Bombendrohung im Freiburger Hauptbahnhof

Martin Herceg & Carolin Buchheim

Ausnahmezustand in der Freiburger Innenstadt: Ein Unbekannter hat gedroht, im Hauptbahnhof eine Bombe zu zünden. Hunderte Menschen wurden in Sicherheit gebracht, der Zugverkehr unterbrochen.



Eine Bombendrohung gegen den Freiburger Hauptbahnhof hat am Mittwochnachmittag für gut zwei Stunden die Freiburger Innenstadt in Atem gehalten. Kurz nach 14 Uhr klingelte nach Angaben der Polizei in einem im Bahnhof gelegenen Café das Telefon. Der Anrufer drohte, um 15:30 Uhr eine Bombe zu zünden.


Interview mit Bundespolizeisprecher Helmut Mutter



Sofort wurde die Polizei informiert, die die Drohung sehr ernst nahm: Einsatzkräfte räumten den gesamten Hauptbahnhof nebst Tiefgaragen und Türmen. Hunderte Menschen wurden in Sicherheit gebracht: Reisende, Mitarbeiter betroffener Unternehmen. Kitteltragende Teams örtlicher Arztpraxen und Menschen in Sportkleidung, die in einem Fitnessstudio im Bahnhofsgebäude trainierten, harrten auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Bismarckallee aus und beobachten den Polizeieinsatz.

Der Bahnverkehr wurde umgehend unterbrochen. "Sicherheit geht vor", sagte Bahnsprecher Werner Graf in Stuttgart. Die Fernzüge wurden auf der Güterbahnstrecke um Freiburgs Stadtmitte herumgeleitet, Nothalte in Gundelfingen und Bad Krozingen eingerichtet. Von dort transportierten Busse die Passagiere weiter nach Freiburg. "Natürlich waren für die aber auch alle Anschlüsse weg", bedauerte Graf.

Interview mit Polizeisprecherin Laura Riske


Die Polizei forderte speziell ausgebildete Sprengstoff-Spürhunde in Offenburg an. Die Staffel traf gegen 15:30 Uhr ein, die Hundeführer und ihre Tiere suchten das Bahngelände ab, nahmen die Gleise unter die Lupe. Eine knappe halbe Stunde später gaben die Spürnasen Entwarnung. Es wurde kein explosives Material gefunden.

Gegen 15.56 Uhr wurden die Gleise wieder freigegeben, zunächst aber nicht das Bahnhofsgebäude: Dort suchten laut Helmut Mutter, Sprecher der Bundespolizei, die Diensthundeführer mit den Sprengstoffsuchhunden in den folgenden 30 Minuten alles ab, schnüffelten die Tiere unter anderem bei den Schließfächern nach Sprengstoff. Doch auch hier konnten sie Entwarnung geben.

Für Reisende und Pendler normalisierte sich die Lage nur allmählich. "Es gab erhebliche Auswirkungen," so Bahnsprecher Graf. Auf der Rheintalstrecke gebe es ein hohes Fahrgastaufkommen. Das wurde zudem verstärkt durch einen Tourismuskongress, der am Mittwoch in der Stadt stattfand. "Die Bahn hat einen immensen Schaden durch die Zugausfälle und die notwendigen Ersatzaufwendungen", sagte Helmut Mutter von der Bundespolizei. Auch die Kosten für den Polizeieinsatz könnten vom Täter eingefordert werden.

Eine schöne Szene spielte sich am Rande der Absperrung ab: Ein Beamter der Polizei holte einem Reisenden den Rollkoffer aus einem Schließfach, damit der ältere Herr seine Reise mit dem Fernbus antreten konnte.

Zusammenhang mit früheren Drohungen?

Zufall oder nicht: Am 21. Oktober 2013 haben in Freiburg gleich zwei Bombendrohungen für Aufregung gesorgt. Sowohl das Rathaus als auch der Hauptbahnhof mussten nach Drohanrufen evakuiert werden. Seinerzeit konnte der Anruf zu einem Apparat im Freiburger Umland zurückverfolgt werden – allerdings war es nicht möglich nachzuweisen, wer ihn benutzt hatte.

Ob der aktuelle Fall womöglich mit dem von einem Jahr in Zusammenhang steht, ist derzeit unklar. "Das kann ein Zufall sein", so Mutter von der Bundespolizei. "Es kann aber auch sein, dass es derjenige ist, der vor einem Jahr gedroht hat und sich an den Jahrestag erinnert hat. Da müssen die Ermittlungen abgewartet werden." [Foto & Video: Martin Herceg]