Brains in Town: Hirnforscher-Konferenz in Freiburg

Martin Jost

Eine dreitägige Konferenz, ein Verzeichnis der Vorträge so dick wie ein Vorlesungsverzeichnis: von Dienstag bis Donnerstag treffen sich Neurowissenschaftler zur "Bernstein Conference Computational Neuroscience" in Freiburg. Mit dabei und offen für alle: eine Kunstinstallation und ein Filmwettbewerb.



Neuroscience, die wissenschaftliche Erforschung des Nervensystems und des Gehirns, ist ein im wahrsten Sinne des Wortes interdisziplinäres Fach. Als Luigi Galvani im 18. Jahrhundert auf dem Dach seines Hauses herumkrabbelte um eine Blitzantenne zu befestigen, mit der er unten im Labor Froschbeine zum Zucken brachte, war er im Prinzip zugleich als Physiker und als Biologe unterwegs.


In Freiburg treffen sich dieser Tage Mathematiker, Physiker, Biologen, Mediziner, Psychologen, Informatiker und Ingenieure zur jährlichen Konferenz des Bernstein-Netzwerks um sich über Computational Neuroscience auszutauschen - also die Erforschung und Simulierung des Gehirns mit Hilfe von Computern. Das "Nationale Bernstein-Netzwerk Computational Neuroscience" ist eine Forschungsinitiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und nach dem deutschen Physiologen Julius Bernstein benannt.

Ines Derya Steenbuck studiert im 3. Semester Medizin und ist Preisträgerin des Brains for Brains Awards. Als studentische Hilfskraft hat sie ein Teil eines Forschungsprojektes zur Strukturplastizität des Gehirns bearbeitet und damit den Preis gewonnen. Sie hat am Dienstag beim Pressegespräch nach Speeddating-Manier Gelegenheit, Koryphäen ihres Fachs zu löchern.

„Es ist eine Luxussituation, diese Wissenschaftler mal alles fragen zu können“, sagt Ines. An sechs Thementischen grillen sie und eine Handvoll Fachjournalisten Wissenschaftler, die alle was mit Hirn und Computern machen, aber doch in völlig unterschiedlichen Feldern arbeiten. Ines unterhält sich über die Gesangsgrammatik, die Finken von ihren Vätern lernen und die Lieder der unterschiedlichen Grashüpferspezies, die die Grillen mit ihrem einfachen Nervensystem unterscheiden müssen. Aber Ines kann auch von ihrer Arbeit erzählen: der Auswertung experimenteller Daten darüber, wie neuronale Netzwerke Beschädigungen kompensieren.

Gerade entspinnt sich ein Gespräch über Aktionspotenziale und Ionenkanäle, da klatscht Johannes Faber von der Freiburger Bernstein-Koordinationsstelle in die Hände und erinnert laut, dass zehn Minuten rum sind und die Frager wieder die Tische wechseln sollen.

Zwei Stockwerke tiefer endet in der Aula gerade Stefano Cardanobiles englischsprachiger Vortrag über stochastische Modelle rezidivierender neuraler Netzwerke. In der Prometheushalle davor gibt es Essen. – Und: Spielzeug für Neurowissenschaftler. An mehreren Messeständen kann man sich von der Qualität mikroskopisch kleiner Hirnstromableitungssonden oder Software zum Simulieren von intelligenten Robotern überzeugen lassen.



Neurowissenschaftler wissen: Das Hirn braucht nicht nur Kohlenhydrate, sondern auch geistige Nahrung. Am Buffet gibt es Bier und Wein, in Raum 1228 wird gerade eine Kunstinstallation eröffnet: Der kreidestaubige Seminarraum ist abgedunkelt und von Möbeln befreit, in seiner Mitte steht dafür ein übermannshohes Gebilde aus Holzrahmen, Stoffbahnen, Sensoren, Projektoren und Lautsprechern. Wir haben es hier mit einer „multisensoriellen Installation im neurowissenschaftlichen Kontext zu tun“, die der Künstler Rainer Dunkel in Zusammenarbeit mit Neurowissenschaftlern geschaffen hat.

Und in Raum 1098 werden ständig sechs Kurzfilme aus dem Wettbewerb „Neurovision Film Contest“ gezeigt, die die Zuschauer selbst bewerten können.

Mehr dazu: