Candy Girls: Die deutsche MySpace-Soap

Felix Herkenrath

"They call us Candy Girls": so heißt die erste deutsche MySpace-WebSoap, die diese Woche auf dem Social Network gestartet ist. Felix hat sich die erste Folge der Serie angeguckt und erklärt, ob sich diese Online-Serie lohnt.



Zappt man aktuell durch das Programm der Musikkanäle, stößt man recht schell auf einen Werbesport von MySpace: Beworben werden vier junge Damen, die sich Candygirls nennen. Was sich genau dahinter verbirgt, wird während der 20 Sekunden rüpelhafter, trinkender und fluchender Mädchen nicht deutlich.


Nachdem ich das 20. Mal unfreiwillig der Werbung ausgesetzt war, besuche ich die beworbene MySpace Seite. Schnell wird klar: Candygirls ist der Versuch einer deutschen Soap im Web. Bereits im vergangenen Oktober ging auf MySpace eine englischsprachige Seifenoper auf Sendung: Quaterlife. Die Serie wurde kurz nach dem Online-Start, wie von den Machern erhofft, von NBC ins normale Fernsehen geholt.

Während es bei Quaterlife um eine Gruppe Mittzwanziger in der ersten Lebenskrise geht, sind die Hauptdarstellerinnen von Candygirls vier Mädchen, deren Leben um den Berliner Nachtclub 103kreisen.

Die Grundlage der Story ist schnell erklärt: Die vier Mädels erfüllen alle Klischees überzeichneter Serien-Stereotypen.

Die Anführerin der Truppe ist Soffy,Geschäftsführerin des Clubs. Sie ist vom Leben frustriert, deshalb chronisch schlecht gelaunt und mit allem und jedem unzufrieden. Natürlich trägt sie deshalb Domina-artiges Schwarz und pustet Babys Zigarettenrauch ins Gesicht, aber erst, nachdem sie an einer Dose Whiskey-Cola genuckelt hat.



Clementine, deren Name natürlich Englisch ausgesprochen wird, ist das Engelchen der Clique, dementsprechend blond und aus reichen Elternhaus. Weil tatsächliches Bravsein langweilig wäre, ist sie von Zuhause abgehauen und hat sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens gemacht. Den findet sich zunächst im 103, wo sie Soffy kennenlernt und den DJ anflirtet.

Lolaist die Türsteherin des Clubs und lebt an der Tür ihren Frust auf die Männerwelt aus, indem sie Möchtegern-Casanovas den Zutritt zum Club unterstagt. Als toughes Mädchen mit weichem, verletzlichen Kern hat sie ein Drogenproblem.

Kiraist eine Art Gogo-Tänzerin, die, klar, von der eigenen Tanzschule träumt, aber chronisch pleite und deshalb auch beständig auf der Suche nach Männern ist, die ihr das Leben sponsorn.

MySpace wirbt damit, dass die Geschichten der Vier aus dem wahren Leben seien. Doch so klischeehaft wie die Candy Girls daherkommen, kann man das schlicht und einfach nicht glauben. Auch die MySpace-Profile der Girls, jeweils unterschiedlich gestaltet, auf denen Zusatzmaterial zur Sendung erscheint, helfen da wenig.

Die erste Folge der Show hebt sich nur wenig von ähnlichen Low-Budget-Pseudo-Real-Life-Produktionen wie "Abschlussklasse", "Freunde - Das Leben beginnt" oder "Virgin Diaries" ab. Die kurzen Episoden über das ach so tolle, unbeschwerte Leben in Berlin zeigen dabei aber wohl kaum die Realität der sich von Job zu Job hangelnden Generation Praktikum.

Die unnatürlichen Dialoge kreisen um eine begrenzte Zahl von Gesprächsthemen: Wahlweise wird über Drogen, Sex oder das Nachtleben gesprochen. Und dabei ist mit Clementine eine frische Abiturientin in der Clique, von der man eigentlich gehaltvollere Dialoge erwarten sollte. Außerdem legen die dicke Schicht Make-Up und der grelle Lippenstift die Vermutung nahe, dass die Darstellerinnen deutlich älter als Anfang und Mitte Zwanzig sind. Aber so ist das halt im Fernsehen, auch im Web-Fernsehen.

Wieviele Folgen von "Candygirls" insgesamt geplant sind, ist zur Zeit noch nicht bekannt. Zunächst sollen jeden Montag und Donnerstag neue Folgen auf dem gemeinsamen MySpace Profil der vier Mädels erscheinen. Jeder Folge dauert nur knapp fünf Minuten, durch die Kürze der Episoden sollen Zuschauer schnell gewonnen und unterhalten werden, und sicher hoffen die Produzenten auch, dass sich die Folgen viral verbreiten.



Das Echo der MySpace-Nutzer auf die erste Folge – oh Du böses Web 2.0 – ist übrigens kein Gutes: Gerade einmal 21 Prozent der User (Stand heute, 21. Mai, 14:14 Uhr) finden die Candygirls sehenswert.

Da bleibt nur noch die Frage: Wer sind diese 21 Prozent? Auf eine genauere Analyse verzichten wir an dieser Stelle einfach mal.



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