Ausstellung über NS-Militärjustiz

Meike Riebau

In der Universität kann man ab heute eine Ausstellung besuchen, in der es um die NS-Militärjustiz geht und um die vielen Opfer, die von den Militärgerichten verurteilt wurden, obwohl sie unschuldig waren. Etwa 30.000 Todesurteile wurden von der Wehrmachtsjustiz gegen Soldaten und Zivilisten gefällt.



„Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein“ – so bügelte der ehemalige Marinerichter und Baden-Württembergische Ministerpräsident Hans Karl Filbinger die Vorwürfe ab, als bekannt wurde, dass er im Dritten Reich Todesurteile gegen Deserteure gefällt hatte. Eine Ausstellung im KG I der Uni zeichnet die Geschichte der Unrechts- und Willkürjustiz der Kriegsgerichte im Dritten Reich nach. Nicht nur Soldaten, sondern auch Zivilisten fielen diesen Urteilen zum Opfer. Die Wanderausstellung ist ab heute zu sehen.


Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Gegenüberstellung von Richtern und Verurteilten. Die Ausstellung zeigt einerseits, wie vielfältig die Lebensläufe der Täter und Opfer waren, aber auch, dass die Entnazifizierung an den Richtern fast spurlos vorübergegangen ist.

Etwa 30.000 Todesurteile wurden von der Wehrmachtsjustiz gegen Soldaten und Zivilisten im Dritten Reich gefällt. Unter Vorwänden bestraften die Richter des NS-Regimes vor allem Deserteure, um jeder Form von Abweichung in der Armee entgegenzuwirken. Die Opfer dieser Unrechtsurteile wurden auch lange nach dem Krieg noch als Feiglinge und Verräter betrachtet, erst im Jahr 2002 hob der Bundestag diese Urteile auf.

Freiburgs Beziehung zur Wehrmachtsjustiz ist eng: der wohl bekannteste Wehrmachtsrichter Hans Karl Filbinger studierte an der Albert-Ludwigs-Universität in den 1930er-Jahren und war hier später als Rechtsanwalt tätig. Auch eines der acht zentralen Wehrmachtsgefängnisse befand sich in Freiburg; 43 von den Kriegsrichtern zum Tode verurteilten Gefangenen wurden hier hingerichtet.

Freiburg ist die siebte Station der Wanderausstellung, die von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin konzipiert wurde und bis zum 18. Dezember im KG I zu sehen sein wird.

Mehr dazu:

Was: Wanderausstellung "Was damals Recht war… – Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht"
Wann: bis zum 18. Dezember 2008, Montag bis Freitag von 7 Uhr bis 22 Uhr, Samstag von 7 Uhr bis 18 Uhr
Wo: KG I, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Werthmannplatz 3

Eintritt: kostenlos, Führungen können gebucht werden unter Telefon +49 (0)761 – 207 73 55;  E-Mail: freiburg@lpb.bwl.de