Break Out: Klamotten zwischen rechts und links

Stefan Lederer & Christoph Ries

Kürzlich ist Break Out, ein Geschäft für Sports- und Streetwear, vom Siegesdenkmal in die Schwarzwaldstraße umgezogen. Der Laden ist nicht unumstritten: Inhaber Reinhard Sauer hatte früher auch Marken wie Thor Steinar im Sortiment, die als Insignien der rechten Szene gelten. Deshalb wurde er von der Antifa attackiert. Mit Reinhard Sauer unterhielten wir uns über Mode, seine Kunden und politische Irritationen.



Sortiment und Geschichte

Das Sortiment des Break Out umfasst verschiedene traditionelle britische Sportmarken, wie etwa Fred Perry, Lonsdale, Everlast, Ben Sherman, und Ben Lee. Daneben gibt es auch Doc Martens-Schuhe und Boxutensilien, wie zum Beispiel Sandsäcke. Das Geschäft hat in Freiburg Tradition, gerade auch bei Leuten aus dem Hardcore- und Oi-Skin-Bereich sind die Modemarken sehr beliebt.

Vor zehn Jahren hat Reinhard Sauer in der Merianstraße angefangen, damals noch mit Klamotten von Wu-Wear und Pitbull. Irgendwann stand er vor der Frage, in welche Richtung sein Laden sich entwickeln sollte. „Hip-Hop wurde damals schnell sehr kommerziell, das war nicht mein Ding. Also habe ich mehr Streetwear gemacht, Lonsdale und Everlast mit reingenommen. Außerdem noch Box- und Sportmarken,“ sagt er. Das kam an, zwei Jahre später konnte er seinen Laden vergrößern.

Reinhard Sauer selbst kommt aus dem Metal- und Punk-Bereich. Viele seiner Bekannten machen Kraftsport, Boxen oder Kickboxen. Er kennt auch viele Türsteher. „Die kaufen sich hier Klamotten fürs Fitnessstudio, es sind eben wirklich gute Sportsachen mit Tradition, nicht so Nike-Zeugs und ähnliches.“



Die Kunden

Einen einheitlichen Hintergrund haben Reinhard Sauers Kunden nicht. „Früher war klar: Der trägt Kutte, der hört die entsprechende Musik. Heutzutage kleiden sich die Leute nicht mehr danach, die kaufen, was ihnen gefällt, auch wenn sie weiter schauen, was ihre Lieblingsmusiker anhaben. Zu mir kommen Metal-Leute, Punker, Oi-Leute, Hardcore-Hörer, bei Fred Perry manchmal auch Ältere, es ist ja eine sehr klassische Marke. Aus Frankreich kommen viele Ska-Leute zu mir, ansonsten britisch Angehauchte und ganz normale Leute, und wegen den Lonsdale-Sachen auch viele aus der Fußball-Szene.“

Seit Bushido Bomberjacken trägt, gehören auch Hip-Hopper zu seinem Kundenstamm. „Das ist das erste Mal, dass ich weiße Bomberjacken verkaufe, früher wäre das undenkbar gewesen. Aber heute wird ja auch der 50-Cent-Rapper The Clan von Lonsdale gesponsert. Die Leute sind eben lockerer geworden.“

In Deutschland haben Marken wie Lonsdale zum Teil immer noch ein anrüchiges Image, in England ist das ganz anders. Dort ist Lonsdale einfach eine Boxsportfirma, bei allen Boxevents tritt Londsdale als Sponsor auf, sogar zwei Fußball-Vereine aus der Premier League haben Lonsdale-Trikots.



Ärger mit der Antifa

In der Vergangenheit musste Sauer sich mit der Freiburger Antifa auseinandersetzen. Anlass war, dass er auch einige Artikel der Marke Thor Steinar anbot. „Es hat sich dann herausgestellt, dass diese Marke stark in die rechte Szene tendierte. Die Antifa hat mir dann vorgeworfen, ich sei rechtsradikal und hätte einen rechtsradikalen Laden.

Es war obskur, ich fand es eher lächerlich, weil ich zu dieser Zeit auch eine ausländische Freundin hatte. Ich habe Muhammad Ali im Schaufenster stehen gehabt, als rechtsradikaler Laden würde ich doch nicht mit schwarzen Boxern werben. Ich komme ja selbst aus dem Punk-Bereich und bin überhaupt nicht rechts. Jeder, der mich kennt, weiß das. Ich habe die Marke dann aus meinem Laden entfernt.“

Seine Versuche, mit den selbsternannten Antifaschisten zu reden, wurden von diesen abgelehnt. Sie beschränkten sich darauf, Handzettel mit dem Slogan „Naziklamotten stinken“ zu verteilen und, zum Teil vermummt, um seinen Laden herum Präsenz zu zeigen.

„Einmal hab ich einen von denen dingfest gemacht und wollte ihm die Sache erklären, der hat sich fast in die Hose geschissen. Ich meinte dann: ‚Wenn du schon so eine Einstellung hast und dich als Kämpfer für Gerechtigkeit siehst, dann musst du dich auch einem Gespräch stellen können, und nicht nur bei mir rumschleichen und alles vollschmieren. Ich tu dir doch nichts, ich will mit dir reden.’ Der Witz ist gewesen, der Typ hatte selber schon bei mir eingekauft. Es war einfach lächerlich."



Über die Berichterstattung damals ist Sauer heute noch verstimmt. Vor allem darüber, dass die Medien damals die Kampagne der Antifa aufgriffen, ohne überhaupt zu ihm in den Laden zu kommen und mit ihm zu reden. „Ich bin der Meinung, man sollte sich erst mit Leuten auseinandersetzen, bevor man irgend etwas über sie schreibt. Es ist einfach schade, wenn man Leute denunziert aufgrund von Aussagen von extremistischen Krawallmachern. Das wurde unglaublich aufgebauscht, es hieß sogar, ich würde mich ‚hinter meinen Kampfhunden verstecken’. Da hatte ich halt noch den Rüden, den Vater von ihr dort mit im Laden, der war aber genauso lieb wie sie“, erzählt Sauer mit Blick auf seine Hündin, die neben der Theke auf ihrer Decke liegt.

Marken, Mode und Politik

Den Fehlgriff mit Thor Steinar bedauerte er sehr, in der Folge distanzierte er sich ausdrücklich sowohl von der extrem rechten wie auch der extrem linken Szene. „Politische Marken kommen bei mir nicht in den Laden, auch aus meiner Überzeugung heraus. Firmen wie etwa Fred Perry oder Ben Sherman beliefern im Übrigen auch gar keine Läden, die einen rechten Hintergrund haben.“

Reinhard Sauer lehnt jedoch nicht nur politisch motivierte Kleidung ab, auch übermäßig klischeehafte Marken will er nicht im Sortiment. „Troublemaker und so Zeug, das finde ich platt. Diese Marken, die möglichst hart und brutal wirken sollen. Ich denke, Streetware sollte einfach für jeden sein dem es gefällt, egal was er ist."



Gute Marke, schlechte Marke?

Die rechte Szene macht sich ohnehin ihre eigenen Kleider, nachdem Marken wie Lonsdale sich immer mehr dagegen wehren, von dieser vereinnahmt zu werden. „Es kann natürlich passieren, dass auf dem Dorf mal ein Rechter ein Lonsdale-Sweatshirt hat, aber das heißt ja noch nicht, dass Lonsdale eine rechtsradikale Marke ist. Da kann ja die Firma nichts dazu. Bei der Marke New Balance war das ähnlich, die wurde ja auch auf einmal von Rechten getragen. Dabei sind die etwa in Israel die Sportmarke Nummer Eins und wollen sicher kein rechtes Image haben.“

Auch gegen die verbreitete Unsitte, jeden Menschen mit kurzen Haaren und Bomberjacke gleich entsprechend einzuordnen, spricht Reinhard Sauer sich aus: „Die Skinheads, die hier heute rumlaufen und die zu mir in den Laden kommen, das sind vor allem traditionelle. Die hören Punkrock und tragen Doc Martens.

Die Naziszene, die hält sich bedeckt, das sind Leute, die kleiden sich stinknormal, die wollen ja nicht auffallen. Im Osten ist das oft noch mal anders, aber da haben die wie gesagt ihre eigenen Marken, Consdaple, wegen "NSDAP" im Namen, und solchen Mist. Wer das verkaufen möchte und dahinter steht, der soll das tun, aber für mich ist das indiskutabel.“



Der Umzug

Zu dem Umzug kam es, weil der Laden in der Habsburgerstraße zu teuer wurde, erzählt Sauer. „Ich habe nicht die riesige Laufkundschaft, viele kommen von außerhalb. Daher ist der Neustart jetzt auch sehr schwierig."

Nach unserem Besuch ist uns vor allem eines klargeworden: Vor Reinhard Sauer braucht man keine Angst zu haben.

Mehr dazu:


Break Out Sports & Streetwear

Schwarzwaldstraße 26
79102 Freiburg

Web: Break Out Sports & Streetwear

Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag 10 Uhr bis 14 Uhr und 15 Uhr bis 19 Uhr
Samstag 11 Uhr bis 18 Uhr