Gesundheit

Bei der Trendsportart Movement geht es um Bewegen statt Pumpen

Carolin Johannsen

Abrupt, langsam oder schnell können die Bewegungen von Movement sein. Die junge Sportart ist auch in Freiburg angekommen. Fudder-Autorin Carolin Johannsen hat beim Training mitgemacht.

Mal schnell, mal langsam mit Drehungen um die eigene Achse, Schritten nach vorne und zur Seite und immer mit Körperkontakt – es sieht aus wie eine Art Tanz, den eine Gruppe von etwa 20 Leuten auf der Wiese vor dem Institut für Sportwissenschaften in Freiburg vollführt. Auch ich trainiere für zwei Stunden die neue Sportart, die auch Freiburg erreicht hat: Movement. Der Freiburger Leonard Pagel ist selbstständiger Movement-Trainer und hat das Training in die Stadt gebracht. Seit einem Monat bietet er Kurse an.


Mein Trainingspartner und ich sind hochmotiviert. Bei dieser Übung müssen wir genau auf die Bewegungen des Gegenübers achten – und sie nachmachen. Sprintet der Partner los, muss man so schnell wie möglich hinterher. Diese Sprints, die unerwarteten Sprünge und die fehlende Musik verraten Außenstehenden, dass wir nicht tanzen, sondern ernsthaft trainieren.

Muskeln statt Gewichte arbeiten gegeneinander an

"Beim Movement geht es vor allem darum, sich nicht auf eine Sportart zu spezialisieren", erklärt Leonard Pagel. "Affen können besser klettern als Menschen, Leoparden schneller laufen als wir. Menschen sind die besten Generalisten auf dem Planeten, weil wir von allem ein bisschen können." Sein Training ist ein bisschen von allem, Hauptsache: Bewegung.

"Movement richtet sich an alle, weil jeder einen Körper hat." Leonard Pagel
Zweimal in der Woche bietet der 26-Jährige Trainingseinheiten an. "Movement richtet sich an alle, weil jeder einen Körper hat", sagt er. "Es ist nie zu spät, anzufangen."

Besondere Voraussetzungen gibt es nicht. Das zeigt sich auch an der Gruppe, die an diesem Abend auf der Wiese trainiert. Die Schülerin und der Mittfünfziger sind ebenso dabei wie einige Studierende. Einer davon ist Jonas, der seit dem ersten Trainingstag dabei ist. "Movement ist nicht nur körperlich, sondern auch kognitiv anstrengend", sagt er.

"Kofferpacken" spielen und Sport machen

Das merke auch ich recht schnell. Ähnlich dem Spiel "Kofferpacken" soll ich die Übung nachmachen, die meine nächste Trainingspartnerin mir zeigt, danach mir eine eigene Übung ausdenken und diese wiederum ihr zeigen. Nach vier Übungen kommen wir beide ins Stocken. Es ist aber auch nicht einfach, gleichzeitig zu denken und Burpees zu machen.

"Die Idee hinter Movement ist vor allem, dass wir Bewegung brauchen, weil wir eine physische Existenz haben", sagt Leonard Pagel. Heutzutage hätten "die Menschen viel zu wenig Bewegung im Leben, wir entfremden uns von unseren Körpern".



Als nächstes steht eine Kraftübung an – neben Schnelligkeit, Balance und Koordination die vierte Säule, die beim Training abgedeckt wird. Gegen den Widerstand des Trainingspartners ankommen ist das Ziel der Übung. Statt Gewichten arbeiten Muskeln gegeneinander, wenn wir versuchen, mit den Armen zu rotieren. Bizeps, Trizeps, Schulter- und Nackenmuskulatur sind angespannt – während ich mit aller Kraft meinen Arm bewegen will, hält meine Trainingspartnerin dagegen. "Noch stärker", spornt Pagel uns an. "Ganz schön anstrengend", sind sich viele Teilnehmer später einig – ich auch.

Die Sportart wurde von einem Israeli erfunden

Erfunden wurde Movement von dem aus Israel stammenden Ido Portal. Die Movement Culture, die er entwickelte, ist aber "nicht einfach nur Training, sondern auch ein Perspektivwechsel", sagt Leonard Pagel. Er selbst hat seine Sichtweise geändert, nachdem er vor fast sechs Jahren das erste Mal auf ein Video von Ido Portal stieß. "Früher habe ich nur im Fitnessstudio trainiert, ganz klassisch gepumpt", erzählt er. Das kann er sich jetztgar nicht mehr vorstellen. Auch Fußball spielt er heute nicht mehr. Zwar hatte er Spaß dabei, aber "bewegungstechnisch hat es mir nicht viel gebracht."

"Ich möchte, dass die Menschen ein besseres Verhältnis zu ihrem Körper bekommen. Leonard Pagel

Bevor er Trainer wurde, hat er Medientechnik und Wirtschaft studiert. Relativ schnell, nachdem er Movement entdeckte, war er "komplett angefixt" und überzeugt, dass Movement seine Zukunft ist. "Ich habe mich entschieden, das zu machen, wofür ich brenne, was ich lebe, was ich liebe", sagt er. Das Studium, das mit Sport nichts zu tun hatte, hat ihn darin bestärkt, das zu tun, was ihm wirklich gefiel. Sein Ziel: "Ich möchte, dass die Menschen ein besseres Verhältnis zu ihrem Körper bekommen und froh sind, dass sie Sport und Bewegung machen können."

Leonard Pagel ist einer von unter zehn Movement-Trainern in Deutschland

In den vergangenen rund vier Jahren hat sich Movement langsam zu einer neuen Trendsportart entwickelt. Trainer von der ganzen Welt reisen regelmäßig zum Movement-Guru Ido Portal, um sich weiterzubilden. Noch ist Movement allerdings eine Nische: in Deutschland gehört Leonard Pagel zu weniger als zehn Trainern. Das hat seinen Preis: Eine Jahresmitgliedschaft kostet 89 Euro pro Monat. Damit kann man an so vielen Trainingseinheiten wie gewünscht teilnehmen. Studierende bekommen 10 Euro Rabatt. Das große Angebot an Trainingsstunden, das auch erweitert werden soll und ständige Weiterbildungen ergeben den Preis.

Ich lasse den Blick über die Gruppe streifen. Jonas Bewegungen sehen – im Gegensatz zu meinen – deutlich zielorientierter und dynamischer aus. "Man lernt beim Movement, seinen Körper besser zu kontrollieren", sagt er.

Während es langsam kälter wird, machen sich die fast zwei Stunden Training bemerkbar. Die Arme schwer, die Beine müde, aber oft noch ein Lächeln auf den Lippen beginnen wir die Endentspannung, denn die "ist genauso wichtig wie das Training selbst", sagt Leonard Pagel.
Movement Freiburg

Gruppentraining: Movement Practice: Donnerstags, 18-20 Uhr, Institut für Sport und Sportwissenschaft, Schwarzwaldstraße 175, Freiburg

Mobility und Movement Prep: Montags, 18.15-19.45 Uhr, K-12 Hinterhofstudios, Katharinenstraße 12, Freiburg

Einzeltraining auf Anfrage vereinbar.

Mehr Informationen gibt es unter movement-freiburg.de