Beerdigungskultur

Auf dem Freiburger Hauptfriedhof gibt es jetzt ein Feld für Sternenkinder

Fabian Vögtle

Ein Ort, der Eltern das Trauern erleichtern soll: Das Kindergrabfeld auf dem Freiburger Hauptfriedhof ist bunter und größer geworden. Für Sternenkinder gibt es nun einen eigenen Bereich.

Ein Seelenvogel aus Mosaiken, der im Sonnenschein strahlt, ein Klettergerät für Kinder und mehrere Holzbänke. Das bisherige Kindergrabfeld auf dem Hauptfriedhof ist noch bunter und größer geworden. Am Montag weihten der evangelische Stadtdekan Markus Engelhardt und Johannes Kienzler, stellvertretender katholischer Stadtdekan, das neue Sternenkinderfeld ein. "Es ist gut, dass es hier jetzt einen konkreten und würdigen Ort gibt", sagte Bürgermeister Stefan Breiter. Bisher wurden die sogenannten Sternenkinder, also Tot- und Fehlgeburten, anonym beigesetzt.


Ein Ort für individuelle Trauer

Auf dem neuen Feld können Eltern bei der Beisetzung nun dabei sein und bekommen damit einen persönlicheren Platz für ihre Trauer. Für viele Menschen brauche es diese individuellen Orte und Rituale, um mit dem Tod umzugehen und damit zu leben, sagte Engelhardt. Hebammen, Ärztinnen der drei Geburtskliniken und weitere Experten hatten auf Initiative des städtischen Eigenbetriebs Friedhöfe in einer Arbeitsgruppe ein Konzept auf den Weg gebracht, um auf die oft geäußerten Wünsche der betroffenen Eltern einzugehen.

"Hier ist etwas Wunderbares entstanden", sagte Wolfgang Armbruster beim Blick zur Rasenfläche, auf der künftig die Sternenkinder beigesetzt werden. Sein Sohn starb vor neun Jahren bei der Geburt. Zusammen mit anderen Eltern rief er vor einigen Jahren die Initiative Sternenkinder ins Leben – aus Mangel an Angeboten und um anderen Menschen zu helfen, die das Schicksal teilen. Mit dem neu geschaffenen Feld werde das Thema aus der Tabuzone geholt und wertgeschätzt, sagte Armbruster.

Ein Seelenvogel für Sorgen

An zentraler Stelle steht ein farbiger Seelenvogel, der an ein Kinderbuch von Michal Snunit und Na’ama Golomb angelehnt ist. Darin können trauernde Kinder dem Seelenvogel ihre Sorgen mitteilen. Genauso ist das jetzt bei der Freiburger Vogel. In einen Schlitz können dort Zettel mit Nöten oder Wünschen eingeworfen werden. Der Seelenvogel geht auf einen Entwurf des 90-jährigen Künstlers Franz Gutmann aus dem Münstertal zurück.

Drei Schülerinnen des Droste-Hülshoff-Gymnasiums beklebten die Skulptur aus Spritzbeton mit farbigen Fliesen. Einige Wochen verbrachten Luisa Meiershofer, Tiffany Nakayma und Elisa Schwering dafür immer freitags nach der Schule in der Werkstatt auf dem Hauptfriedhof. Mit dem Ergebnis sind sie zufrieden. Neben dem Vogel gibt es auch eine Natursteinmulde. Dort liegen große Steine, die Eltern oder Geschwister mit dem Namen des verstorbenen Kindes versehen können. Die Umsetzung des neuen Sternenkinderfeldes und die Erweiterung des Kindergrabfeld kosteten zusammen rund 90 000 Euro.

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