Bundestagswahl 2013: Hilft mir der Wahl-O-Mat bei der Entscheidung?

fudder-Redaktion

In gut drei Wochen ist Bundestagswahl. Wen wähl ich bloß? Im Netz gibt es unterschiedliche Tests, bei denen Wähler ihre Ansichten mit den Wahlstandpunkten der Parteien vergleichen können. Ob es das bringt? Eine Erstwählerin hat den ganz subjektiven Selbsttest gemacht:



Am 22. September 2013 ist Bundestagswahl - und ich darf zum ersten Mal daran teilnehmen.

Es stellt sich die Frage: Wen zum Teufel wähle ich nur? Klar, ich habe eine Tendenz: Ich finde die Grünen und wofür sie stehen, ganz sympathisch. Aber ich will nicht einfach auf gut Glück eine Partei oder ihre Kandidatin beziehungsweise ihren Kandidaten wählen, nur weil er mir aus dem Gefühl heraus am passendsten erscheint. Ich will es genau wissen. Deckt sich meine Meinung wirklich mit ihnen?


Die Tests im Vergleich

Also mache ich, was heute viele machen: Ich nutze Wahl-O-Maten im Internet. Neben dem "Wahl-O-Mat" der Bundeszentrale für politische Bildung gibt es mittlerweile einige andere ähnlicher Tests. Ich teste außerdem den  Kandidaten-Check der Abgeordnetenwatch-Website, den Wahlthesen-Test der Süddeutschen Zeitung und den ParteieNavi, einen Test von Politikwissenschaftlern der Uni Konstanz. 

Der Klassiker: Wahl-O-Mat

Der Wahl-O-Mat ist der Klassiker unter den Wahlmeinungstest-Maschinen im Netz. Für die diesjährige Bundestagswahl ist er am heutigen Donnerstag online gegangen. Er kommt kompakt daher, und zeigt mir kurz und knapp die Aussagen an, zu denen ich meine Meinung abgeben soll; danach kann ich Thesen, die mir besonders wichtig sind, gewichten, damit sie für das Ergebnis mehr Bedeutung erhalten. Laut ihm sollte ich die Grünen oder die Piraten wählen, beide stimmen zu 73,9% mit meinen Antworten überein.



Der Erststimmen-Test: Kandidaten-Check

Der Kandidaten-Check ist der einzige Test, der auf die Erststimme eingeht. Er vergleicht meine Meinung mit den Meinungen der Kandidatinnen und Kandidaten in meinem Wahlkreis. Er fordert ein bisschen Geduld. Ziemlich lange braucht er, um mir zu jeder beantworteten Frage die passenden Kandidaten anzuzeigen. Ich habe das Gefühl, dass die meisten Kandidaten in ihren Meinungen – zumindest bezogen auf die im Test behandelten Themen – nicht sehr weit auseinanderliegen.

Danach bin ich im Prinzip allerdings fast so schlau wie vorher, denn anscheinend passen gleich drei Kandidaten zu mir: Mit dem parteilosen Martin Kissler, von dessen Kandidatur ich nicht einmal wusste, habe ich 15 Übereinstimmungen, mit Tobias Pflüger von den Linken ebenfalls, und mit Kerstin Andreae von den Grünen 14.
Ärgerlich: Matern von Marschall, der CDU-Kandidat, wird zwar unter den möglichen Kandidaten angezeigt, allerdings mit dem Vermerk "Hat sich nicht beteiligt". Ich frage bei Markus Meyer, dem Leiter von Materns-Wahlkampfbüro, nach: Herr von Marschall habe die Fragen alle beantwortet, dass sie aktuell nicht im Check angezeigt würden, sei ein technisches Problem. "Wir arbeiten daran, dass es schnellstmöglich behoben wird", sagt Meyer.




Der Ethik-Test: Wahl-Thesentest

Für den Wahl-Thesentest der Süddeutschen Zeitungen wurden die Spitzenpolitiker der Parteien um ihre Meinung gefragt. "Der Wahl-Thesentest liefert Ergebnisse, die nicht auf programmgewordenen Kompromissen basieren, sondern auf persönlichen Einschätzungen und Einstellungen führender Parteivertreter", sagen die Macher.

In der Anwendung gefällt er mir sehr gut. Die Fragen sind alle auf einmal zu sehen, und ich kann mich bei der Entscheidung noch detaillierter entscheiden: Ob ich ganz zustimme, eher zustimme, neutral gestimmt bin, eher nicht zustimme, oder überhaupt nicht zustimme. Das gefällt mir, denn ich habe nicht zu allen Themen gleich eine extreme Meinung.

Auch hier lautet mein persönliches Ergebnis: Am meisten Übereinstimmung mit den Piraten und den Grünen.



Der Wissenschaftliche: ParteieNavi

Auch Politikwissenschaftler der Uni Konstanz haben eine Wahlentscheidungshilfe entwickelt: den ParteieNavi. Er will noch einiges mehr von mir, als nur „Zustimmen“- oder „Ablehnen“-Knöpfe drücken. Ich soll die Parteien nach der Eingabe meiner Einstellungen in den Kategorien konservativ/progressiv und links/rechts bewerten. Außerdem soll ich angeben, zu welcher Partei ich tendiere. Ob das in die Auswertung einfließt, oder ihr Forschung betrieben wird, bleibt unklar.

Im Ergebnis stimme ich hier am meisten mit der SPD überein, gefolgt von den Linken und dann erst den Grünen. Besonders schön: Die Diagrammansicht, die die eigene Meinung ins Verhältnis mit den Parteien setzt.  



 

Und wen wähle ich nun?

Nach vier Wahltests kann ich nicht behaupten, ein eindeutiges Ergebnis zu haben. Die Grünen, Die Linke, die SPD und die Piraten sind für mich persönlich alle noch im Rennen. Sind die sich in ihrem Wahlprogramm nun wirklich so ähnlich? Oder sind die Fragen in den Wahltests einfach nur zu unspezifisch, so dass viele Parteien „ja“ angeben, obwohl sie eigentlich einige Einschränkungen anzumerken hätten?

Vielleicht würden sie auch wie ich in einigen Fällen lieber „eher ja“ oder „eher nein“ sagen, als eine extreme Position einzunehmen. Diese uneindeutigen Ergebnisse sind aber nicht unbedingt schlecht: Sie zwingen mich, noch mehr Informationen zu den jeweiligen Wahlprogrammen zu sammeln, damit ich weiß, wer nun wirklich zu mir passt. Mehr Informationen sammeln heißt ja insgesamt, mehr Bescheid zu wissen.

Und das kann nie schaden.

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  [Foto 1: dpa; Screenshots: fudder]