Auf ein Bier mit dem isländischen Singer-Songwriter Mani Orrason

Bernhard Amelung

Mani Orrason kommt aus Island, lebt in Spanien und tourt derzeit in Europa. 2015 hat der 18 Jahre alte Singer-Songwriter sein Debütalbum "Repeating Patterns" veröffentlicht. Heute, Freitag, gibt er ein Konzert in der Kneipe Zum Alten Hut. Bernhard Amelung hat sich mit ihm auf ein Bier getroffen und über den Heimatbegriff, Bühnendruck und jugendliche Rebellion gesprochen.



Mani, du bist in Island geboren, lebst in Spanien und kommst als Musiker viel rum. Wo fühlst du dich zuhause?

Mani Orrason: Eine Heimat im patriotischen Sinn habe ich nicht. Einen Heimatbegriff kann ich auch nicht definieren. Heimat ist für mich vielmehr etwas, das mich mit Menschen verbunden sein lässt. Auf einen ganz bestimmten Ort oder gar ein Land kann ich das nicht herunter brechen.

Trotzdem kehrst du immer wieder nach Island zurück.

Ich mag es, zu meinen Wurzeln zurück zu kehren. Ich kann aber nicht allzu lang auf Island bleiben, obschon Reykjavik eine großartige Stadt ist. Die Winter dort sind sehr kalt und sehr dunkel.

Inwieweit beeinflusst das deine Musik?

Die Dunkelheit macht Island sehr geheimnisvoll. Ich weiß aber nicht, ob sich das unmittelbar auf meine Songs auswirkt. Ich denke, es sind vielmehr die Menschen, die ich dort treffe und die vielen Bands, auf deren Konzerte ich gehe, die mich beeinflussen. In Island gibt es sehr viele Musikfestivals, Airwaves, Sónar, um mal die Bekanntesten zu nennen. Die Musikszene ist groß.

Davon profitiere ich sehr. Genauso, wenn ich mit anderen Musikern oder Bands auf Tour gehe. Ich war gerade erst mit der Electronica-Band Vök unterwegs und habe auf deren Konzerten als Support-Act gespielt. Die Atmosphäre ihrer Stücke haben mich sehr beeindruckt.

Du arbeitest viel im Studio, spielst auf Konzerten viel für andere Menschen. Wann hast du zuletzt für dich gesungen?

Das mache ich eigentlich sehr oft, vor allem in Spanien. Nachdem dort meine Beziehung auseinander gegangen ist, saß ich oft am Strand, in der Sonne, in der Hitze. Es tat mir gut, das Rauschen der Wellen zu hören, die sich am Ufer gebrochen haben. Sie rollen auf das Ufer zu, brechen, fließen zurück. Dieser Rhythmus hat sich bei mir festgesetzt.

Da viele meiner Konzerte in einem intimen Rahmen stattfinden, kommt es mir manchmal so vor, als ob ich da nur für mich spiele. Sobald ich die Bühne betrete, bin ich zwar mit den Menschen unmittelbar verbunden, was ein sehr intensives Gefühl ist. Aber ich finde da auch schnell zu mir selbst.

Du bist mit neun Geschwistern aufgewachsen. Wie macht man sich da bemerkbar?

Altersmäßig liege ich so ziemlich in der Mitte. Ich denke, ich musste schon so etwas wie ein Top-Performer sein, dass mich meine älteren Geschwister wahrgenommen haben. Für meine jüngeren Geschwister war ich dagegen sicher so etwas wie ein Vorbild. Zumindest musste ich öfters Verantwortung für sie übernehmen. Heute wirkt das für mich wie ein demokratischer Prozess. Mal ist man Regierung, mal Opposition.

Wenn du etwas in deinem Leben ändern könntest, was wäre das?

Ich versuche, zufriedener zu sein. Vor allem zufriedener mit mir selber. Wie man innere Zufriedenheit bekommt, kann man lernen. Aber wie bei allen Dingen, die man lernt, gibt es auch Tage, an denen man Rückschläge wegstecken muss.

In einem deiner Songs singst du über eine Rebellion. Wogegen begehrst du auf?

Ich habe diesen Song geschrieben, als ich fünfzehn Jahre alt war. Da stand ich ganz am Anfang als Singer-Songwriter. Ich denke, das ist so die Zeit, in der man aufbegehrt, gegen die Eltern, die Schule, und so weiter. Ich habe zu dieser Zeit sehr viel gelesen, Jack Kerouac, Filme wie "Into The Wild" haben mich sehr fasziniert. Ich denke, das war eine Coming-of-age-Phase. Die habe ich aber abgeschlossen. Ich singe diesen Song zwar noch auf meinen Konzerten. Die Person, um die er sich dreht, bin aber nicht mehr ich.

Was war denn dein bester Gig, den du bisher gespielt hast?

Alle Konzerte, die ich spiele, bedeuten mir viel. Aber da ich mich festlegen muss, bringe ich mal das Airwaves-Festival ein. Das Festival wird von Radio und TV übertragen, ich habe Musiker wie Father John Misty getroffen. Das war schon ein intensives Gefühl.

Was war der schlimmste Gig?

Manchmal denke ich, ich liefere nicht gut ab. Ich verlasse die Bühne und denke darüber nach, was ich gerade gemacht habe. Manchmal denke ich, ich habe diese oder jene Songzeile vergessen. Dann aber kommen die Leute zu mir und bedanken sich ganz euphorisch. Das reißt mich aus dem Grübeln raus. Ich denke aber, dass ein Konzert etwas sehr Intimes ist. Ich öffne mich vor meinem Publikum, und das Publikum öffnet sich mir, mit allen meinen Fehlern.

Wie gehst du überhaupt mit dem Druck auf der Bühne um?

Ich schaue mein Publikum an und versuche, mit allen eine Verbindung einzugehen.

Mani Orrason - Walls Keep Caving In

Quelle: YouTube


Mehr dazu:

Was: Konzert w/ Mani Orrason, Danny McClelland, Sebastian Hesselmann
Wann: Freitag, 26. Februar 2016, 20 Uhr
Wo: Zum Alten Hut, Habsburgerstr. 119, 79104 Freiburg
[Foto: Mani Orrason/Bernhard Amelung]