Barbara Salesch verknackt Freiburger Panzerknacker

Meike Riebau

Stellt euch vor: Die Panzerknacker brechen bei Dagobert Duck ein, fesseln Donald und klauen Dagoberts ersten selbstverdienten Euro. Kommissar Hunter schnappt die beiden, und die TV-Richterin Barbara Salesch führt den Prozess als Richterin. Glaubt ihr nicht? Einige Freiburger Jurastudenten haben genau das gestern im Landgericht Tübingen erlebt und die Panzerknacker als Anwälte verteidigt.



Deutschlands bekannteste TV-Richterin war am Donnerstag in ungewöhnlicher Mission unterwegs: Die Brüder Danny und Joe Panzerknacker waren in den Geldspeicher von Dagobert Duck eingebrochen - und Salesch führte die Verhandlung in dem fiktiven Verfahren. Die Entenhausener Kriminellen und ihre Anwälte wurden von Freiburger Jurastudenten dargestellt.

Die Veranstaltung fand statt im Rahmen eines "Märchen Moot Courts". Ein Moot Court ist eine gespielte Verhandlung, in der zwei Teams (hier die Verteidiger der Panzerknacker gegen die Staatsanwälte) gegeneinander antreten. Auch Juristen müssen schließlich irgendwann einmal üben, ein Plädoyer zu halten und Zeugen zu befragen. Richterin Salesch musste die Teams anschließend bewerten und natürlich hat das Freiburger Team ganz klar gewonnen. Es bestand aus den "Panzerknackern" Fritz Ostendorf, Walter Wegner, den Anwälten Ursula Staab, Annika Schneider, Laura Warrlich und Torsten Engelen und in der Rolle als Hamburger Spelunkenbesitzer Friedrich von Spee. (Sorry, Tübingen, aber geschwäbelte Plädoyers...)



Als Zeugen traten auf Dagobert, Donald, Kommissar Hunter, Oma Knack und der psychologische Gutachter Primus von Quack. Es wurde ausgiebig über die "einschlägige Fachliteratur" (=Walt Disney's Lustige Taschenbücher) diskutiert. Zum Beweis wurden Karten von Entenhausen herangezogen (Die aber laut Kommissat Hunter völlig veraltet waren).

Es gab eine komplette Einführung in das Leben der Entenhausener: Wusstet ihr, dass Entenhausen 1 Million Einwohner hat? Laut psychologischen Gutachtens des Gelehrten Primus von Quack haben die Panzerknacker übrigens einen IQ zwischen 72 und 82 Punkten, Lieblingsspeise der beiden Intelligenzbestien ist Schwarzwälderkirschtorte und Schweinshaxe, und tragen Schuhgröße 45.

Die aus dem Fernsehen bekannte Richterin hatte sichtlich ihren Spaß, die beschauliche Comicwelt auseinander zu nehmen. Sie vollbrachte das kleine Wunder, trotz Horror-Temperaturen vier Stunden lang konzenztriert die Verhandlung zu führen, aufmüpfigen Komissaren Kontra zu geben und ungemein locker und witzig zu sein, und auch über sich selbst zu lachen. Auf die Antwort eines Zeugen: "Rote Hemden? Also, außer ihren Haaren seh ich nix Rotes hier!" begann sie schallend zu lachen, die zaghaften Beweisanträge der Jurastudenten auf beiden Seiten tat sie mit einem resoluten "Nein, das ist alles überflüssig" ab und unterhielt sich stattdessen mit Oma Knack über die Herstellung von Schweinshaxe (Gebraten oder gekocht?).

Die Panzerknacker wurden schließlich zu zehn Jahren Haft verurteilt, denn bei aller Comic-Fantasiererei gab es noch eine ernsthafte rechtliche Beurteilung des Falles.

Neben ihren roten Haaren war die Hamburger Richterin vor allem eins: Gelb. Ein gelbes Gewand und dazu passende FlipFlops spitzten unter der schwarzen Richter-Robe hervor. Leider musste sie nach der Verhandlung schnell zum Bahnhof, so dass der geplante Biergartenbesuch mit Studenten ausfallen musste. Aber trotzdem nahm sie sich noch die Zeit, an die Juristen in spe eine kleine Ansprache zu richten (und gab Tipps, die auf Juristen wie Journalisten gleichermaßen zutreffen): "Einfache Sprache. Drückt euch klar und verständlich aus. Ein Komma pro Satz! Und, außerdem ganz wichtig: Zuhören!"

Fazit von gestern: Wäre ihre Fernseh-Show so wie die Verhandlung, ich wäre ihr größter Fan!