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Interview mit dem Zeichner Adrian vom Baur über seinen Online-Comic 'Hipster'

Wer hipp sein will, muss leiden. Und gegen Vampire kämpfen. Oder gegen Dinosaurier. Comic-Zeichner Adrian vom Baur über seinen Online-Comic Hipsters, trendige Typen und den verkrampften Kampf gegen den Mainstream.

Adrian vom Baur

fudder: Was ist eigentlich ein Hipster?


Adrian vom Baur: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten - primär, weil sich eigentlich niemand selber als Hipster identifiziert. Ich glaube, für viele ist "Hipster" mittlerweile einfach ein Schimpfwort, das auf alle möglichen Personengruppen angewendet werden kann.

Dein Online-Comic heißt 'Hipsters'. Für alle, die ihn nicht kennen: Magst du kurz erzählen, worum's da geht?


In "Hipsters" geht es um junge, hippe Großstädter, die auf der Jagd nach neuen Trends, obskuren Bands und authentischen Erfahrungen außerhalb des Mainstreams sind. Dabei begegnen sie immer wieder nicht nur ekligen Konformisten, sondern auch echten Monstern – wie Vampiren, Zombies, Robotern und Dinosauriern.

...dann doch keine Vampire

Wie bist du auf diese Idee gekommen?


Es fing damit an, dass ich immer mal wieder, nachdem ich auf Studentenpartys oder in Indie-Clubs war, einige der Szene-Gestalten, die mir dabei so begegnet sind, am nächsten Tag in mein Skizzenbuch gezeichnet habe. In besagtem Skizzenbuch waren auch einige Zeichnungen von Monstern, die ich zu der Zeit ebenfalls besonders gerne gezeichnet hatte. Und als ich die Hipster und die Monster dann so nebeneinander gesehen habe, bekam ich plötzlich Lust, die Figuren zusammen in einer Comicgeschichte zu verwenden.

Wenn 'Hipster' eigentlich ein Schimpfwort ist, das niemand gerne hören möchte: Stehst du deinen Figuren ambivalent gegenüber?


Natürlich mache ich mich einerseits in den Comics über Hipster (oder zumindest Hipster-Klischees) lustig. Andererseits empfinde ich aber auch eine gewisse Sympathie für "Alternative" und Szene-Typen. Schließlich bin ich selber auch schon das eine oder andere Mal als Hipster bezeichnet (oder beschimpft?) worden.

Weißt du noch, warum man dich als Hipster bezeichnet hat?


Häufig passiert das, wenn Leute nur meine Comics kennen und mich dann in Person treffen und - sei es wegen meiner "Nerd-Brille" oder weil ich gerade einen Schal und enge Hosen trage - verwundert feststellen: "Du bist ja selber ein Hipster!" Es kann aber auch mal vorkommen, dass ich von obskuren Indie-Bands erzähle oder irgendwas schon kannte, bevor es "mainstream" wurde.

Wenn ich das jetzt richtig kapiert habe, dann ist man entweder als Hipster unterwegs oder dümpelt im Mainstream herum? Oder gibt's noch Alternativen?


Na ja, wenn jemand zum Beispiel eindeutig als Metaller oder Punk identifizierbar ist, wird wohl keiner diese beiden Kategorien auspacken. Andererseits hat natürlich jede Subkultur wiederum ihren eigenen Mainstream …

Hipsters Falling

Seit wann gibt es denn den Hipsters-Online-Comic?


Ich habe im August 2010 mit dem wöchentlichen Webcomic angefangen. Davor gab es schon zwei Hipsters-Episoden in Printform. Die erste davon, "Hipsters vs. Monsters", erschien im Frühjahr 2009 als selbstverlegtes Miniheft.

Du erzählst bei Hipsters ja in längeren Storylines. Mal kämpfen die Hipster gegen Vampire, mal werden sie zu Zombies. Wie sehen die Arbeitsschritte aus, wenn du einen neuen Plot entwickelst und zeichnest?


Am Anfang steht das Wort hinter dem "vs.". Davon habe ich aber immer eine ganze Reihe auf Lager. Welche Episode als nächstes erscheint, entscheide ich im Normalfall, sobald ich einen interessanten Einstieg gefunden habe. Wenn der Anfang gesetzt ist, versuche ich meistens, mir den gesamten Ablauf der Geschichte in ganz groben Zügen zu überlegen und dann so schnell wie möglich die ersten Comicstrips komplett zu texten.

Wenn ich dann ein paar Strips Vorsprung habe, fange ich mit dem Zeichnen an. Was die Zeichnungen angeht, entsteht tatsächlich meistens eine Folge pro Woche. Bei den Texten versuche ich, mindestens die nächsten zehn Strips fertig zu haben. Auf diese Weise bin ich nicht so stark davon abhängig, dass mir jede Woche etwas Gutes einfällt.

Ist es nicht schwierig, immer wieder eine Pointe zu bringen, die Story weiterzuerzählen - und das in nur drei oder vier Panels?


Auf jeden Fall. Deswegen bin ich nach relativ kurzer Zeit dazu übergegangen, auch immer mal wieder Strips ohne konkrete Pointe zu bringen, die nur die Story vorantreiben. Das ist zwar dann für diejenigen Leser nicht ganz so befriedigend, die jede Woche auf den neuen Comic warten, aber mir ist auch sehr wichtig, dass die Geschichten am Ende am Stück funktionieren.

Zeichnest du eigentlich mit Papier und Bleistift? Oder entsteht alles digital?


Die Farben sind digital, für die Strichzeichnung verwende ich ganz analog Papier und Bleistift - mit gelegentlichen digitalen Korrekturen.

Du warst als Zeichner auch an dem "2013, Fuck Yeah!" Comic-Kalender beteiligt, der ratzfatz ausverkauft war. Neben dir waren noch viele andere Webcomic-Zeichner dabei. Ist das auch eine Subkultur?


Einen einheitlichen Dresscode haben wir auf jeden Fall noch nicht. Aber ansonsten gibt's schon ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl in der deutschen Webcomic-Szene. Einfach auch, weil man weiß, dass das alles Leute sind, die sich mit ebenso viel Herzblut für die gleichen Themen begeistern wie man selbst. Und da so gut wie niemand damit Geld verdient - auch an dem ausverkauften Kalender nicht - ist auch klar, dass das alle aus Idealismus und Leidenschaft machen. Das verbindet.

Wie erklärst du dir den Erfolg des "2013, Fuck Yeah!"-Kalenders?


Eigentlich war das naheliegend: Wir hatten einige der bekanntesten deutschen Webcomic-Zeichner dabei, und die haben eine Fangemeinde, die gar nicht so klein ist. Diese Fans werden zum Teil seit Jahren wöchentlich oder sogar täglich gratis mit tollen Comics versorgt und sind mittlerweile oft gerne bereit, auch mal ein bisschen was zu bezahlen, um dafür endlich eine physische Repräsentation ihrer liebsten Digitalcomics zu kriegen.

Biomechanische Prothese

Wenn es nicht so sehr ums Geldverdienen geht: Wie sah denn die Finanzierung für den Kalender aus?


Soweit ich weiß, hat Schlogger, die Organisatorin, die Druckkosten zunächst alleine vorgestreckt. Wir anderen Zeichner haben ihr dann die Exemplare, die wir selber wollten, zeitnah zu einem reduzierten Preis abgekauft. Da das Ganze - von der Idee bis zum Verkauf der gesamten Auflage - ohnehin nur etwa einen Monat gedauert hat, ist sie nicht lange auf den Kosten sitzen geblieben.

Wie würdest du die deutsche Webcomic-Szene im Moment beschreiben? Was passiert da gerade?


Man kann auf jeden Fall sagen, dass das ein tolles Netzwerk ist, mit vielen wirklich guten jungen und, äh, auch eigentlich noch ziemlich jungen Künstlern, die nicht nur tolle Comics machen, sondern auch immer für interessante Kollaborationen zu haben sind. Und es kommen dauernd neue dazu. Es bleibt spannend.

Wenn du nicht gerade Hipsters zeichnest, was machst du dann?


Auch zeichnen - nur dann meistens für Geld. Ich bin freischaffender Illustrator, hauptsächlich für Videospiele. Ich kann seit fast zwei Jahren komplett vom Zeichnen und Designen leben, worüber ich sehr glücklich bin, auch wenn man dabei natürlich nicht immer das zeichnen kann, worauf man gerade Lust hat. Wenn ich gerade nicht zeichne, mache ich noch Musik, als Sänger und Keyboarder in der Alternative-Rock-Band "Affection Play". Das ist aber dann wirklich ein reines Hobby.

Ist es nicht so, dass viele junge Künstler im Web Comics machen und zugleich als Illustrator arbeiten?


Da gibt es auf jeden Fall einige, ja. Auch in verwandten Berufen: Designer, Werber, Architekten. Viele sind noch ganz jung. Das sind dann eher Studenten, auch oft im Kreativbereich.

Mit dem Kwimbi-Webshop gibt es nun auch schon seit längerer Zeit einen zentralen Ort, um Webcomic-Produkte anbieten und kaufen zu können. Liegt die Zukunft des Comics im Web?


Die Frage kann man sicher für die allermeisten Medien und Kunstformen stellen. Die rasante Verbreitung von portablen Lesegeräten wird sicher dazu beitragen, die Verbreitung von digitalen Comics voranzutreiben. Ich selber lese zumindest Belletristik fast nur noch auf meinem iPhone. Für Comics ist mir da zwar das Display zu klein, aber die größeren Tablets eignen sich hervorragend für Comics. Für einen wesentlichen Aufschwung der Print-Comics sehe ich hingegen keine großen Chancen mehr.

Zum Abschluss nochmal kurz zurück zu den Hipsters. Als Gegner standen ihnen bereits Dinosaurier, Roboter, Vampire und Monster gegenüber. Was kommt als Nächstes?


Das will ich noch nicht verraten. So viel kann ich aber sagen: Es wird wahrscheinlich die bisher ambitionierteste Episode, und ich denke darüber nach, beim Titel diesmal nicht das bisher übliche "Hipsters vs. ..."-Schema zu verwenden.







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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 9
Donnerstag, 27.12.12 17:05
 

hipster vs. nerds

Donnerstag, 27.12.12 17:47
 

dass witzige an hipstern ist doch, dass sie mittlerweile selbst mainstream sind.

EK
Donnerstag, 27.12.12 17:54
 

ich fnde es eher witzig,dass das so ein riesenthema in den letzten 5 jahren war/ist. es gab doch schon immer leute die trends gesetzt haben, die dann mainstream wurden. dann kam der nächste trend uswuswusw.

Donnerstag, 27.12.12 21:54
 

sind trendsetter nicht immer ein riesenthema gewesen?

EK
Donnerstag, 27.12.12 23:30
 

durchaus.aber seit es die bezeichnung "hipster" gibt sind sie eher ein feindbild geworden und stehen für diesen uniformellen nerdbrillenskinnyjeanskarohemdenlook.mir unerklärlich.

Freitag, 28.12.12 01:37
 

alles ne sache der sichtweise:

http://tinyurl.com/bp46uda


ass+c hat den Kommentar am 28.12.2012 um 01:41 bearbeitet
Freitag, 28.12.12 09:28
 

Dieser Zeichner nimmt die Zielgruppe von fudder aufs Korn. Das ist schön und lässt hoffen - ist das nun Absicht oder nur Zufall? Wird Party endlich langweilig?

;-)


Tachy hat den Kommentar am 28.12.2012 um 09:29 bearbeitet
Freitag, 28.12.12 10:22
 

@Tachy:

Sind fudder-Leser "Hipster" ?

Freitag, 28.12.12 10:56
 

ob hippster oder trendsetter ist doch wurscht, ohne die masse die dem trend hinterherrennt gäbe es sie nämlich gar nicht.

so gesehen waren jesus, oder buddha auch mal ein hippster, wobei der jesusbart ja gerade wieder voll retro ist.

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