August-Umfrage: Was bringt die Säule der Toleranz?

Severin Weigend

Ein Jahr nach der Aufstellung der Säule auf dem Augustinerplatz haben wir ein paar Treppenchiller vor Ort gefragt, was sie von der Säule halten, inwiefern das Ding die Stimmung auf dem Platz verändert hat und ob sie den Geburtstag der Säule zu feiern gedenken.



Julian, 23

„Bevor die Säule stand, war ich eigentlich nie am Augustinerplatz. Am vergangenen Samstag setzte ich mich dann mal hier her -  mit Freunden, die nicht aus Freiburg kommen. Die Säule war natürlich sofort Gesprächsthema. Ich musste die Farben erklären. Meine Freunde dachten, wenn die Säule rot wird, müsse man gehen. Den Irrtum konnte ich zwar klären, aber über den Grund für die Säule haben wir gerätselt. Ist sie ein Kunstwerk? Wann ist offiziell Schluss?

Die Atmosphäre war jedenfalls gut, wir sind bis 2 Uhr nachts geblieben. Laut war es nicht, abgesehen von ein paar Vuvuzelas. Als eine Gruppe Betrunkener von anderen Platzbesuchern zurechtgewiesen wurde, weil sie Flaschen haben zerspringen lassen, hat mich das sehr gewundert. Sowas passiert nur in Freiburg. Den Geburstag der Säule werde ich nicht feiern.“



Robert, 23

„Die Säule war ihr Geld kaum wert. Sie ist immer kaputt, zeigt immer falsche Temperaturen an. Im Winter zeigte sie zum Beispiel 31 Grad plus an. Das macht zwar wenigstens Hoffnung, aber ist eben Unsinn. Die Farben sind auch hässlich.

Eigentlich war die Idee ja gut , die Umsetzung aber zu teuer. Die Atmosphäre hier ist cool wie immer, wäre es aber eben auch ohne die Säule. Den Geburtstag der Säule feier' ich neonfarben angezogen und fröhlich um die Säule tanzend.“



Katja, 23 & Katy, 27 & Lisa, 25

„Uns stört an der Säule vor allem das grüne, unromantische Licht ab 21 Uhr. Das stört die Atmosphäre, ein Lagerfeuer wäre netter. Allerdings ist Grün ja auch die einzige Farbe, die man noch bewusst wahrnimmt. Keiner achtet danach noch auf die Säule, viel verändert hat sie nicht. Den Geburtstag der Säule werden wir nicht feiern.“



Stefan, 30

„Es hat sich nicht viel geändert mit der Säule. Ich lebe jetzt das vierte Jahr in Freiburg und finde es am Augustiner sowieso nicht so laut. Man hätte sich die Säule auch sparen können. Niemand interessiert sich groß dafür, dass es um 23 Uhr leise sein soll. Den Geburtstag der Säule feiere ich ab 23 Uhr mit Vuvuzela-Dauertröten!“



Yanna, 18 & Dimut, 18 & Maria, 18

„Die Atmosphäre auf dem August ist heute nicht nicht mehr so offen und kommunikativ wie früher, es gibt kaum noch Austausch zwischen den einzelnen Gruppen. Der August ist zwar bekannter und voller geworden, deswegen kommen auch viel mehr verschiedene Leute. Aber eben auch die Pimkie-Shopper.

Uns kommt es ruhiger vor als vergangenes Jahr, da gab es mehr Gepöbel.Ob das an der Säule liegt, kann man nicht wirklich sagen. Sie ist eher eine optische Verschönerung, aber sie hätten doch lieber eine nette Skulptur hinstellen sollen. Wir sind am Geburtstag der Säule extra tolerant und schenken der Säule Luftballons.“



Andreas, 23

„Ich war diesen Sommer noch nicht so oft hier. Früher im Jahr waren vor allem Alternative hier, die mich teilweise penetrant genervt haben. Sie haben einem Kumpel und mir mein Bier abgezogen, da haben wir uns gedacht, dass wir wohl wieder kommen müssen, wenn es wärmer wird und anderes Publikum den Platz bevölkert.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Säule viel geändert hat. Eigentlich ist es schade, dass man sie braucht. Einerseits müssen sich die Leute hier natürlich ein bisschen benehmen, andererseits finde ich es auch störend, dass die Anwohner sich hier beschweren. Immerhin gehört das Zusammensein auf dem August zur Freiburger Stadtkultur dazu. Dass müssen die Leute, die direkt in der Stadt wohnen, auch akzeptieren. Ich werde meine Sommerabende weiter hier verbringen, den Geburtstag der Säule werde ich nicht explizit feiern.“

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