Butoh Off-Festival: Das Innerste nach Außen kehren

Stephan Elsemann

Die Vorstellungen des ersten Butoh-Festival in Freiburg am vergangenen Wochenende waren ausverkauft. Das Publikum ließ sich verführen von der spröden, intimen Kunst. Stephan hat (Video-)Eindrücke vom Wochenende mitgebracht.



Das Hans-Dürr-Theater in der Lörracher Straße ist ein kleiner schwarzer Kasten, eine Guckkastenbühne. Das fordert Konzentration und fördert sie auch. Zunächst einmal überrascht die Nähe, die Intimität, das verstörend verletzliche. Maki Watanabe (Video oben) ist ganz nackt bei ihrem Auftritt. "Hello, I'm Maki" sagt sie leise, und nimmt vorsichtig Kontakt zum Publikum auf.


Einer Performance im Sinne einer Darstellung ist das hier nicht. Die Künstler beim Butoh verkörpern, sie werden zu dem, was man sehen kann. Gleichzeitig stehen sie außerhalb, treten in Kontakt mit Raum und auch mit dem Publikum. Flavia Ghisalberti aus Basel, die zusammen mit Lucie Betz das Festival organisiert hat, gibt sich Mühe, in Worte fassen, was wohl nur erlebt werden kann.

Die Bewegungen der Tänzer, zitternd und dabei oft extrem verlangsamt, rufen expressionistische Stummfilme aus den Zwanziger Jahren in Erinnerung. Caligari, Dr. Mabuse und Nosferatu lassen grüßen. Diese Nähe ist nicht ganz zufällig. Ursprünge von Butoh liegen im Deutschland der 20er Jahre – beim Ausdruckstanz von Mary Wigman oder Valeska Gert. Auch hier ging es darum, das Innere nach außen zu kehren. Auch hier ging es um eine Gegenbewegung – zum etablierten Tanz.



Der Tod ist stets präsent. Gyohei Zaitsu (Video oben), der am Sonntag das Publikum vielleicht am meisten berührt, wird am Ende seiner Performance zu einer Maske, was typisch ist für die Präsenz des Todes beim klassischen Butoh.

Ob man so was lernen kann, in einem Workshop, fragen wir eine Teilnehmerin. Unbedingtes Ja. Sie durfte zu einem Insekt werden und ging dabei so in ihren Trippelschritten auf, bis sie schmerzhaft gegen mit der Wand kollidierte. Sie ist begeistert und wird dabei bleiben. Ganz so ernst und streng muss es nicht immer sein. Butoh hat auch eine heitere, verspielte und groteske Seite, die vor allem bei der Gruppenimprovisation am Sonntag zum Vorschein kam. Dieser eigenwilligen Kunst zwischen Tanz, Skulptur und Selbsterfahrung ist zu wünschen, dass sie einen festen Platz in Freiburg finden wird und wir eine Fortsetzung des Festivals im kommenden Jahr erleben.



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