Blumentopf im Güterbahnhof: Der Rock im Rap

Janos Ruf & Daniel Weber

Seit 18 Jahren bespielt die Rap-Kombo Blumentopf bereits die Bühnen der Nation. In dieser Zeit haben sie sich vor allem in einer fortwährenden Mission bewährt: "Das Haus zu rocken". Wie genau es die fünf Münchner inzwischen mit diesem "Rock" in ihrem Rap nehmen, haben sie gestern Abend auf ihrem Tourstopp der "Ihr & Wir-Tour" im Alten Güterbahnhof bewiesen. Daniel und Janos waren für fudder dabei.

Ein DJ, zwei Plattenspieler. Die Show beginnt ganz klassisch. Nach der topftourtypisch gut ausgewählten Vorgruppe Dexter & Maniac, die sich mit klassischem Boom Bap und Reimen auf Deutsch und Englisch auf die To-Listen-To-Liste setzen, steht DJ Sepalot hinter seinem Pult und cuttet sich durch klassische Instrumentals der bandeigenen Diskografie. Mit dem soulig-warmen „Die Jungs aus dem Reihenhaus“ beginnt das ganze, bevor später nach und nach Holunder, Schu, Roger und Cajus mit Mikro in der Hand die kleine Bühne betreten, die in der großen Bahnhofshalle fast schon Festivalaura aufkommen lässt. Nur eben ohne Sonne und mit Holzbalkendach überm Kopf.

Der Alte Güterbahnhof ist gut gefüllt, etwa 700 Zuschauer sind gekommen. Typisch für ein Konzert der Münchner, dass darunter vom bemützten Hip-Hop-Fan bis zum bebrillten Studenten jeder dabei ist und das auch so passt.

Blumentopf ist nicht die typische Rapgruppe, die nur über Rap rappt und nach dem Aufstehen erst mal den Swag aufdreht. „Wir sind eben die Normalo-Typen ohne großes Stargehabe“, sagte Cajus im fudder-Interview vor dem Konzert. In diesem sympathischen Habitus wird das Publikum zunächst mit Kopfnicknummern aus dem ellenlangen LP-Katalog aufgewärmt, bevor nach drei Songs bereits die erste Freestyle-Session eingelegt wird. Es ist ein essenzieller Bestandteil eines Blumentopf-Konzertes und immer wieder ein Genuss, wie sich die vier MCs von einem Thema zum nächsten hangeln und dabei sich gegenseitig und das Publikum belustigen. Im Freiburger Fall bedeutete dies, Gleichgewichtsübungen auf einer Monitorbox mit Vergleichen zwischen dem Sportclub, Volker Finke, Robin Dutt und dem Schwarzwald im Allgemeinen zu kombinieren.



Nach dieser zehnminütigen Freestyle-Einlage, die mit einem gemeinsamen Chorus der vier beendet wird, gesellt sich zum Rap der Rock hinzu, als die Stücke vom aktuellen Album „Wir“ präsentiert werden. Die Band, bestehend aus Gitarrist, Bassist, Drummer und Keyboarder perfektioniert den Ansatz der neuen Stücke und transportiert den rockigen Sound perfekt auf die Bühne. Auch die Stimmen von Holunder, Schu, Roger und Cajus gehen mehr nach vorne. Den Chorus von „Erzähl Mir Was“, schreit Roger fast in Hardcore-Manier ins Mikro.

Dank einer passenden Lichtshow und eines sehr gut abgemischten Sounds, was in den Weiten des Alten Güterbahnhofs sicher keine einfache Aufgabe gewesen sein dürfte, entwickeln Stücke wie „ Taschen Voller Sonnenschein“, „Hunger“ oder „Wach Auf“ ordentlich Druck, den das Publikum durch Abfeiern des ganzen entweichen lässt. Die Hände sind oben. Sie formen zwar nicht das Satanszeichen, aber es rockt.

Der Topf schafft es, die Stimmungskurve immer wieder geschickt zu lenken. Dem rockigen Abriss folgt der entspannte Wiederaufbau bis zur nächsten Dampfwalze für die Ohren. Dazwischen werden auch Songs vom ersten Album „Kein Zufall“ aus dem Jahr 1997 gespielt. Nach einer weiteren Freestyle-Session, dem speziellen „Freilight“ der großartigen Poetry-Slam-Runde und dem Live-(T)Op(f)us-Magnum „Party Safari“, dessen Energie mit einer Pantomimenvorführung von Cajus nochmals erhöht wird ist der Hauptblock vorbei und es folgt eine lange Zugabe die im Track „Danke“ auf einem Pianoklimperbeat endet. Nochmals sind alle Hände oben und wippen im Takt. Bedeutete: Danke auch, es war wieder schön.



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