Bergzeitfahren bei der Tour Eucor: Ein bisschen Qual muss sein

Maria-Xenia Hardt

Von Donnerstag bis Montag ist die Tour Eucor durch das Dreiländereck gerollt: für 120 Studierende, Mitarbeiter und Alumni ging es per Rad zu den fünf Eucor-Städten. Am Samstag ging es gegen die Uhr hinauf auf den Schauinsland. Maxi war dabei.

Fahrräder und Wasserflaschen liegen verstreut auf dem Boden, dazwischen sitzen verschwitzte Menschen und gabeln Nudeln aus einem großen Topf in ihrer Mitte, andere stehen an der Straße und warten darauf, die letzten Kämpfer gegen Uhr, Berg und Schweinehund bei ihrer Ankunft auf dem Schauinsland-Gipfel zu bejubeln. Ab und an rollt ein Auto vorbei, die Fahrer selbiger schauen irritiert, niemanden stört das.

Beim Bergzeitfahren erreicht die Tour Eucor auch in diesem Jahr ihren Höhepunkt, und das in jeder Hinsicht. Es ist das einzige kompetitive Element der Tour, die an sich kein Rennen ist, sondern schlicht eine Radrundfahrt durch die fünf Eucor- Städte: Karlsruhe, Mulhouse, Straßburg, Basel und Freiburg liegen auf der Route.

„Die ursprüngliche Idee der Tour Eucor war, das Konzept Eucor ein bisschen mit Leben zu füllen und es greifbarer zu machen“, sagt Felix (Bild unten), der in diesem Jahr nicht nur mitfährt, sondern auch Teil des Organisationsteams ist, das sich aus Karlsruher und Freiburger Studierenden zusammensetzt. „Beim ersten Mal, das war vor 14 Jahren, sind einfach ein paar Studenten losgezogen, um die Eucor-Städte abzufahren“, erzählt er, „die hatten damals noch einen Bollerwagen dabei. Mit den Jahren ist es natürlich organisierter und professioneller geworden.“



Inzwischen sind jedes Jahr 120 Radler am Start. Ob Studierende, Dozenten oder Alumni, Franzosen, Schweizer, Deutsche, bei der Tour Eucor fahren alle gemeinsam. In sechs Leistungsgruppen legen sie in den fünf Tagen zwischen 500 und 700 Kilometer zurück, vom Hobbyradler bis hin zum austrainierten Rennradfahrer sind alle dabei. Zu letzterer Gruppe ist auch Jan (Bild unten) zu zählen. Der 34-jährige ist einer jener Wiederholungstäter, die von der Tour einfach nicht mehr loskommen. In den ersten Jahren war er noch Student, Informatik in Karlsruhe, jetzt ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter und immer noch am Start. „Ich bin jetzt sieben Mal mitgefahren. Für mich gibt es drei Feiertag im Jahr: Weihnachten, Ostern und die Tour Eucor. Auf die ersten beiden könnte ich allerdings verzichten.“

Um Langeweile bei jenen vorzubeugen, die schon öfter mitgefahren sind, wird die Strecke jedes Jahr ein wenig variiert. Das Bergzeitfahren ist seit 2006 fester Bestandteil der Tour – und Jan der Bergkönig: Bisher ist er dreimal gestartet und hat dreimal gewonnen – und es sieht ganz so aus, als würde er 2012 seine weiße Weste behalten und den vierten Sieg holen.



Als eigentlich schon alle im Ziel sind, brandet noch einmal Jubel auf: Die ersten Streckenposten erreichen den Gipfel. Ihre letzten Meter werden von Laola-Wellen begleitet. Das gegenseitige Anfeuern ist Ehrensache. „Das hier hoch war eine interessante Sache“, sagt Clara, die einen Eucor-Master in Jura absolviert und in der Gruppe der Hobbyradler unterwegs ist, „ich bin mit ein paar anderen außerhalb der Wertung gefahren. Ab und zu sind wir abgestiegen, haben wir eine Pause gemacht, die anderen angefeuert und sind dann weitergefahren."

Früher oder später sind alle oben angekommen, zu Belohnung gab es einige der über 2000 Liter Wasser und der hunderten von Kilos Obst, nebst Müsliriegeln, Nudeln und Gummibärchen, die das 12-köpfige Support-Team in sechs Sprintern transportiert, zusammen mit dem Gepäck der Teilnehmer. „Das ist so entspannt“, sagt Betty, Lehramtsstudentin (Spanisch, Deutsch, Sport) aus Freiburg, „einfach nur Rad fahren, essen, schlafen, Rad fahren, essen, schlafen. Es ist alles perfekt organisiert und wir müssen uns über nicht Gedanken machen.“ Mit einer Ausnahme natürlich: Jeden Tag ankommen. „Jeder hat mal einen Durchhänger, jeder leidet mal, da muss man durch.“

Die Genugtuung am Gipfel macht alles wieder gut – und natürlich die Abfahrt nach Freiburg. Abends soll es noch ins Tacheles gehen, am nächsten Morgen dann zurück nach Karlsruhe, zum Ausgangspunkt der Tour. „Das wird eine Qual“, prophezeit Clara (Bild unten).



Trotz der Entbehrungen: Die Tour hat Suchtpotential. „Wenn du das einmal gemacht hast“, sagt Betty, „dann hast du so Bock, da willst du nicht mehr aufhören.“

Das Support-Team sammelt die letzten Warnschilder („Achtung! Bergzeitfahren!“) ein, die Radler setzen ihre Helme auf. Die meisten Kilometer und Höhenmeter haben sie hinter sich, einen bleibenden Eindruck hat die Woche bei allen hinterlassen. „Die Tour hat mein Leben verändert“, sagt Jan, der Bergkönig, „ich habe hier viele Freundschaften geschlossen, mit Deutschen, mit Schweizern, mit Franzosen. Solange ich einen Startplatz bekomme, fahre ich immer wieder mit.“

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