Quartiersbüro

Beim Stricktreff in Landwasser strickt ein junger Mann zwischen zehn älteren Damen

Anja Bochtler

Seit drei Jahren gibt’s im Quartiersbüro Landwasser einen Stricktreff. Dann treffen sich rund zehn ältere Frauen – und ein junger Mann zur gemeinsamen Arbeit an Strick- oder Häkelnadeln und Strickliesel.

Die Ergebnisse ihrer Mittwochnachmittage sind bunt: Beim Stricktreff im Quartiersbüro im Einkaufszentrum Landwasser entstehen kleine Puppenkleider und große Teppiche – sowie jede Menge Pullover und andere Dinge, die allesamt einzigartig sind. Bisher sind dort fast nur ältere Frauen unter sich, selten stoßen Jüngere dazu, die sehr willkommen sind. Einer hat sich immerhin etabliert: Stefan Britsch ist erst 24 Jahre alt und bisher der einzige Mann. Er bringt meist seine Strickliesel mit, auch das ist als Alternative zum "echten" Stricken erlaubt.


Aus Stoffresten entsteht ein Flickenteppich

So schnell kann’s gehen: Angelika Wetzig hat eine Masche verloren, weil sie geredet und nicht genau hingeschaut hat. "Hat jemand eine Häkelnadel?" fragt sie, und schnell wird ihr eine hingehalten. Damit lässt sich die Masche am besten wieder auffangen. Alle helfen sich untereinander. Zwei Frauen kommen mit beladenen Taschen herein, sie haben alte Spannbettlaken mitgebracht, die sie nicht mehr brauchen, und große Garnknäuel, die sie neben einer Mülltonne gefunden haben. Eine der Strickerinnen kann das wunderbar gebrauchen: Sie verarbeitet Reste und alte Sachen wie kaputte T-Shirts oder Tischdecken – alles wird zu Garn zerschnitten, dann häkelt sie damit einen runden Teppich, der immer größer und größer wird.

Stefan Britsch nimmt ihren bunten Flickenteppich und probiert kurz aus zu häkeln: "In der Grundschule hat es ewig gedauert, bis ich das kapiert hatte", erzählt er lachend. Deshalb ist ihm die Strickliesel am liebsten, damit geht alles einfach. Er stieß zum Stricktreff dazu, weil er sich im Quartiersbüro engagiert und miterlebte, wie mittwochs immer mehr handarbeitende Frauen auftauchten. Ihm gefällt die Atmosphäre: Es gibt Kaffee und Kekse, alle unterhalten sich, meist sind sie zu zehnt. Die Jüngste ist Mitte 50, alle anderen sind im Rentenalter.

Ein paar Mal kam ein junges Mädchen, erzählt Charlotte Grabowski, sie wollte Stricken lernen. "Da habe ich gestaunt, wie schwer das zu erklären ist", sagt Charlotte Grabowski. Für sie und die anderen gehört das Stricken seit ihrer Kindheit selbstverständlich zu ihrem Leben, mal mehr, mal weniger. Inge Hog hat früher ihre drei Kinder "bestrickt und benäht", danach drei Enkel, jetzt sind die zwei Urenkel dran. Zurzeit strickt sie ein grau-weiß-schwarzes Kleidchen für die zweieinhalb Jahre alte Urenkelin.

"Immer, wenn ich eine halbe Stunde Entspannung will, dann stricke ich." Charlotte Grabowski
Im Vergleich zu früher muss sie sich inzwischen aber einschränken: Ihre arthrosekranken Finger schmerzen und brauchen Pausen und strickfreie Tage. Bevor es den Stricktreff gab, hat sie in Strickbüchern nachgeschaut, wenn sie nicht weiter wusste. "Aber das ist manchmal nicht so gut verständlich, viel besser ist, wenn es einem direkt gezeigt wird." Das ist einer der Vorteile des Stricktreffs.Charlotte Grabowski hat neulich von Inge Hog Hilfe bekommen, als sie mit den Knopfleisten bei ihrer Strickjacke nicht weiterkam. Als der Stricktreff entstand durch die Initiative von Maria Möllenkamp, die sich inzwischen zurückgezogen hat, war Charlotte Grabowski von Anfang an dabei. Für sie ist Stricken wie Meditation: "Immer, wenn ich eine halbe Stunde Entspannung will, dann stricke ich." Zurzeit entsteht eine Strickjacke, das dauert ungefähr zwei bis drei Monate.

Irmgard Birkemeyer strebt einen Pullover an, für sich selbst. Ihre Enkel ziehen nichts Selbstgestricktes an, das sei zu schwierig zu waschen. Welches Kind den pastellfarbenen Pullover mal tragen wird, an dem Angelika Wetzig arbeitet, ist noch offen: Sie gibt ihn beim Heinrich-Hansjakob-Haus ab, von dort wird er weiterverschenkt. Und vor kurzem ist das helle Puppenkleid für eine Puppe fertiggeworden, die sie aus einem Drahtgestell und mit Watte gebastelt hat. Hier im Stricktreff macht alles mehr Spaß als daheim, findet sie – wegen des Austauschs.
Am Mittwoch, 5. April 2017 wird das dreijährigen Bestehen des Stricktreffs von 15 bis 17 Uhr mit einem Kaffeenachmittag gefeiert, bei dem alle willkommen sind. Quartierstreff, Auwaldstraße 90 (im Einkaufszentrum). Anschließend wird – wie immer – beim Stricktreff gestrickt.