Bowel Function: Silberschmerz

Markus Steidl

Am Freitag spielt die Freiburger Heavy Rock Hoffnung Bowel Function ein Konzert im Jazzhaus, verbunden mit der Veröffentlichungsparty zum neuen Album "Silverpain". Markus hat es angehört.



Schlicht schwarz ist es, das neue Album der Freiburger Band Bowel Function, ausschließlich ein stählernes Plektrum, eine Rauschwade, der Name der Band und der Titel des Albums („Silverpain“) zieren das Cover.


Ein Durchlauf. Der Opener, „Cannon Ball“, soll dem stringenzversessenen Hörer mit überraschenden Tempowechseln ein Loch in den Brustkorb schlagen.

Das hoch gegriffene Vorhaben, ein Album schon mit einem Kracher beginnen zu lassen, glückt hervorragend. Das folgende Stück hinkt in punkto Heftigkeit nicht hinterher und überzeugt wie das erste durch spannende Riffs und den ernstzunehmenden Gesang: „That’s all I have to know. That’s all I have to say.“

Klarzustellen ist folgendes: Nirgendwo auf diesem Album fühlt man sich allein gelassen von dem Gefühl, einer dichten Verkettung von Expertisen aufgesessen zu sein. Alles klingt dermaßen miteinander verbunden (durch was auch immer: Härte, Leidenschaft, bla), dass man die Klarheit darüber verliert, wie das jetzt einzutüten ist.

„Burning Youth“ besticht geradeheraus mit einem lauten Refrain. Später hört man „L.T.H.R.“, kurz für „Let the heads roll“, ein aufmerksamkeitsheischendes Verlangen danach, den ganzen Rest einzustampfen und auf den Müll zu legen. Wo diese gefühlte Überzeugung von der eigenen Kunst herrührt, ist unmöglich zu sagen.

Manche werden das gesamte Album als ein Manifest dieser Gangart einstufen, während anderen vor allen Dingen der Song „Frozen Heart“ im Gedächtnis haften bleiben wird. Das Lied mag nicht so recht zum Rest der Songs passen, ist düsterer, ist langsamer und kälter als die anderen, klingt aber auch nach dem Hammer der Platte.



Was nicht geplant war: Dass das Ding so gut gefällt. Das Artwork sieht spitze aus, die Lieder krachen sehr kontrolliert und spannend aus den Lautsprechern, die Qualität ist gut. Alles Dinge, die man von einem Major-Release erwarten würde, aber nicht von etwas, was von einem regionalen Label (Jazzhaus Records) kommt. Desweiteren haut die Musik eben um. Das war jetzt ein Lob, das den meisten Hörern, die sich dieser Art von harter Musik schon entzogen glaubten, sicher nicht leicht über Lippen kommt.

Immerhin geht es ungefähr um Heavy Rock, eine Schublade, die sich die Band sicherlich neu beschriften musste, nachdem allseits bekundet wurde, dass man nicht treu einordnen kann, was da für Musik gemacht wird.

Mehr dazu:

Was: Bowel Function, Releasekonzert des Albums „Silverpain“. Support: Liscom und Acoustic Instinct

Wann: Freitag, 22. Dezember, 20 Uhr

Wo: Jazzhaus, Eintritt 10 Euro