Atombunker im Freiburger Schlossberg steht vor der Schließung

Felix Held

Jahrzehntelang hat er Geld verschlungen, gebraucht wurde er zum Glück nie – nun soll der Atombunker im Schlossberg dicht gemacht werden. Am kommenden Dienstag entscheidet der Freiburger Gemeinderat über den Rückbau der "Zivilschutzanlage Schloßbergstollen".



Bisher hat die Stadt den Stollen im Auftrag des Bundes verwaltet. Nun hat dieser die Anlage "aus der Zivilschutzbindung entlassen". Die Stadt hätte nun die Möglichkeit, den Bunker als kommunalen Schutzraum auf eigene Kosten weiterzubetreiben. Davon rät die Beschlussvorlage für den Gemeinderat aber ab – wegen der Kosten.


So fallen pro Jahr alleine knapp 20.000 Euro an Stromkosten zur Entfeuchtung des Bunkers an. Bis zum Jahr 2000 seien zudem jährlich rund 102.000 Euro vom Bund bereitgestellt worden, um die Anlage voll funktionsfähig zu erhalten. Wollte die Stadt die Anlage weiterbetreiben, seien "umfangreiche Sanierungs- und Investitionsmaßnahmen" nötig.

Größte Zivilschutzanlage in ganz Baden-Württemberg

Die voraussichtlich komplette Schließung der mit 5000 Plätzen größten Zivilschutzanlage in ganz Baden-Württemberg kommt nicht überraschend. Bereits seit dem Jahr 2007 werde die Anlage auf Anweisung des Bundes nicht mehr "funktionserhaltend" sondern nur noch "verkehrssichernd" instandgehalten, heißt es in der Sitzungsvorlage.

"Wir hatten damit gerechnet, dass diese Entscheidung früher oder später kommt", sagt Philipp Golecki, der stellvertretende Leiter des Freiburger Amtes für Brand- und Katastrophenschutz. Allerdings findet er diese etwas inkonsequent. "Der Bund ist laut Gesetz zum Unterhalt solcher Anlagen verpflichtet. Jetzt wird sie aus Kostengründen stillgelegt", sagt er.

"Ich hätte es besser gefunden, wenn erst das Gesetz geändert worden und dann mit dem Rückbau begonnen worden wäre", gibt er zu. Gebaut wurde die Anlage in ihrer heutigen Form in den 60er-Jahren als Reaktion auf den Kalten Krieg. Mehr als elf Millionen Mark soll das damals gekostet haben. "Es ging um Schutz vor Luftschlägen oder einem atomaren Angriff", weiß Golecki.



Rückbau soll für die Stadt nichts kosten

Als Schutzraum bei anderen Katastrophen, etwa einem Erdbeben oder bei einem GAU in einem Atomkraftwerk sei die Anlage eher ungeeignet. "Da greifen eher Evakuierungspläne und zur Unterbringung von Fliehenden ist beispielsweise eine Turnhalle besser geeignet." In dem Stollen sei es feucht und kalt.

Für die Stadt werden durch den Rückbau keine Kosten entstehen, diese muss der Bund tragen. Da es bisher aber noch keine Erfahrungen mit der Stilllegung einer Anlage dieser Größenordnung gibt, ist aber noch nicht absehbar, wie teuer die Schließung letztlich wird. Ein erstes Gutachten hat aber ergeben, dass zumindest gewisse Schadstoffe zunächst aus dem Bunker entsorgt werden müssen, bevor er versiegelt werden kann. "Die gesamte Elektrik muss raus", sagt Golecki. Grund dafür ist, dass dort in den Leuchten teils der Schadstoff PCB enthalten ist.

Hohe Belastung mit Schimmelpilzen

In der Wasseraufbereitungsanlage gibt es außerdem Chlor, das ebenfalls fachmännisch entsorgt werden muss – eventuell auch Asbest. Eine Raumluftmessung ergab außerdem, dass die Luft im Stollen stark mit Schimmelpilzen und -sporen belastet ist. Wer sich dort aufhält, muss deswegen eine Atemmaske tragen. "Personen mit bekannter Empfindlichkeit der Atemwege" sollen zudem gar nicht mehr in den Stollen dürfen.

Ziel ist es nun, die fünf Eingänge zum Stollen plus die Lüftungsanlagen zu verschließen. Einsturzgefahr besteht laut dem Landesamt für Geologie keine, deswegen wird der Bunker er nicht angefüllt, sondern nur versiegelt. Das Wasser, das sich dort ansammelt, soll künftig in die Freiburger Bächle fließen.

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