Bombendrohung Karlschule: Anrufer war wohl kein Schüler

David Weigend

Das ist Hansjörg Nievergelt, Leiter der Karlschule. Er hat einen aufregenden Vormittag hinter sich, ebenso die 300 Grund- und Hauptschüler vor Ort. Nach einer Bombendrohung auf dem Anrufbeantworter des Sekretariats wurde die Schule geräumt, gefunden wurde nichts. Erste Vermutung der Polizei: Der Anrufer war kein Schüler.



Heute Früh um 7.30 Uhr betritt die Sekretärin der Karlschule das Sekretariat und hört den Anrufbeantworter ab. So wie jeden Morgen. Um 7.14 Uhr hat bei der Schule ein Mann angerufen und die Nachricht hinterlassen, dass zwei Bomben um 10 Uhr explodieren würden. Der Anrufer wiederholt diese Mitteilung. Die Stimme klingt wie die eines älteren Mannes, sehr tief angelegt, die Ausspache abgehackt.


Die Sekretärin informiert Schulleiter Hansjörg Nievergelt, der schon in seinem Büro sitzt. In 20 Minuten soll eigentlich der Unterricht beginnen. Nievergelt wiederum alarmiert den Polizeiposten Herdern sowie Bürgermeisterin Gerda Stuchlik. Man entscheidet, die Schule zu räumen und die Schüler, die zum Unterricht wollen, vor dem Gebäude in Gruppen zu sammeln. Die Straßen um die Schule herum werden abgesperrt.



Später durchsuchen Polizisten mit drei Sprengstoffspürhunden die 19 Klassenräume und das gesamte Schulgebäude. Um 9.55 Uhr Entwarnung: man findet nichts. Um 10.30 Uhr dürfen die Schüler, die zuvor mit ihren Klassenlehrern durch Herdern spaziert sind, wieder rein. "Es ist kein weiterer Anruf eingegangen. Wir haben auch keine Hinweise darauf, dass in der vergangenen Nacht jemand in das Schulgebäude eingedrungen ist und irgendwas manipuliert hat", sagt Harry Hochuli, Chef vom Polizeirevier Nord.



Als er mit seinen Kollegen im Einsatzwagen der Feuerwehr vor der Schule Stellung bezog, wurde ihm erstmal ein Schrecken eingejagt: Ein Leichenwagen fuhr langsam vorbei und bog dann hinten in den Hof der Karlschule ein. "Wie sich herausstellte, haben die aber nur das Seniorenheim gesucht, das weiter unten an der Karlstraße liegt." Hochuli wird dieser Tage öfters auf den Plan gerufen in Sachen Bombendrohungen.

"Ich erinnere mich an das Jahr 2001. Damals gab es hier auch so eine Welle, wo Leute bestimmte Pülverchen verbreitet haben, um die Menschen zu verunsichern."



Die jüngeren Schüler der Karlschule (1. bis 9. Klasse, 6 bis 16 Jahre alt) reagieren auf die ganze Sache mit einer Mischung aus Coolness und Aufregung. Als die Klassenlehrer von der Drohung erfuhren, bekamen sie von der Schulleitung die Anweisung, mit den Kindern Spaziergänge durch die Stadt zu machen, bis die Lage geklärt sei. "Viele Eltern haben spontan heißen Tee und Kuchen vorbeigebracht. Eine Gruppe hat sich zum Beispiel am Alten Friedhof versammelt", sagt Schulleiter Nievergelt.



Um 10.15 Uhr stehen sie wieder auf dem Bürgersteig gegenüber der Schule: Abdullah, Dennis, Markus, Fabian, Karim und Christian. Fünft- und Sechstklässler, die sowieso noch aufgewühlt sind von dem, was sie gestern Abend im Fernsehen und aus Erzählungen der Eltern von dem Amoklauf in Winnenden mitbekommen haben.

Und jetzt die Bombendrohung an der eigenen Schule! "Wir hätten heute nen Vokabeltest schreiben sollen", sagt einer. "Ich bin sicher, der, wo da angerufen hat, das war einer von unserer Schule", vermutet ein anderer. Zustimmung eines Kollegen: "Genau! Irgendeiner hat nen Hass auf nen Lehrer gehabt. Oder er wurde gemobbt." Es wird wild spekuliert.

Die Polizei hat diese Drohung, die offenbar nur ein hirnrissiger Scherz war, sehr ernst genommen. Hochuli hat sich erkundigt, ob heute brisante Prüfungen oder Arbeiten geschrieben werden sollten. Dies war nicht der Fall.

Schulleiter Nievergelt sagt: "Es gab in den vergangenen Tagen keine Konfliktgespräche mit Schülern oder Eltern. Es ist kein Hintergrund erkennbar, der auf einen Schüler als Täter hinweist." Er habe auch keine alten Rechnungen mit Ex-Schülern offen. Die Polizei wird die Bandaufnahme nun auswerten. "Die Stimme des Anrufers spricht dagegen, dass es ein Schüler gewesen ist", sagt Hochuli.