Autoteilen in der Nachbarschaft – privates Carsharing mit Drivy

Benjamin Wissing

Mein Auto – dein Auto. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Plattformen, die Autos zwischen Privatpersonen vermitteln. Eine davon – Drivy – haben wir getestet.

Die Idee

Ein Missstand: Wie oft nutzt man das eigene Auto – und wie oft steht es nutzlos herum? Ein weiterer: Tausende Menschen brauchen nur einmal im Monat ein Auto – und haben dann keines, weil es sich nicht lohnt.

Zwei Missstände, die zu einer Idee führten: privates Carsharing. Dutzende Firmen (z.B.: CarUnity, Tamyca) bieten inzwischen an, Autos zwischen Privatpersonen zu vermitteln. Nutzt eine Person ihr Auto nicht, kann eine andere es mieten. So fahren Autolose – und Ressourcen werden geschont. Drivy ist eines dieser Unternehmen.

Der Anbieter

Das Unternehmen Drivy mit Hauptsitz in Paris ist Europas größter Anbieter für privates Carsharing. Im November 2014 eröffnete in Berlin die erste Auslandsniederlassung und Drivy wurde auf dem deutschen Markt eingeführt. Ein halbes Jahr später übernahm das Unternehmen den bis dahin erfolgreichsten Mitbewerber "Autonetzer" und avancierte somit zum Marktführer. Derzeit sind deutschlandweit circa 5000 Autos bei Drivy Registriert.

Registrierung

Die Registrierung bei Drivy ist kostenlos. Man trägt Vorname, Nachname und E-Mail Adresse ein, legt ein Passwort fest und schon kann man Autos mieten oder das eigene zur Miete anbieten. Die Registrierung erlaubt es Mietern und Vermietern zudem, sich gegenseitig zu bewerten und dadurch anderen Nutzern eine Entscheidungshilfe zu liefern. Außerdem gibt es keine Mitgliedsgebühr – nur wer mietet, zahlt auch.

Auto mieten

Drivy ist nichts für Spontananmietungen, dafür ist der Mietprozess zu aufwendig oder, je nach Zuverlässigkeit des Vermieters, zu unsicher. Man kann direkt auf der Startseite den Ort der Miete und den gewünschten Zeitraum angeben und bekommt dann alle Autos angezeigt, die die vorgegebenen Kriterien erfüllen. Als nächstes schätzt man die zu fahrenden Kilometer und kontaktiert dann den Anbieter des Wagens. Die Zahlung erfolgt ausschließlich mit Kreditkarte (Visa/Mastercard) oder PayPal.

Auto vermieten

Um eine Anzeige zur Vermietung des eigenen Autos zu schalten, muss man sich ebenfalls registrieren und zusätzlich seine Bankverbindung angeben. Erhält man eine Anfrage, setzt man sich mit dem Interessenten in Verbindung und macht einen Termin zur Schlüssel- und Fahrzeugübergabe aus. Drivy behält vom Mietpreis 30 Prozent ein, welche nach Aussage des Unternehmens hauptsächlich zur Deckung der Versicherungskosten verwendet werden.

Versicherung

Jedes über Drivy vermittelte Auto ist für die Zeit der Vermietung separat versichert. Im Schadensfall haftet nicht die Versicherung des Vermieters. Stattdessen greift der Versicherungsschutz des Unternehmens. Dieser umfasst sowohl Voll- und Teilkasko, als auch eine Haftpflichtversicherung. Ergänzt wird das Ganze durch einen Schutzbrief, der einen 24-Stunden-Pannenservice enthält. Die Höhe der Selbstbeteiligung ist abhängig von der Fahrzeugart und reicht von 800 bis hin zu saftigen 3000 Euro. Die Selbstbeteiligung kann durch einen Aufpreis jedoch reduziert werden.

Kritik

Gerade beim Thema Haftung im Schadensfall gewinnt man nach Sichtung von Erfahrungsberichten im Internet den Eindruck, dass Drivy hier nicht so kundenfreundlich ist, wie es sich selbst darstellt. Lange Wartezeiten bei der Bearbeitung von Schäden, schlechte Zahlungsmoral und unklare Aussagen zur Versicherung sind nur ein paar der Vorwürfe, die sich das Unternehmen gefallen lassen muss.

Auch von seriöserer Stelle gibt es kritische Stimmen zu Drivys Versicherungsbedingungen. Die Stiftung Warentest testete im Oktober 2015 mehrere Anbieter für privates Carsharing mit dem Ergebnis, dass die von Drivy vollmundig versprochene "umfassende Versicherung" mit einigen Tücken im Kleingedruckten aufwartet. Das Resümee eines Users der Seite mietwagen-erfahrungen.com lautet: "Drivy lohnt sich immer, wenn nichts passiert."

Preise

Die Preise legt der Vermieter selbst fest. Als Referenzrahmen bietet Drivy eine Mietpreistabelle an, diese ist jedoch nicht bindend. Verglichen mit herkömmlichen Mietwagenfirmen liegen die Kosten etwas niedriger, nach Schnäppchen muss man allerdings auch bei Drivy suchen. Es lohnt sich in jedem Fall, die Preise der unterschiedlichen Anbieter zu vergleichen.
Ein Citroen C1, den man einen Tag lang bucht, kostete bei unserem Test bei 100 Kilometern 30 Euro.

Verfügbarkeit

Während unseres Tests waren in Freiburg und Umgebung 19 Autos registriert. Das sind zwar noch nicht besonders viele, trotzdem gibt es vom Transporter für kleinere Umzüge bis hin zur Limousine sämtliche Fahrzeugarten zu mieten. Bei allen drei von uns angefragten Wagen meldeten sich die Vermieter in weniger als 24 Stunden zurück. Dass die Verfügbarkeit stark davon abhängig ist, wie viele Menschen sich am privaten Carsharing beteiligen, liegt in der Natur der Sache. Für Berlin sind bereits über 400 Mietwagen registriert.

Fazit

Wer etwas vorausplanen und abschätzen kann, wie weit die Reise geht, kann mit einer privaten Autoanmietung durchaus einiges an Geld sparen. Allerdings sollte man sich besonders als Vermieter darüber im Klaren sein, dass privates Carsharing ein hohes Maß an Vertrauen erfordert.

Und auch die Anmietung eines privaten Autos hat einige Nachteile. Wie ist der Zustand des Wagens? Erscheint der Vermieter rechtzeitig zur Übergabe der Schlüssel und antwortet überhaupt jemand auf Anfragen? All dies sind Unsicherheiten, die mit der Nutzung von privatem Carsharing verbunden sind.

Wer hingegen etwas Geduld mitbringt und vom Gedanken des gemeinsamen Nutzens von Ressourcen überzeugt ist, für den ist das private Carsharing durchaus eine interessante Option.