Ausstellung: Klischeefreies Bauwagenpanorama

David Weigend

Der Hamburger Fotograf Florian Busch, 31 und selbst Bauwagenbewohner, zeigt nächste Woche Panoramabilder aus Bauwägen im Orbit vor dem Freiburger Stadttheater. Wir haben uns vorab mit ihm unterhalten und sind gespannt, ob die Wagenfotos der Schattenparker einen ähnlich starken Eindruck hinterlassen werden.



Herr Busch, Sie haben Panoramabilder von Bauwägen gemacht. Wo stehen die?

An drei verschiedenen Stellen. In Berlin im Wagendorf Lohmühle, in Hamburg an den Bauwagenplätzen Henriette und Borribles. Dann sind noch ein paar LkW dabei, die frei an der Straße stehen.

In der Pressemitteilung steht: „Das Orbitprojekt ist eine Kooperation des Stadttheaters mit der Wagenburg ,Schattenparker'“. Sind denn gar keine Fotos von Freiburger Bauwagen zu sehen?

Ich habe persönlichen Kontakt zu den Schattenparkern. Die haben mich sozusagen eingeladen. Aber ich habe von den Freiburger Bauwägen noch keine Bilder gemacht. Soviel ich weiß, werden die Schattenparker Fotos von sich dazuhängen.



Die Fotos des Bauwagen-Interieurs sind in der Hochglanz-Ästhetik von Einrichtungsmagazinen arrangiert. Inwiefern spiegelt das Ihren Wohnalltag wieder?

Ich glaube schon, dass die Art, wie ich fotografiere, das Ganze in gewisser Weise ästhetisiert. Aber es ist ja nicht so, dass all diese Wägen total clean aussehen würden. Wenn man genau in die Wägen reinguckt, sieht man, dass da teilweise viel herumliegt, wie in anderen WG-Zimmern auch. Manche Räume sind aufgeräumter, andere weniger.

Auf jeden Fall sehen sie riesig aus.

Ja. Diese 360-Grad-Technik verfremdet das Empfinden für die Größe. Das, was gegenüber ist, erscheint nebeneinander.

Die teils sehr gediegene Ausstattung der Bauwägen entspricht nicht der Vorstellung, die viele vom alternativen Lebensentwurf Wagenburg haben.

Nur weil man Geld hat, heißt das ja nicht, dass man daraus keinen alternativen Lebensentwurf machen könnte. Dieses platte Bild der armen Leute, die aufgrund ihrer Notsituation in den Wagen ziehen müssen, ist unzureichend. Genau das will ich ja deutlich machen. Viele Menschen, die im Wagen leben, haben einen Lebensrhythmus, wie andere Menschen auch, nur, dass sie die Miete letztlich einsparen. Das macht sie ja nicht ärmer.



Den typischen Wagenburgbewohner gibt es also nicht.

Nein. Die Ansätze, warum jemand in einen Wagen zieht, sind recht unterschiedlich. Klar gibt es auch Leute, die aufgrund ihrer finanziellen Situation in den Wagen ziehen. Oder sie machen das bewusst, um das Mietgeld zu sparen und dann weniger arbeiten zu müssen.

Welche Berufe haben die Bewohner von Borribles?

Es gibt hier eine ganze Reihe von Studenten, dann Gärtner und Baumpfleger, Soziologen und Leuten, die mit Computern arbeiten. Das geht quer durch die Bank.

Haben Sie Ihren eigenen Bauwagen auch fotografiert?

Ja. Das Bild wird im Orbit zu sehen sein. Ich sage aber nicht, welches es ist.



Mehr dazu:



Was
: Fotoausstellung - Wohnen ohne Fundament
Wann: Montag, 16. Juni 2008, 22 Uhr (Vernissage) bis 20. Juni 2008, täglich durchgehend geöffnet
Wo: Orbit vor dem Stadttheater Freiburg, Bertoldstr. 46