Büros im neuen Studentenwohnheim am Flugplatz?

Yvonne Weik

In das neue Wohnheim Campus II sollten eigentlich nur Studierende einziehen. Nun befürchten diese allerdings, dass auch die technische Fakultät einen Teil der Zimmer als Bürofläche nutzen könnte:



Vor einem Jahr hat das Studentenwerk Freiburg auf dem Campus der 11. Fakultät am Flugplatz das Wohnheim Campus I eröffnet, jetzt zum Wintersemester ist sein Nachbar fertig: Campus II mit 122 Plätzen. Studierende befürchten allerdings, dass aus einem Teil der Zimmer Büros werden – und zwar für Mitarbeiter der technischen Fakultät. Clemens Metz, Geschäftsführer des Studentenwerks, bestätigt derartige Überlegungen: 22 Zimmer könnten vorübergehend vermietet werden.


Am Mittwoch feierte das Studentenwerk Einweihung im Campus II – mit Häppchen, Sekt und Ansprachen. Hans-Jochen Schiewer, der Rektor der Universität, freute sich über das neue Wohnheim und blickte angesichts leicht steigender Studierendenzahlen in die Zukunft: "Wir planen schon Campus III." Auch Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach, Mitglied im Verwaltungsrat des Studentenwerks, gratulierte: "Sie bauen Wohnungen wie andere Brezeln backen."Mit verschiedenen Neubauprojekten habe das Studentenwerk die Situation für Studierende auf dem engen Freiburger Wohnungsmarkt "deutlich entlastet".

In das Wohnheim Campus II hat das Studentenwerk 6,85 Millionen Euro investiert, davon sind 976000 Euro Fördermittel des Landes. Entstanden sind auf fünf Stockwerken 40 Einzelapartments, ein barrierefreies Apartment und 15 Wohngemeinschaften (WG) mit vier bis sechs Zimmern. Dass 22 der 122 Zimmer an die technische Fakultät gehen sollen, darüber wurde bei der offiziellen Feier kein Wort verloren.

Werbung "Noch ist alles offen", erklärt Clemens Metz, Geschäftsführer des Studentenwerks, später im Gespräch mit der BZ. In den kommenden zwei Wochen werde entschieden, ob man die Zimmer im Wohnheim an die technische Fakultät vermiete – darunter Teile des Erdgeschosses inklusive Partyraum und zwei WGs im ersten Obergeschoss. "Die Fakultät braucht kurzfristig Arbeitsplätze für Mitarbeiter und studentische Hilfskräfte", sagt Metz. Nimmt er dafür etwa in Kauf, dass billiger Wohnraum für Studierende wegfallen könnte? "Das tut uns auch weh", sagt er und betont, dass es sich lediglich um 22 von insgesamt rund 3500 Plätzen des Studentenwerks handle. Zudem weist er darauf hin, dass die Räume nur "temporär" vermietet würden, "ein bis zwei Semester".

Für die übrigen Zimmer hat das Studentenwerk teilweise Mietverträge mit Studierenden abgeschlossen, sieben sind schon eingezogen – zum Beispiel Alexander Rudmann. Mit einem Chip öffnet er die Tür zum neuen Zuhause: 21 Quadratmeter, mit Bad und Küchenblock, Parkett und Einbauschrank, großem Fenster und Video-Türsprechanlage. "Und das Internet ist auch schnell!" Der 23-jährige Student für Mikrosystemtechnik ist zufrieden. Er spart Zeit und Geld: Statt in 30 Minuten ist er in drei in der Vorlesung, für die Wohnung bezahlt er 340 Euro – deutlich weniger als zuvor in Littenweiler.

Bezahlbarer Wohnraum für Studierende wird in Freiburg immer wieder gefordert. Regelmäßig zum Semesterstart sind viele auf der Suche. Darum hat das Studentenwerk die Kampagne "Zimmer frei" gestartet: Auf 100000 Papiertüten werben Studentenwerk und eine Bäckerei dafür, Zimmer und Wohnungen zu vermieten – an Studierende.

Info

Für die rund 32000 Studierenden bietet das Studentenwerk in Freiburg aktuell 3535 Wohnplätze an – mit dabei sind die 122 Plätze des Wohnheims Campus II am Flugplatz. Weitere 750 sind in den nächsten fünf Jahren geplant. Bundesweit sind für 10,6 Prozent der Studierenden Wohnheimplätze vorhanden, in Baden-Württemberg für 13,6 Prozent. Freiburg liegt inklusive der Wohnheime der anderen gemeinnützigen Träger mit 4400 Plätzen knapp darüber. Deren Miete in den Wohnheimen kostet zwischen 200 und 370 Euro im Monat, private sind meist teurer.

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[Foto: Ingo Schneider]