Ben Harper: Krönender ZMF-Abschluss

Alexander Ochs

Ben Harper hat 15 Jahre Musikbusiness auf seinem Buckel und mittlerweile 8 Alben vorgelegt. Mit seiner Musik, die sich aus dem Arsenal von Folk, Blues, Reggae, Gospel, Soul, Rock und Funk speist, hat er einen würdigen Schlusspunkt hinter das 26. Zeltmusikfestival gesetzt. Alex war für fudder dabei.



Nach etwas schleppendem Vorverkauf – schließlich ist Ben Harper ein Highlight, für dessen Auftritt das ZMF eigens um einen Tag verlängert worden ist – füllt sich das Zirkuszelt erst langsam und dann schnell. Schätzungsweise 1500 Leute haben sich versammelt, um dem Mann aus der Gegend von L.A. ihre Reverenz zu erweisen. Ein paar mehr hätten es vielleicht noch sein dürfen, aber was soll’s.


Zur Einstimmung gibt's von Ben Harper und seiner Band, den Innocent Criminals, einen relaxten Reggaesong. Die Stimmung ist noch etwas verhalten, bis die Folk-Blues-Nummer „Diamonds on the inside“ einen ersten Höhepunkt markiert. Während Harper weiter an seiner Gitarre zupft, beglückt er die Fans mit einer Danksagung („Thank you so much for being here, Freiburg, Germany!“), diese danken es mit rhythmischem Klatschen, bis Ben und sein Gitarrist Michael Ward sowie der beeindruckende XXL-Basser Juan Nelson die Reprise einleiten. Sanfte Töne schlägt er dann auch in „Waiting for you“ an.

Zwei Dinge sind augen- und ohrenfällig: Zum einen Ben Harpers grandiose Stimme, die mal an Cat Stevens, mal an Bob Marley denken lässt, zum anderen die vorzüglich harmonierende Band, die sich neben den beiden erwähnten Musikern aus Jason Yates am Keyboard, Leon Mobley an den Percussions und Oliver Charles an den Drums zusammensetzt. Die supertighte Rhythmussektion bildet das Rückgrat für Harpers vielseitiges und meisterliches Gitarrenspiel.



Harper nimmt Platz am Klavier, der korpulente Bassist lehnt sich entspannt an die Drum-Hochburg an – Zeit für eine Ballade. Warm und harmonisch kommt sie rüber, akustische Musik vom Feinsten.

So zurückhaltend und fast schon demütig sich der Frontmann gibt – für zumindest einen Scherz ist er zu haben. In einem fiktiven Dialog am Handy gibt er seiner Frau zu verstehen, dass sie den Weg zum Konzert schon finden werde. „Navi an, du schaffst das schon.“

Immer wieder reckt Ben Harper die rechte Faust gen Zelthimmel – eine fast schon politisch aufgeladene Geste, die ein wenig an die gereckten Fäuste der beiden schwarzen Sportler Tommie Charles Smith und John Wesley Carlos bei der Olympiade 1968 erinnert.



Schließlich packt Harper die Slide Guitar aus: seine geliebte Weissenborn. Auf einem Stuhl mit bunt gemusterter Decke thront Harper einem kurzgeschorenen Indianerhäuptling gleich über seinem schamanischem Spiel. Einem Solo Marke Wild Prairie folgt ein entfesselter Hendrix’scher Part, rockig, rotzig, schmutzig, bis der Musikmagier das Tempo höllisch anzieht und über die Saiten schrubbt, als würde er all seine Gitarren zugleich in einen gigantischen Schredder jagen. Einfach fantastisch!

Nach der weltverbesserischen Roots-Regae-Nummer „With My Own Two Hands“, bei der Harper das Publikum – passend zum Titel – mit weit ausladenden Handbewegungen zum lauteren Mitsingen auffordert, ist erstmal Schluss. Die reguläre Spielzeit von 90 Minuten ist zu Ende. Minutenlang klatschen, jubeln und stampfen die Zuschauer Ben Harper zurück auf die Bühne.

Und jetzt kommt es richtig dicke: Satte 45 Minuten gibt der Mann als Zugabe. Neben dem Titelsong der aktuellen CD Lifeline ragt dabei die grandiose Nummer „Like A King“ heraus, eine Hommage an Martin Luther King, dessen Traum Harper mit dem von Polizisten misshandelten Rodney King in Verbindung setzt: "Martin's dream has become Rodney's worst nightmare."



Ben Harper und die Innocent Criminals dehnen das Stück zu einer zehnminütigen entfesselten Jam Session, die irgendwann in das eigentlich gospelige „I’ll rise“ übergeht, diesmal garniert mit rockigen Passagen. Bei diesem furiosen Finale spielen sich die Musiker fast in einen Rausch. Mit diesen Doppel-Kings setzen die Jungs einen rundum gelungenen Konzertabend die Krone auf.

Mit gereckter Faust stehen verabschieden sich alle sechs von der Bühne. Fast schon programmatisch. So beschließen sie das Programm des diesjährigen ZMF: mit einem ultimativen Zeltrausch, der noch lange nachhallt.

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