Breisgau-Brands: T-Shirts von Waldwerk

Friederike Günter

Der Schwarzwald ist im Trend. Spätestens seit Stefan Strumbel Kuckucksuhren pink malt und Bollenhutmädels in Warhol-Manier aufbereitet, schämt sich keiner mehr dafür, unsere Heimat cool zu finden. Mit dem coolen Schwarzwald-Image spielen auch die Schwarzwald-Shirts von Waldwerk.

Seit Sommer 2010 vertreiben Tobias Hollerbach und Ralf Schuler unter dem Label Waldwerk T-Shirts mit Motiven, die vom Schwarzwald inspiriert sind.  Und die sind gerne etwas zweideutig. Wie zum Beispiel das "Uhrensohn"-Shirt. Es zeigt den Umriss eines Mannes mit Kasten auf dem Rücken. Ein Schwarzwälder erkennt, dass in diesem merkwürdigen Kasten Kuckucksuhren transportiert wurden, die der Mann als mobiler Uhrenverkäufer bei den Höfen und Dörfern verkaufte.


Der im Umriss erkennbare Mann ist übrigens der Großvater von Ralf Schuler und war tatsächlich Uhrenverkäufer. Die Bezeichnung Uhrensohn ist daher mehr als nur ein lustiges Wortspiel, auch wenn Ralf selbst mit Uhren wenig am Hut hat. Er hat BWL studiert und arbeitet in einer Werbeagentur. Tobias ist studierter Innenarchitekt und arbeitet als Messeplaner.

Die Idee zur eigenen T-Shirt-Marke entstand nach einem Mountainbiketrip, den Tobias mit Freunden über die Alpen gemacht hat: "Ich habe nach der Tour jedem ein T-Shirt mit einem von mir designten Bergmotiv geschenkt." Das wollten danach noch mehr Leute haben, und  so entschloss er sich, zusammen mit Ralf mehr daraus zu machen. Eigentlich sollten es nicht nur T-Shirts werden. "Wir wollten Winterklamotten machen, aber das war zu kostspielig", sagt Tobias. Das Bergmotiv blieb trotzden,  und der Schwarzwald löste schnell die Alpen als ab. Dabei wollten sie nicht das übliche Bild vom Schwarzwald zeigen. "Wir sind nicht die Ersten, die auf diese Idee gekommen sind, aber es gibt eben viel Banales."

Beide Waldwerk-Macher sind im Schwarzwald groß geworden und kennen dabei sowohl die von Touristen so geschätzten Seiten, als auch die für den Urlauber unbekannten Eigenarten ihrer Heimat. "Es ist schön hier, aber irgendwann geht es echt auf den Sack", sagt Ralf Schuler (im Bild unten links). Beide haben daher ein paar Jahren außerhalb des Schwarzwalds verbracht. Nach ein paar Jahren in der Ferne kamen sie aber wieder heim. "Wir haben immer noch ein ambivalentes Verhältnis zu unserer Heimat. Deswegen haben wir auch die halbe Tanne als Logo", erklärt Ralf.



Ihre kritische Sicht auf Schwarzwälder Kirschtorte und Bollenhut verarbeiten sie mit Humor. "Es gibt Einiges, über das wir uns – gerade als Schwarzwälder – immer wieder amüsieren können", sagt Tobias. So nehmen sie den kaum bekannten Hintergrund des Bollenhuts auf die Schippe. "Kaum einer weiß, dass der Bollenhut eigentlich nur aus ein paar Dörfern kommt, Gutach zum Beispiel, und eben nicht im ganzen Schwarzwald getragen wurde. Dazu wurde der rote Bollenhut nur von unverheirateten Mädchen, also Jungfrauen, getragen", erklärt Tobias.

Ihr Bollenhutmädchen sieht daher zwar auch typisch aus, wurde aber mit 'First love', als Anspielung auf die eigentlichen Trägerinnen, betitelt. "Das verstehen oft nur Leute von hier, aber gleichzeitig braucht man es nicht zu kennen, um es zu mögen", sagt Ralf. Neben den üblichen Motiven, haben sich Ralf und Tobias auch unbekannteren Seiten des Schwarzwalds angenommen. Wie eben den Uhrensohn oder Dialektausdrücken wie dem "Fichtenmoped", das Nicht-Schwarzwäldern eher als Motorsäge bekannt sein sollte. Es gibt aber auch T-Shirts, die frei von Anspielungen sind. Bis jetzt sind das Scherenschnitte von typischen Waldtieren mit Tannen.

Die Shirts kommen bei allen Altersklassen gut an. "Wir haben Kunden von 10 bis 60 Jahren." Seit dem Launch ihrer Facebook-Seite vor sechs Wochen haben sie schon 300 Shirts verkauft. Mit dem Launch der eigenen Webseite vor rund drei Wochen hoffen sie auf zusätzliche Verkäufe. Noch geht alles exklusiv über das Internet. Über einen Verkauf in Läden denken die Beiden derzeit noch nach.

Die Motive entwickeln sie meist in geselliger Runde mit Freunden. Danach setzt sich Tobias an seinen Computer und versucht die Ideen zeichnerisch umzusetzen. So sind inzwischen neun unterschiedliche Motive entstanden. Bis jetzt kamen alle Motive bei den Kunden gut an. Nur die Größe XS nehmen sie wahrscheinlich aus dem Programm. "Ein Bekannter hat es für die 10-Jährige Tochter gekauft, aber sonst läuft die Größe sehr schlecht."

Insgesamt befindet sich das junge Unternehmen noch in einer Experimentierphase. Eine Erweiterung des Sortiments ist angedacht. "Wir planen im Moment ein paar Kapuzenpullis", sagt Ralf. "Wir haben eigentlich keine konkreten Pläne, sondern lassen es alles mal laufen und schauen mal wohin es geht", meint Ralf. Sollte es aber tatsächlich so weit kommen, könnten neben Winterklamotten auch mal Möbel hinzukommen. "Das war unsere ganz ursprüngliche Idee, aber das war zu kostenspielig", sagt Tobias.

Obwohl Waldwerk erst seit wenigen Wochen besteht, haben sie schon ein bekanntes Gesicht für ihre Marke gefunden: Der nordische Kombinierer und Olympiasieger Georg Hettich wird nächstes Jahr den Weltcup in seinem und Ralfs Heimatort Schonach als Experte für einen Fernsehsender kommentieren und dabei auch die Shirts von Waldwerk anziehen. "Wir kennen Georg schon sehr lange", erklärt Ralf.

Es hat so seine Vorteile in einem kleinen Schwarzwalddorf aufgewachsen zu sein.

Mehr dazu:

Was es ist: Waldwerk T-Shirts
Wer dahinter steckt: Tobias Hollerbach aus Furtwangen und Ralf Schuler aus Schonach
Wo zu kaufen:
Auf der Waldwerk-Website
Preis: 29.90 €

Waldwerk
Tobias Hollerbach und Ralf Schuler GbR
Hauptstrasse 29
78136 Schonach
info@waldwerk.org
0176/231 57 301  

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