Bring your own Records: In der Hemingway Bar legen montags die Gäste ihre eigenen Platten auf

Meike Völz

Keine Frage: Vinyl ist in. In der Hemingway-Bar dürfen seit Anfang Dezember jeden Montag die Gäste ihre eigenen Platten mitbringen und auflegen. fudder-Autorin Meike Völz hat sich an die Decks gestellt. Was sie und die anderen Gäste aufgelegt haben:



In der Hand einen torfigen Ardbeg und auf den Ohren die grandiosen Klänge des Deep Purple-Albums "III" "....and still falls the April rain..." Heute ist ein Montagabend, wie er sich leben lässt. Und auch die nächsten Songs lassen mich nicht den Fury In The Slaughterhouse-Klassiker "Hang the DJ ("Hang the DJ hang him high / kill this bastard kiss goodbye") zitieren. Denn der DJ bin ich, eine Philosophiestudentin, ohne weitgehende Ambitionen zum Auflegen, Scratching oder dem, was man sonst noch mit Vinyl anstellen kann.


Meine Passion beschränkte sich bisher auf das ganz persönliche Hörvergnügen. Und trotzdem stehe ich an der Nadel zur Macht, am Plattenspieler, und lege meine Scheiben auf. Zu verdanken habe ich dieses erhabene Gefühl einer frisch aus Helsinki importierten Idee: "Bring your own records". Mit diesem Motto lädt die Hemingway Bar seit Anfang Dezember Freiburgs Plattensammler und Musikfanatiker dazu auf, ihr Vinyl zu entstauben und die musikalischen Schmuckstücke mit der Welt, oder zumindest einem kleinen Teil davon, zu teilen. So verwandelt sich die Bar einmal die Woche, jeden Montag von 18 bis 2 Uhr, in einen Ort, an dem die Gäste bestimmen, welche Musik läuft.

Die DIY-Aufleg-Nacht ist ein Helsinki-Import

Erwachsen ist die Veranstaltungsreihe aus dem Auslandsaufenthalt von Andreas Schöler (Bild oben), einer der Hemingway-Bartender. Subjektive Beschreibung: groß, gutaussehend, drei-bis-fünf-Tage-Bart, Cappy. Objektive Beschreibung: leidenschaftlicher Musik-Fan mit großen Ambitionen.

14 Monate verbrachte er in Finnland, wo er das Konzept des DIY-Musik-Kneipenabends kennen lernte, das er jetzt in Freiburg etablieren will. „Die standen teilweise Schlange, nur um ihre LPs auflegen zu dürfen“, sagt Andreas. Während er spricht merkt man schnell, dass er darauf hofft, sich auch in der Hemingway bald quer durch die Plattenschränke seiner Gäste zu hören. „Unser Ziel ist es, mehr Vielfalt nach Freiburg zu bringen.“



Am heutigen Abend braucht man sich aber noch nicht um lange Wartezeiten sorgen. Außer mir sind gerade noch drei andere Leute da, die das Motto des Abends kennen und dem Aufruf auch tatsächlich gefolgt sind. Mir ist das ganz recht. Ich schlendere gemütlich zur Theke, bestelle mir bei der sympathischen Kellnerin ein Bier und lege meine Jimmy-Smith-Scheibe auf.

Auch wenn man es der Besucherzahl hier noch nicht anmerkt, die Hemingway liegt mit ihrem montäglichen Konzept voll im Trend, dem Trend zum Vinyl. Denn die Polyvinylchlorid-Scheiben sind schließlich längst mehr als reine Kult-Reliquien aus Papas Jugendzimmer. „Vieles bekommt man heute nur noch auf LP, gerade in der Elektro-Szene", sagt Andi. Und er muss es wissen, verfügt der studierende Cocktailfachmann, der sich eigentlich als DJ versteht, mittlerweile doch über eine respektable Sammlung der unhandlichen Tonträger. An diesem Repertoire lässt er nicht nur das zahlende Publikum während seiner Auftritte, sondern auch die Montags-Gäste in der Hemingway teilhaben: Andi stellt sich hinter das Plattenpult, wenn mal Leerlauf ist. 

Stilistische Vorgaben? Keine!

„Hier ist alles erlaubt - von Jazz über Rock bis hin zu Elektro. Die Gäste sollen selbst entscheiden, was passt und vor allem, was sie hören wollen. Ob die Lieblings-Schranz-Scheibe hier reinpasst ist zwar Geschmacksache, aber verboten ist sie nicht.“ Doch auch wenn Andi es mir sicher nicht übel nehmen würde, lasse ich die "Füchse" von den Beginnern mal lieber im Bau und genieße Miles Davis, der von einem Gast an einem der Nachbartische aufgelegt wurde und viel besser zur loungigen Atmosphäre der Bar passt.

Kurz darauf schlurft ein weiterer Gast herein, dessen Jutebeutel sich als Transportmittel für einige Hendrix-Scheiben entpuppt. Die Töne von "Hey Joe" erklingen und die Luft füllt sich weiter mit Zigarrenrauch.



Mehr dazu:

Was: Bring your own records
Wann: jeden Montag ab 18 Uhr
Wo: Hemingway Bar, Eisenbahnstraße 54
Eintritt: frei [Fotos: Florian Forsbach]