Badehose für immer

Meike Riebau

Mannex, so sein Spitzname, hat sich vor einem Jahr dazu entschlossen, eine Badehose als Tattoo zu tragen. Der Freiburger ist nicht nur FKK-Anhänger, sondern offenbar auch Liebhaber von unverwechselbarem Körperschmuck. Wir haben Mannex getroffen und die 40 Blüten seiner ewigen Shorts genauer betrachtet.



Mannex, 39, Materialprüfer:

"Die Idee hat mich schon lange fasziniert - eine Hose als Tattoo. Vor gut einem Jahr habe ich dann bei meinem Freund Paul diese Boardershorts mit dem Hawaii-Blumen-Muster gesehen. Da wußte ich: Das will ich. Ich surfe ja auch gerne, da dachte ich, das passt ja perfekt.


Mit Pauls Hose bin ich ins Tattoostudio gegangen und habe gesagt, was ich will. Damals dachte ich, dass ich nach einer Sitzung fertig bin. Als der Tätowierer mich während der ersten vierstündigen Sitzung gefragt hat, wann ich wiederkomme, ist mir erst klar geworden, dass es mit einem Mal nicht getan ist. Mittlerweile hatte ich zwölf Termine, verteilt auf über ein Jahr, also etwa 36 Stunden. Fertig ist das Werk aber noch lange nicht, ich schätze, im September werde ich die letzte Sitzung haben.

Der Tätowierer sagte mir, dass es sich um die erste und letzte Hose handelt, die er machen werde. Es ist für ihn super viel Arbeit, weil es eine große Fläche ist und andererseits das Bein und der Po ja auch keine einheitlich glatte Fläche bilden.

Es handelt sich um 40 Blüten in Streifenform, alle schwarz, die an den Hüften anfangen und fast bis zum Knie gehen. Wie eine richtige Boarder-Shorts eben.

Die Genitalien habe ich nicht tätowiert. Das wäre mir unangenehm und wahrscheinlich auch sehr schmerzhaft. Auch so habe ich mittlerweile schon alle unterschiedlichen Schmerzzonen des Körpers kennengelernt. Da muss man durch.

Das Ergebnis entschädigt für die durchlittenen Qualen: Die Blüten sind alle sehr schön und exakt geworden, die Linien alle gut gezeichnet. Auch das Abheilen lief bis jetzt gut. Nach jeder Sitzung dauert es etwa zwei Wochen, bis die "Mauser" vorbei ist. Das ist die Zeit, in der der Körper Farbe abstößt und die Haut noch entzündet ist; die Haut "schwitzt" dann. Wenn man bedenkt, wie groß die Fläche insgesamt ist, habe ich bis jetzt wirklich Glück gehabt.
Panik hatte ich eigentlich nur nach dem ersten Mal, aber dann war mir klar: Jetzt gibt es kein zurück mehr. Mittlerweile ist das ganze für mich eine Art Baustelle, oder wie ein ungeborenes Kind, mit dem ich mittlerweile ein Jahr schwanger bin.

Die Resonanz von meinen Freunden ist bis jetzt ziemlich gut. Ein bißchen Angst habe ich vor den Reaktionen fremder Menschen. Ich treibe ziemlich viel Sport und gehe auch in die Sauna. An den Gedanken, dass da Leute gucken und lachen könnten, muss ich mich erst noch gewöhnen. Ich mache das ja nicht aus einem exhibitionistischen Trieb heraus, sondern für mich. Genau wie mein erstes Tattoo befindet es sich ja auch an einer Stelle, die man nicht sofort sieht, selbst wenn ich Shorts anhabe im Sommer.



Ich freue mich schon sehr auf den Tag, an dem es endlich fertig ist, und mein Baby sozusagen geboren wird. Denn dass es die richtige Entscheidung war, dessen bin ich mir sicher."

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