Büffeln in der provisorischen UB

Helena Barop

Endlich steht es fest: Im März 2008 wird die UB in die Stadthalle umziehen. fudder hat bei der Bibliotheksdirektorin Bärbel Schubel nachgefragt, was das für die Studierenden bedeutet und was dran ist, an den Asbestgerüchten.



Im März 2008 wird die UB mit 450 000 Büchern, etlichen Regalen und 250 Computern in die Stadthalle umziehen. Lesesäle mit 600 Arbeitsplätzen wird sie dort anbieten und einen besonderen Service, den der eine oder andere Student vielleicht mit gemischten Gefühlen aufnehmen wird: Die UB in der Stadthalle wird niemals schließen. Vorbei ist es dann mit der langersehnten Ansage "Bitte bringen Sie die Bücher rechtzeitig an ihren Platz zurück!". Nachts und am Wochenende soll das Gebäude nur von einem Nachtwächter und einer Ausgangskontrolle bewacht werden. Die Unicard wird zur Eintrittskarte zu endlosen durchgelernten Nächten, denen nicht mehr das verlockende Bett im Wege steht.


Wer die weniger zentrale Lage der Stadthalle schon jetzt auf sein Gebührenkonto schlagen sieht, kann beruhigt sein. Die Ausleihe, an der Bücher aus dem Magazin einen Tag nach der Bestellung abgeholt werden können, wird nicht in die Stadthalle sondern in einen Container in der Rempartstraße umziehen. Das Gebäude neben der Mensa wird die Buchbearbeitungsabteilung und das Rechenzentrum beherbergen, so dass die siebenminütige Anfahrt mit der Linie 1 zur Stadthalle nur für ausgedehnte Lernsessions und für die Bücher der letzten zehn Jahrgänge aus dem Freihandmagazin zurückgelegt werden muss.



Der Umzug im nächsten März soll so schnell wie möglich erfolgen. Bärbel Schubel, die leitende Bibliotheksdirektorin, drängt auf einen Umzug innerhalb von einer Woche, doch der logistische Aufwand darf nicht unterschätzt werden. Immerhin zieht die UB in Räume, die insgesamt nur halb so groß sind wie das alte UB-Gebäude. Wahrscheinlich wird die Bibliothek zum Unglück aller Hausabeitschreibenden für mindestens zwei Wochen schließen müssen. Vier bis fünf Jahre werden die Bauarbeiten an der neuen Bibliothek voraussichtlich dauern, eine Studentengeneration wird von der Stadthallenlösung betroffen sein. Doch die Studenten haben noch Glück gehabt, denn die Alternative wäre eine zehnjährige Baustelle gewesen - ohne Umzug. Um die Lernenden vor einer akustischen Presslufthammerkulisse zu bewahren, ist die Freiburger UB nach eigenen Aussagen die erste Bibliothek, die vollständig aus- und später an der selben Stelle wieder einzieht.



Das alte UB-Gebäude am Werthmannplatz ist bautechisch sehr marode. Auch an den Asbestgerüchten ist was dran, zwischen den Wänden und Decken befinden sich Platten, die nicht berührt werden dürfen. Das heißt zwar nicht, dass die Studenten jetzt mit der Schadstoffbelastung schlechte Noten rechtfertigen können, denn "in der Luft ist weniger Asbest als draußen", versichert die Bibliotheksdirektorin. Allerdings machen die verseuchten Baustoffe jede Renovierung unmöglich. Wenn dann Renovierungsarbeiten nötig werden, weil die Fassade bröckelt und das Dach undichte Stellen bekommt, hilft nurnoch eins: Abreißen. Hinzu kommt, dass die Klimaanlage, die im Winter für zu warme und im Sommer für zu kalte Luft sorgt, aus dem Jahre 1978 stammt. Es gibt für sie keine Ersatzteile mehr und "hier kostet alleine eine Stunde Klima vielmehr als das Personal", klagt Frau Schubel. Insgesamt wird die neue, nur teilweise klimatisierte Bibliothek 500 000 € im Jahr an Energiekosten einsparen.

Der Umzug der Bibliothek wird Unannehmlichkeiten mit sich bringen. Längere Wege, längere Bestellzeiten, wahrscheinlich auch ein bisschen Chaos, all das wird sich nicht vermeiden lassen. Doch durch die Leihstelle in der Rempartstraße, die neuen Öffnungszeiten und die Aussicht auf eine wesentlich schönere und funktionalere neue Bibliothek sollten sich die Studenten trösten lassen. Selbst wenn sie selbst nichts mehr von der neuen UB haben werden.



Personalien

Bärbel Schubel ist leitende Bibliotheksdirektorin der Universitätsbibliothek Freiburg.