"Auf der Fusion geht es noch um die Musik!": Interview mit Julian Maier-Hauff

Marius Notter

Kunstinstallationen, Performances und elektronische Musik: Seit 1997 findet in Lärz, auf dem Gelände einer ehemaligen russischen Militärbasis in Mecklenburg-Vorpommern, die Fusion statt. Mit jährlich über 60.000 Besuchern gehört das viertägige Event zu den größten Sommerfestivals in Deutschland. In diesem Jahr hat der Freiburger Elektronikmusiker Julian Maier-Hauff (22) zum ersten Mal dort gespielt. fudder-Autor Marius Notter hat ihn gefragt, wie er das Festival erlebt hat.



 

Wie hast du dich auf diesen Auftritt vorbereitet ?


Julian Maier-Hauff: Um ehrlich zu sein: Ich hatte kaum Vorbereitungszeit. Ich habe zwei Tage vorher mein Bachelorstudium in Jazz-Trompete mit einem Konzert abgeschlossen. Am Tag unmittelbar vor dem Festival saß ich den ganzen Tag im Auto. Die einzige Vorbereitung, die ich dort getroffen habe war, etwas früher aufzustehen, um keinesfalls schläfrig auf die Bühne zu stolpern.

Welches besondere Erlebnis auf der Fusion fällt dir spontan ein ?

Julian Maier-Hauff: Das Live-Set des Hamburgers Stimming - was ein Typ! Ich bin eigentlich nicht derjenige, der unbedingt von Backstage-Karten Gebrauch machen will. Aber in Lärz konnte ich es mir nicht nehmen lassen, bei Stimming auf der Bühne zu feiern. Es war wunderbar. Er ist wirklich einer meiner Lieblingsproduzenten und ein sympathischer Mensch noch obendrein.

Wie sieht denn der Backstage-Bereich auf der Fusion aus ?

Das Gelände ein ehemaliger Flugplatz. Im Backstage gibt es Verwaltungsgebäude, zwei Essensbereiche, Zeltplätze, warme Duschen mit deutlich kürzeren Schlangen als auf dem Gelände und keine abstoßenden Sanitäranlagen. Ansonsten unterscheidet sich dieser Bereich nicht immens vom Zeltplatz und dem Festivalgelände generell. Das finde ich auch gut so. Das war mir auf stark kommerziellen Festivals manchmal schon zu krass. Pools, überladene Buffets und eine Medialounge mit Livestream von den Bühnen sind in meinen Augen eher unnötig.  

Was ist das Besondere an der Fusion für dich als Künstler?

Ich denke es ist das Gemeinschaftsgefühl. Jeder, ob Festivalbesucher, DJ, Koch oder Sicherheitsmann, fühlt sich diesem Ereignis zugehörig. Die Leute passen aufeinander auf, die Stimmung ist friedlich und ich habe das Gefühl, die Künstler haben wirklich Lust, dort aufzutreten. Es geht ihnen noch um die Musik. Es geht nicht darum, sich irgendwelche Spielzeiten zu ergattern oder Werbeartikel zu verkaufen. Ich habe stark von dieser Offenheit profitiert. Als Künstler, der um die 1000 Follower auf Facebook hat, ist es heute kaum noch möglich, auf einem Festival dieser Größenordnung zu spielen. Ich denke, bei den Veranstaltern ist viel Vertrauen und Leidenschaft vorhanden und kein kommerzieller Hintergrund, der alles überschattet. Das reduziert die Hierarchien und steigert den Spaßfaktor immens.

Was macht man bei einem Fusion-Live-Set anders als sonst ?

Ich für meinen Teil habe konzeptionell nicht anders gespielt als sonst. Es war etwas ungewöhnlich für mich, ein einstündiges Warm-Up um 14 Uhr zu spielen. Aber ich denke, die Leute haben es ziemlich positiv aufgenommen, dass ich live gespielt habe und nichts Vorbereitetes abgefeuert habe.

Ich lasse mich da immer recht gut treiben. Genau das war auch die Stimmung, die ich von den Leuten zurück bekommen habe. Vielleicht war die Musik, die entstand, ein bisschen härter und räumlicher als sonst. Ich habe mich stark auf den Bass konzentriert, weil die Anlage auch in den Bässen sehr differenziert geklungen hat. In kleineren Clubs geht das oft nicht, weil die Anlagen zu klein sind, oder der Raum nicht gut klingt. Der ein oder andere müsste das Bassbad genossen haben. Das jetzt im Nachhinein auf kleinen Lautsprechern nachzuempfinden, wird wohl knifflig, aber das ist ja das Gute dran: wer dabei war, war dabei.  

Julian Maier-Hauff @ Tanzwüste Fusion2015 (Improvised Analog Liveset)



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[Foto: Privat]