen und ihr Hobby zum Beruf gemacht: Sie hatte früher eine Glaserei und ein Piercingstudio und mit ihrem Ex-Partner zum Trainieren eine Halle gemietet. Doch die war zu groß und die beiden gründeten 2008 einen Verein. Inzwischen haben sie im Fightclub 350 Mitglieder, ihren Sitz in der Wiesentalstraße 13 und einen Club in Emmendingen.

Knackige Veganer gesucht

In der Kampfsportschule sind Riegel und Eiweißpulver vegan. Die Trainerin richtete eine Infoecke zu Tierschutz und Ernährung ein, kauft Bücher und legt sie zum Mitnehmen aus. Auf Facebook postet sie Bilder von Massentierhaltung, um zum Nachdenken anzuregen. "Manchmal muss es eben weh tun!", lautet einer der Trainingssprüche, die an den Wänden des Fightclubs stehen. Doch Grammelspacher ist keine Kampfveganerin: Sie will überzeugen. Und den Sexiest-Vegan-Wettbewerb dafür nutzen: "Werbung für die gute Sache."

Peta sucht Deutschlands knackigste Veganer – in den Kategorien Mann, Frau und "offen". Dass es nicht nur ums Äußere geht, sondern auch ums Engagement, zeigte die Vorrunde: Wäschemodels konnten beim Voting nicht unbedingt punkten. Grammelspacher steht mit vier Frauen zwischen 22 und 64 Jahren im Finale. Auch weil sie drei Tierschutzorganisationen sowie zwei Tierheime unterstützt und ein neues Projekt hat: "Kraftvoll"für Übergewichtige, die nicht in ein Studio oder Schwimmbad wollen. Ihr Programm besteht aus täglich rund 25 Minuten Training zu Hause, Onlinebetreuung und Ernährungsumstellung. Claudia Grammelspachers Empfehlung ist – natürlich – vegan. "Aber keine Pflicht". Sportlich will sie im Sommer bei der WM in London wieder angreifen. Sie hat dieses Jahr noch keinen Kampf verloren.

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  [Foto: Thomas Kunz]