Beatknecht: "Gangsta-Rap ist kein Hip-Hop"

Jan Funk

Matthias Krämer (links, aka Beatknecht) und Christian Kopsch betreiben die Website hiphopfreiburg.de, über die sie im folgenden Interview sprechen. Das detaillierte, regionale Grafittiarchiv der beiden dürfte auch für Szene-Unkundige interessant sein.



Matthias und Christian, seit wann gibt es eure Website?

Seit Anfang Februar.

Wie kamt ihr auf die Idee?

Freiburg ist auf der deutschen HipHop-Karte bis auf wenige Ausnahmen noch ein relativ weißer Fleck. Allerdings gibt es hier sehr viel Potenzial, was Bands, Künstler und DJ’s angeht. Es besteht aber überhaupt keine Vernetzung. Es gibt viele einzelne Lager, die sich in Kleinkriegen aufreiben. So kommen kaum gemeinsame Konzerte oder Veranstaltungen zustande. Wir wollen eine Plattform geben, auf der alle mitmischen und sich gemeinsam organisieren können, um auch mal größere Sessions zu machen.

Seid ihr da nicht voreingenommen?

Matthias: Unser Vorteil ist, dass wir beide nicht aus Freiburg kommen und keinem dieser kleinen Lager angehören. Somit können wir relativ unabhängig an die Sache rangehen.

Christian: Es soll auch einfach ein Forum sein für Leute, zum Beispiel Studenten, die in die Stadt kommen und sich informieren wollen, was abgeht, wo Partys und Konzerte stattfinden.



Ist das die einzige Seite ihrer Art in Freiburg?

Matthias: Es gab schon einige Seiten, die das versucht haben. Da gab es aber meist eine starke Selektion der Inhalte.

Christian: Es ist eben so, dass viele ihr eigenes Ding machen, zum Beispiel über myspace, aber es gibt eben keine Plattform für alle.

Die Freiburger HipHop-Szene, was ist das?

Matthias: Die Szene zu erklären ist immer schwierig. Es kommt nicht unbedingt auf die Stadtgröße an, aber zum Beispiel in Mannheim kriegen es die Leute hin, sich zu vernetzen und gemeinsam was zu schaffen. Das hat Freiburg bisher noch nicht hinbekommen; nicht nur ein Album von einer Band, sondern auch mal fünf verschiedene Künstler, die ihre Alben als Paket anbieten. Das Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden.

Christian: Die einzigen, die es überregional ein bisschen weiter gebracht haben, sind Rapkilla. Die haben das mit viel Eigenarbeit und viel Schub gepackt. Und die schieben auch immer wieder neuen Stoff nach. Allerdings sind Rapkilla in der Szene in Freiburg recht unbeliebt. Man kann davon ausgehen, dass die entgegengebrachte Resonanz außerhalb Freiburgs sehr viel größer ist als in Freiburg. Die geben hier auch kaum Konzerte.



Macht ihr selber auch Musik?

Matthias: Ich lege auf und habe meine kleine Radiosendung bei echo.fm. Vielleicht kennt jemand den Namen Beatknecht.

Was ist für euch HipHop?

Christian: Früher gab es noch die typischen Jams, bei denen Leute gesprüht haben, DJ’s da waren und MC’s, die gerappt haben. Mittlerweile hat sich das alles ein bisschen aufgelöst, zumindest voneinander distanziert. In Berlin und Dresden zum Beispiel gibt es kaum noch Leute, die sprühen und regelmäßig Hip-Hop hören. Das hat sich inzwischen alles ein bisschen voneinander gelöst. In Freiburg ist alles noch ein wenig mehr old school als in anderen Städten. Deshalb kann ich nicht genau sagen, was Hip-Hop für mich bedeutet. Die Sachen gehören schon noch alle zusammen, aber in der ursprünglichen Erscheinung gibt es das gar nicht mehr so richtig.

Matthias: Zunächst mal ist Hip-Hop ja ein komplett wertfreier Begriff, wurde als positives Gefühl gesehen; auch, um eine Botschaft nach draußen zu bringen und das eben mit den Elementen Djing, MCing, Graffiti und Breakdance. Auch für mich bezeichnet Hip-Hop ein positives Gefühl, das man nach draußen bringt, als Ausdrucks- oder Kunstform. Heutzutage verstehen die Leute unter Hip-Hop oft Rap. Dabei ist Rap nur eine Ausdrucksmöglichkeit von Hip-Hop. Es ist ein Riesenfehler, dass Gangster-Rap als Hip-Hop bezeichnet wird. Denn Gangster-Rap widerspricht ja gerade diesem positiven Gefühl.

Seit wann machst du Graffiti, Christian?

Christian: Um 1995 rum habe ich angefangen, mich mit Graffiti auseinander zu setzen, die ersten Skizzen gemalt. Vor zehn Jahren ungefähr habe ich dann meine ersten Bilder gesprüht. Ob das professionell ist oder nicht, sei jetzt mal dahin gestellt.

Ihr habt auch viel Grafitti auf eurer Website.

Wir haben uns als Ziel gesetzt, alle zwei Wochen, immer sonntags, ein Update zu machen mit neuen Bildern aus Freiburg. Oft sind die Bilder auch wieder so schnell weg, dass sie kaum ein Mensch sieht. Bei uns bleiben sie.

Wie kommt ihr an die Fotos?

Christian: Die machen wir fast ausschließlich selber. Wir fahren dann durch die Stadt und knipsen, was neu ist. So groß ist Freiburg ja nicht, das dauert dann ungefähr eine halben Tag.



Gab es schon mal Ärger wegen der Fotos?

Christian: Nein. Es ist eine reine Dokumentation. Wir stiften ja niemanden an und darauf weisen wir auch ausdrücklich hin. Außerdem hat die Polizei sicherlich ein größeres Archiv als wir.

Was erhofft ihr euch noch von der Website?

Christian: Vielleicht schaffen wir es ja irgendwann mal, einen Sampler mit sämtlichen Musikern und Künstlern zu machen. Das wäre schon ein kleiner Traum. Es soll auch bald einen Shop auf der Site geben, in dem dann alle Tonträger, die in Freiburg erschienen sind, ihren Platz finden.

Kann man auf eurer Website diskutieren?

Matthias: Ja. Es gibt täglich dreißig neue Kommentare im Forum. Es wird meist konstruktiv diskutiert.

Zur Person

Matthias Krämer kommt aus Karlsruhe, legt seit acht Jahren auf und studiert Englisch und Physik in Freiburg.

Christian Kopsch, 26, aus Dresden, kam vor 15 Jahren das erste Mal mit Hip-Hop in Berührung und macht Graffiti seit mehr als 10 Jahren

Mehr dazu:

Web: Hip-Hop Freiburg