fudder-Interview

Chinakohlsalat mit Pfirsich-Leberwurst-Dressing: Von Worst of Chefkoch gibt's jetzt ein Buch

Carla Bihl

Auf tumblr starteten Lukas Diestel und Jonathan Löffelbein ihren Blog Worst of Chefkoch – und wurden schnell zum Internethit. Dort belustigen sie das Netz mit den schlimmsten Gerichten des Rezeptportals. Jetzt gibt's ein Buch.

Jonathan, warum braucht man diese schrecklichen Rezepte in einem Buch?

Wir wollten lieber ein Anti-Kochbuch als ein klassisches Kochbuch machen. Auf unserer Seite haben wir von den Leuten schon mitbekommen, dass sie die Rezepte nachgekocht, Kochabende gemacht haben und das total lustig fanden. Wir dachten uns, wenn sich das anbietet, warum das dann nicht so machen.

Natürlich ist das dann nicht einfach nur unser Blogpost und ein Rezept, wie bei einem normalen Kochbuch. Weil es ja alles so absurd und seltsam ist und man das vielleicht auch nicht nachkochen will, haben wir die Rezeptanleitungen ähnlich wie unsere Blogposts gemacht, also auch in absurde Texte und kleine Geschichten verpackt. In denen steht dann eigentlich immer, wie man das zubereitet.
"Es sind schon so ein paar Worst of Worst ofs dabei."

Was muss ein Rezept haben, um es in das Buch zu schaffen?

Für das Buch haben wir tatsächlich ein paar ältere Rezepte ausgewählt, aus den Zeiten, als wir angefangen haben. Weil wir dachten, dass es dann auch die Leute, die diese Posts noch weniger kennen, erreicht. Wir haben die Rezepte danach ausgewählt, was wir persönlich eher schlimm finden. Es sind schon so ein paar Worst of Worst ofs dabei.

Ihr habt also jetzt ein Buch. Was kommt dann als nächstes? Macht ihr einen Film oder kommt dann eine Kochsendung?

Also ich wüsste nicht, worüber man jetzt einen Film machen sollte. Über eine Kochsendung haben wir uns noch keine Gedanken gemacht, wir warten jetzt erst mal ab, wie das mit dem Buch wird.
"Wir suchen sozusagen die kleinen dreckigen Perlen raus."

Ich habe ein paar Rezepte gefunden – da musste ich selbst ein bisschen schmunzeln – die ich eigentlich ganz geil fand, wie zum Beispiel den Nuttella-Apfel oder die Pizza Iglu. Bin ich jetzt krank, wenn ich das toll finde?

Nee, gar nicht. Das erkläre ich manchmal bei unseren Live-Shows: Es gibt da einen Unterschied zwischen einem schlechten Rezept und etwas, was gut schmeckt. Ein Rezept kann superlecker sein, aber trotzdem objektiv nicht toll, wie zum Beispiel, dass man eine ganze Packung Fischstäbchen und zwei Knollen Knoblauch auf eine Pizza haut. Ich glaube schon, dass das schmeckt, aber an sich ist es trotzdem kein gutes Rezept.

Habt ihr jetzt das Vertrauen in Rezepte, beziehungsweise Rezeptvorschläge oder in Chefkoch verloren?

Ach nein. Es gibt ja auch durchaus sehr sehr viel Leckeres, Gutes da bei Chefkoch. Wir suchen sozusagen die kleinen dreckigen Perlen raus und auch das ist ja nicht wirklich schlimm, dass es das gibt. Es ist ja auch schön, dass es das noch gibt und nicht alles furchtbar durchgestylt und perfekt sein muss. Uns ist nicht der Glauben verloren gegangen. Das würde ich nicht sagen.

"Wir haben auch schon genug Mist gegessen in unserem Leben – und genug Mist gekocht."

Der französische Schriftsteller und Gourmet Jean Anthelme Brillat-Savarin sagt ja: "Sage mir, wie du isst, und ich sage dir, was du bist." Was ist denn zum Beispiel Andi, der Erfinder von Andis Tomatenplatte, so für ein Mensch?

Gott, ich glaube, da haben wir sogar einen Blogpost geschrieben, so: "Andi ist die Art von Mensch, die sich Branch Manager auf die Visitenkarte drucken lässt, obwohl er in einer Baumschule arbeitet". Wir wollen uns eigentlich nicht über die Leute lustig machen, es ist ja auf eine sehr liebe Art. Wir haben auch schon genug Mist gegessen in unserem Leben – und genug Mist gekocht.

Wie kam es zustande, dass ihr ein Buch veröffentlicht? Wurdet ihr angefragt?

Ja, wir wurden tatsächlich angefragt. Ich hab irgendwann bei Facebook eine Nachricht bekommen, ob wir nicht Lust hätten, ein Buch zu machen. Da dachten wir uns natürlich:Warum nicht?!

Wir haben uns überlegt, was wir überhaupt machen wollen und kamen dann darauf, dass es eigentlich was zum Nachkochen sein muss, aber auch etwas Neues für die Leute: ein bisschen Zubereitungstexte, die aber auch möglichst unterhaltsam sein sollen, die nicht nur fürs Nachkochen da sind, sondern auch so zum Lesen.

Ihr habt auch eine eigene Leseshow. Was macht ihr da?

Es ist eine wilde Mische aus Nachkochen und Probierenlassen, aus Stand-Up und einfach Lesen. Wir lesen auch die Anleitungen und die Blogposts vor. Wir haben aber auch Texte, die damit gar nichts zu tun haben.

Dass wir Foodblog des Jahres 2017 geworden sind, war ja eher ein bisschen ironischer Zufall. Es ist ja nicht so, dass wir gesagt haben, wir werden Foodblogger. Was wir ja eigentlich machen wollen ist Schreiben, deswegen teilen wir die Show so ein bisschen ein.


Lukas Diestel wurde 1989 in Berlin geboren. In Freiburg studierte er English and American Studies und Kognitionswissenschaft. Derzeit lebt und arbeitet er in Köln und schreibt an seinem ersten Roman.

Jonathan Löffelnbein, geboren 1991 in Freiburg, studierte dort Germanistik und Psychologie. Er lebt momentan in Köln und arbeitet dort als freischaffender Autor und Poetry Slammer.