Bad auf der Brust und Dutt im Nacken

David Weigend

Robin Dutt wird ab der kommenden Saison neuer Trainer des SC Freiburg. Dies wurde fudder aus Stuttgarter Insiderkreisen bestätigt. Auf der heutigen Pressekonferenz des neuen Hauptsponsors wollte man über dieses Thema jedoch noch nicht reden.



Um 15 Uhr hat Achim Stocker alles hinter sich. Er hat seine gold-rot-blau-gescheckte Krawatte abgebunden, das Sakko abgelegt und gegen einen Wohlfühlpulli, Marke "Fernsehabend daheim", eingetauscht. Mit seinem weißen, schottischen Terrier geht er Gassi, ganz gemütlich am Post-Jahn vorbei, in der linken ein Zigarillo. Pressekonferenzen sind für ihn Stresssituationen, das ist nicht zu übersehen. Der Gesichtsausdruck des SC-Präsidenten wirkt immer ein wenig gequält, wenn die Teleobjektive auf ihn zoomen.


Und genau das ist anderthalb Stunden vorher der Fall. "So schön bin ich auch wieder nicht", sagt er den aufdringlichen Fotografen, die sich vor ihn hinknieen.



Natürlich wünschen sich alle der zahlreich erschienenen Journalisten, dass Stocker den Namen Robin Dutt bestätigt, anstatt die Lobpreisungen des neuen Hauptsponsors Duravit (Bäder und so) mit weiteren Wir-sind-ja-alle-so-froh-Floskeln zu übertreffen. Vor der Pressekonferenz witzelt ein beliebter Kneipenbetreiber zu einem langhaarigen Reporter: "Warum trägst du nen Zopf und keinen Dutt?" Pressesprecher Martin Braun bittet gleich am Anfang der Wannenmacherpräsentation, keine Fragen zum neuen Trainer zu stellen.

Das macht dann aber trotzdem einer. Stocker antwortet leicht mürrisch, er sage erst am Freitag was dazu, und: "Es reicht für heute." Auch im weiteren murmelt er Ironisches vor sich hin, was allein in den akustisch günstiger gelegenen Reihen einige Lacher erzielt. Wie auch immer. Fakt ist, dass Dutt kommt.



Im Umfeld der Stuttgarter Kickers wird der Wechsel kritisch betrachtet. "Dutt wird es schwer haben, den Freiburger Erwartungen Stand zu halten", sagt ein Kickerskenner. "Seine Bilanz in Degerloch fällt zwiespältig aus. Dutt hat zwar einige Spieler aus der eigenen Jugend in die erste Mannschaft gebracht, aber von den eingekauften, gestandenen Spielern konnte keiner richtig überzeugen."

In Stuttgart wird Dutt um den neuen Job nicht beneidet. Offenbar grübelt die Vereinsführung bereits über einer Liste mit fünf bis zehn möglichen Duttnachfolgern. "Darunter meist Kandidaten aus der Regionalliga wie etwa Michael Feichtenbeiner, derzeit Trainer beim SC Pfullendorf."



Dutt hat bei den Kickers in jeder Saison, in der er den Verein seit Oktober 2003 betreut, Durststrecken von sechs bis acht sieglosen Spielen überstehen müssen. Ob Stocker, Keller und Co. solche Sieglosigkeiten tolerieren werden und ob sich good old Finke das Ganze nur in Ruhe aus dem Hintergrund anschauen mag, mal sehen. Der Zeitpunkt der Trainerbekanntgabe vor dem wegweisenden Kaiserslauternspiel ist zumindest als äußerst ungünstig einzustufen.

Die Duravitchen sind mit dem neuen Deal, Laufzeit drei Jahre, derweil hochzufrieden. Stolz fotografiert Marketingleiter Matthias Schott (ganz links, Glückwunsch, beste PK-Krawatte) die neuen Werbebanden im Stadion, mit einer sehr, sehr flachen, schwarzen Kamera.

Um 15.40 Uhr fährt Niels "Coolio" Hansen unter wummernden Beats mit seinem weißen Familienmobil, Flensburger Kennzeichen, auf den Parkplatz am Stadion vor. Die Musik klingt ähnlich wie das, was vor und nach dem Duravit-Sprech lief. Irgendwie Reggae.