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In Halle sind spontane Open-Air-Partys erlaubt: Ginge so was auch in Freiburg?

Du willst die Tage eine große Open-Air-Party feiern? Kein Problem, wenn nicht mehr als 500 Leute kommen und du das Online-Formular bis zu 24 Stunden vorher ausfüllst. Und: Wenn du in Halle an der Saale wohnst. Wie das dort genau funktioniert und ob so was auch in Freiburg möglich wäre:




Die Nachricht kam überraschend: Mitte April gab die Stadt Halle an der Saale bekannt, für das Jahr 2013 probeweise ausgewählte städtische Flächen für spontane Freiluftpartys freizugeben. Junge Menschen und Veranstalter, die keinen kommerziellen Hintergrund haben, können seither in einem verkürzten Genehmigungsverfahren ihre Veranstaltungen anmelden.

Partys, die bis zu 500 Personen erwarten, können über ein Online-Formular bis zu 24 Stunden vor Beginn der Veranstaltung, freitags bis spätestens 13 Uhr, bei der Stadt Halle (Saale) angezeigt werden. Genannt werden müssen ein Ort, Zeit und Art der Veranstaltung, die erwartete Besucherzahl sowie der Antragsteller und Veranstalter. Für Partys, die über 500 Personen erwarten, hat die Stadt Halle (Saale) zwei Orte ausgewiesen. Auch hier gilt das verkürzte Genehmigungsverfahren.

Für alle Veranstaltungen gilt: die Lautstärke darf eine Grenze von 103 Dezibel nicht überschreiten. Der Veranstalter verpflichtet sich in der Anzeige, auf die Einhaltung der Lärmgrenzwerte zu achten. Außerdem hat er dafür Sorge zu tragen, dass bis 10 Uhr des Folgetages Verunreinigungen oder Beschädigungen beseitigt sind. Tut er dies nicht, kann er für die Kosten der Müllbeseitigung oder sonstigen Maßnahmen herangezogen werden, denn die Freiluftpartys genießen keinen Demonstrationsschutz.

Kommerzielle Veranstaltungen, die Eintritt verlangen und mit Verkaufswagen, Getränkeständen oder Bühnen aufwarten, müssen weiterhin einen Antrag auf Genehmigung stellen.

Handreichung für Jugendliche und junge Erwachsene

Geradezu revolutionär ist, dass Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) die Einführung vereinfachter Regeln für sogenannte "Freiluft-Tanzveranstaltungen" zur Chefsache erklärt hat. So berichtet die Mitteldeutsche Zeitung vom 16. April 2013, dass es sich Weigand nicht nehmen ließ, die neue Regelung zu den Feiern in der Öffentlichkeit persönlich vorzustellen.

Dazu Markus Folgner, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Halle: "Die Stadt Halle möchte den Bedürfnissen junger Menschen und ihrem Wunsch nach mehr Freiheiten im öffentlichen Raum entgegen kommen. Mit dieser Regelung reichen wir jungen Menschen die Hand und geben ihnen einen Vertrauensvorschuss. Jetzt liegt es bei ihnen, ob sie mit dieser Freiheit umgehen können."

Die Hallesche Stadtverwaltung beobachte die Entwicklung und setze sich am Ende dieses Jahres zusammen, werte die gewonnenen Erkenntnisse aus und bespreche, ob und in welcher Form dieses Modell eine Zukunft haben könne, so Folgner. Und: "Die Stadt Freiburg ist herzlich eingeladen, unser Pilotprojekt anzuschauen und Anregungen für ihre Jugendlichen zu holen."

Die Stadt Freiburg reagiert darauf zurückhaltend. "Es gibt eher zu viele als zu wenige Partys in Freiburg. Durch die wahnsinnig vielen Grillstellen finden im Sommer sowieso überall Partys statt", sagt Edith Lamersdorf, die Leiterin des städtischen Presse- und Öffentlichkeitsreferats. Wer in Freiburg eine Veranstaltung durchführen möchte, müsse diese anmelden. Dann gehe es den üblichen Verwaltungsweg beim Amt für Öffentliche Ordnung. Und: "Ob es in Freiburg ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren für Partys geben soll und wird, ist eine politische Frage. Das gehört in den Gemeinderat."

Dass dieser sich der Thematik nicht verschließen kann, zeigt nicht nur das Beispiel Halle, sondern auch ein Blick zu den Schweizer Nachbarn. 2012 hat die Stadt Zürich ein vereinfachtes Bewilligungsverfahren für "Partys im Öffentlichen Raum" eingeführt, die sogenannte Jugendbewilligung. Die Antragsteller müssen zwischen 18 und 25 Jahre alt sein, ihren Wohnsitz in Zürich haben und gewährleisten, dass die Party nicht-kommerziell ist, Lärmschutzgrenzen eingehalten und Abfälle beseitigt werden.

Die Stadt Zürich führt auch in diesem Jahr das "Modell Jugendbewilligung" fort. Man habe damit gute Erfahrungen gemacht, so der Zürcher Stadtrat und Polizeivorsteher Daniel Leupi gegenüber dem Tagesanzeiger. Auch in Basel fordern Politiker eine Jugendbewilligung.

Ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren für Open-Air-Partys in Freiburg wäre sehr zu begrüßen und wünschenswert. Es schafft Entlastung und Entspannung. Entlastung, weil zum einen der ganze Anmeldewust wegfällt; weil die Partys kontrollierbar bleiben. Entspannung, weil es die Zahl der illegalen Partys verringert; weil die Veranstalter nicht befürchten müssen, dass die Polizei ihre Partys unterbricht und auflöst.

Ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren käme dem Bedürfnis vieler Jugendlicher und junger Erwachsener entgegen, sich ohne Konsumzwang zu treffen, zu feiern und den Sommer auf ihre Art und Weise begehen zu können: spontan, formlos und ungezwungen.




    [Bild: © Accent - Fotolia.com]




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 14
Samstag, 11.05.13 11:18
 

In Freiburg wird doch nach und nach alles, was open air ist, verboten. (Immer ein Traum für die Atmosphäre einer Stadt!)

Samstag, 11.05.13 12:48
 

Halle lässt sich von der Bevölkerung und dem Altersdurchschnitt nicht mit dem von Freiburg vergleichen.

Samstag, 11.05.13 12:57
 

die genehmigung von open air events, freiluftpartys etc würde ja bedeuten, dass auch atemwegsbehinderte menschen in freiburg endlich mal feiern gehen könnten (da unsere überaus tolerante und grüne stadt ja einen f*ck auf kontrolle&sanktion der (nicht)einhaltung des nichtraucherschutzes auf partys, konzerten etc. gibt), soviel inklusion muss dann doch nicht sein.

Samstag, 11.05.13 13:54
 

@Placebo: Halle hat ungefähr 235.000 Einwohner, ist Universitätsstadt, und durchaus mit Freiburg vergleichbar, auch wenn Freiburg von der Altersstruktur her etwas "jünger" ist.

Samstag, 11.05.13 14:02
 

"Es gibt eher zu viele als zu wenige Partys in Freiburg. Durch die wahnsinnig vielen Grillstellen finden im Sommer sowieso überall Partys statt"

Jor, sicher. Das ist auch absolut vergleichbar.
Da müsste mir Frau Lamersdorf mal zeigen, wo diese ominösen "wahnsinnig vielen Grillstellen" zu finden sind.
Oder bin ich bisher mit zu vielen Scheuklappen durch Freiburg gelaufen ?

Und dann diese massenhaft stattfindenden Partys überall: Schloßbergfest, Downtown Street Party, 1.Mai Fest etc. :)

Wo man geht und steht, überall ist schier die Hölle los in Green City.


tomtom hat den Kommentar am 11.05.2013 um 14:04 bearbeitet
Samstag, 11.05.13 15:20
 

es gibt über das jahr verteilt mehr als genug kleine openairs (z.t. ja auch sehr zentral IN der stadt), bzw. junge, engagierte veranstalter. mit bissl rücksicht und vorsicht alles doch gar nich so schwierig.

Samstag, 11.05.13 15:39
 

In Freiburg wäre sowas nur möglich, wenn Herr Hochuli auch eingeladen wird. :o)

Samstag, 11.05.13 15:39
 

Zitat Tomtom:
Und dann diese massenhaft stattfindenden Partys überall: Schloßbergfest, Downtown Street Party, 1.Mai Fest etc. :)

Wo man geht und steht, überall ist schier die Hölle los in Green City.


Es fehlt noch: Wo-der-Hund-verreckt-ist-Fest und Bordstein-hoch-fest

Samstag, 11.05.13 17:58
 

@Bernhard: naja, ich war ein paar mal da, weil mein bruder da lange gelebt hat. ich fands vom nachtleben und überhaupt den leuten her furchtbar, fast nur patienten. dann lieber nach leipzig, und von da kann sich natürlich wiederum freiburg ne große scheibe abschneiden.

Samstag, 11.05.13 18:38
 

@Placebo: Der nachrichtliche Kern ist doch, dass die Stadt Halle ein vereinfachtes / verkürztes Genehmigungsverfahren für spntane, nicht-kommerzielle Open-Air-Veranstaltungen eingeführt hat. Das ist bundesweit einzigartig. Da ist es grundsätzlich unerheblich, ob Halle und Freiburg wie auch immer vergleichbar sind oder nicht. Dass ein Oberbürgermeister einer Großstadt Anliegen und Bedürfnisse junger Menschen zur Chefsache erklärt, ist durchaus revolutionär - und sollte andere Amtsträger in diesem Land, in dieser Stadt, nachdenklich stimmen.

Samstag, 11.05.13 20:02
 

Ich fürchte, der Altersdurchschnitt von Herrn Hochuli und Herrn Rübsamen ist nicht mit Halle vergleichbar ...


Sonntag, 12.05.13 22:17
 

Freiburg erstickt eher an seiner eigenen grünen Duftwolke.
Viva la Revolución !!!

Samstag, 10.08.13 08:57
 

Ich finde es unglaublich, was in Freiburg alles verboten wird.

Da wurden vor Jahren (bei anderen Bürgermeistern, die sich noch für die Bedürfnisse aller Freiburger interessiert haben) einige Parks und Gebäude erbaut mit der Absicht, daß diese auch genutzt werden.

Heute sind daraus nur noch zum Teil verkommene und verlassene Parks und Gebäude geworden. Wen interessieren schon die Wünsche der Bevölkerung.

Der Stadtpark hat einen Musikpavillon, der inzwischen ziemlich herunter gekommen ist. Eigentlich eine tolle Sache für Musikveranstaltungen, wie z.B. Frühschoppen, Tanznachmittage oder z. B. worüber sich bestimmt viele Leute freuen würden, die vielleicht kein Geld für Fitness-Studios haben, regelmäßige öffentliche Zumba-Veranstaltungen. Das wären Events, die vielen zugute kommen würden. Musikvereine und Künstler könnten sich vorstellen.

Man könnte ganz einfach mal was für die Allgemeinheit tun!!! Aber das wäre wohl zuviel verlangt. Lieber läßt man alles verrotten und verwaisen. Hauptsache man kann die Bevölkerung in ihre Schranken verweisen und so Macht über alle demonstrieren.

Weit haben wir´s gebracht. Wo ist der Bürgermeister, dem die Wünsche und Bedürfnisse der Freiburger am Herzen liegen und uns nicht ununterbrochen seine Macht demonstriert?

Ich bin richtig wütend!!!

Freitag, 30.08.13 15:51
 

Ich war auf vielen spontanen Openairs in Halle und bis jetzt sind alle Partys sehr ruhig verlaufen. Ich hoffe sehr, dass andere deutsche Städte dieses unbürokratische Model übernehmen werden.

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