Bis Sonntag könnt ihr die Pop-Up-Ausstellung "Gautschätä" im Literaturhaus Freiburg sehen

Dorothea Winter

Im Literaturhaus Freiburg findet bis Sonntag eine Pop-Up-Ausstellung zum Thema Schweizer Buchdruck und Typographie statt. Am Mittwoch wird der Dokumentarfilm Helvetica gezeigt, am Freitag gibt’s einen Workshop.

Das Konzept

Pop-Up-Stores sind aktuell überall. Doch eine Pop-Up-Ausstellung gab es in Freiburg noch nie. Bei der Ausstellung, die nur eine Woche dauert, geht es um den Typografie-Stil "Swiss Style". Ausgestellt wird sozusagen die "Schwarze Kunst" in Freiburgs White Cube der Literatur.

Zu sehen ist die Kunst der Schweizer Buchgestaltung ab den Anfängen des 20. Jahrhunderts bis in die aktuelle junge Typo-Szene. Im Begleitrahmen der Ausstellung gibt es unter anderem ein Typo-Kino, eine Exkursion und einen Workshop.

Der Name

Das Thema Gautschätä bezieht sich auf den Brauch der Buchdruckertaufe aus dem 16. Jahrhundert in der Schweiz. In der Fachsprache der Papiermacher bezeichnet Gautschen das Herauspressen von Wasser aus Papierbahnen und den Übergang von Lehrlingen in den Gesellenstand.

"Zum Buch gehört mehr als nur Text", sagt Katharina Knüppel

Der Background

Die Idee stammt aus dem vergangenem Sommer. Durch die Zusammenarbeit mit dem Graphiker Andreas Töpfer kam der Gedanke, etwas zu dem Thema Buchdruck und Typografie zu machen. "Letztes Jahr haben wir unser Logo und das gesamte Layout komplett neu gemacht. Und auf einmal wurden wir auf die allerkleinsten Einheiten aufmerksam. Zerlegt man ein Wort in seine einzelnen Buchstaben, wird es unsinnig. Und dazu hatten wir Lust etwas zu machen", sagt Katharina Knüppel, stellvertretende Leiterin des Literaturhauses.

Zufällig vergab die Schweizer Kulturstiftung "Pro Helvetia" zeitgleich eine Ausschreibung, die den schweizer Buchdruck im Ausland prominenter machen sollte. Das Literaturhaus Freiburg hat sich darum beworben und die Förderung bewilligt bekommen.

"In der Ausstellung kann man seinen eigenen Weg durchs Alphabet finden. Wortwörtlich", sagt Katharina Knüppel

Das Screening

Am Mittwochabend gibt es ein Filmscreening. Gezeigt wird der Dokumentarfilm Helvetica – das ist die bekannteste Schweizer Schriftart – und davor gibt es Schweizer Bier. Dabei kann sich in lockerem Ambiente dem sonst so trocken behandeltem Thema genähert werden.

Der Workshop

Am Freitag gibt es nachmittags für Kinder und abends für Erwachsene einen Workshop von den zwei Schweizer Schriftgestaltern, Julia Marti und Dafi Kühne. Die Teilnehmer können selbst aktiv werden und gemeinsam an analogen Drucktechniken arbeiten.

"Nur eine Woche Ausstellung ist einerseits der Reiz bei der Sache, andererseits aber eben eine verdammt kurze Zeit", sagt Katharina Knüppel

Das Besondere

Anders als es eine Ausstellung zum Thema Buchdruck erwarten lässt, kommt hier keine Langeweile auf. Die Ausstellung bietet einen spielerischen Zugang und der Besucher ist durch verschiedene Medien mit eingebunden und kann selbst aktiv werden. Sie ist für jede Altersgruppen gleichermaßen geeignet.

Der größte Aha-Moment

Ein Pangramm – ein Satz in dem jeder Buchstabe des Alphabets einmal vorkommt. Es ist quasi Typographen-Sport, möglichst kurze, kreative Sätze zu bilden, die ein Pangramm darstellen. Heraus kommen dann Sätze wie: Zwölf Boxkämpfer jagen Viktor quer über den großen Sylter Deich. "Im Prinzip geht es aber nicht um den Satz, sondern darum zu sehen, wie die Schriftart in ihrer Gänze funktioniert", sagt Katharina Knüppel.

Das Team

Das Team des Literaturhaus besteht aus vier Festangestellten: Martin Bruch leitet das Literaturhaus, Katharina Knüppel ist die stellvertretende Leitung, Birgit Güde kümmert sich um das Kinder- und Jugendprogramm und Frederik Skorzinski betreut Technik und die Bar. Nur zu viert lässt sich der Aufwand aber nicht stemmen. "Wir haben Unterstützung von Praktikanten, Freien Mitarbeitern, Assistenten und Volontären", sagt Knüppe, "Wir sind das jüngste Literaturhaus Deutschlands, glaube ich. Im Schnitt sind wir alle Anfang, Mitte dreißig."

Das Literaturhaus

Seit 2017 ist das Literaturhaus im Uniseum untergebracht. "Wir sehen unseren Veranstaltungssaal nicht bloß als Ort der klassischen Lesungen, sondern möchten immer auch einen Dialog führen. Und das sieht man auch in der Raumgestaltung. Nichts ist fix. Alles wird genau so hingestellt und variiert, wie es die Veranstaltung verlangt", sagt Katharina Knüppel. "Das Kerngeschäft ist, Autoren ins Gespräch zu bringen. Aber zum Buch gehört mehr als nur Text. Es ist gebunden, es ist gedruckt und hat eine Haptik. Und so betrachten wir das Produkt Buch eben auch von einer anderen Seite."
  • Was: Pop-Up Ausstellung Gautschätä, kuratiert von Verena Faber, gestaltet von Jens Burde
  • Wann: 10. bis 17. Juni: Dienstag bis Freitag 15 bis 21 Uhr: Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr
  • Wo: Literaturhaus Freiburg, Bertoldstraße 17, 79098 Freiburg
  • Screening: Mittwoch, 13. Juni, 19.30 Uhr
  • Workshop: Freitag, 15. Juni, 18 – 21 Uhr



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