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Nightlife-Guru: Marcel Dettmann im Stinnes Areal

"Denkste, da geht was?", fragte sich der Nightlife-Guru am Freitag im Stinnes Areal und machte sich auf die Suche nach den Klos. Was ihm dort widerfuhr, was Marcel Dettmann aufs Mischpult gelegt bekommen hat, was er von der Bedienung hält, und vieles mehr, erfahrt ihr in seinem Nachbericht.


Die Jungs an der Tür

"Hey! Wo bisch, Mann? Bisch drin? Mann, Alda, bisch draußen?" Bereits am Eingang zum Stinnes Areal stellen sich den Wartenden grundlegende Fragen des Party-Daseins. Gehört der Freund dazu? Ist er bereits Teil dieser Nacht oder wurde er abgewiesen und nach Hause geschickt? Ganz auf die Spitze getrieben wird der Party-Existenzialismus allerdings noch nicht. Ist ja noch früh am Abend. Zu später Stunde jedoch ... Aber lassen wir das an dieser Stelle. Erstmal Dettmann gucken.


Inneneinrichtung und Deko

Dem Alten Stinnes Areal haftet ein kruder Charme an, der zwischen Teenie-Discothek, Schuppen für Porno-Drehs oder illegalen Hundekämpfen oszilliert. Außen schimmern neonfarbene Lichter, auf der Treppe zum Big7-Club, einer weiteren Freiburger Industriekiez-Institution, lungern halbseidene Gestalten, den schlauchartigen Weg ins Innere erhellen Leuchtstoffröhren.



Drinnen dann die sich vermischenden Geruchsspuren von "Glow After Dark by Jennifer Lopez", Wodka Bull und tanzwarmen Körpern sowie Abriss pur, was die Einrichtung betrifft. Schaurig-schön, aber es lässt auf ein moralisch-gutes Inneres schließen, und das lautet: Techno. Den ganzen Lounge-Kram mit fluffigen Sofakissen und Häkeldeckchen auf dem Armlehnen braucht kein Mensch!


Wer war da?

Techno ist schon lange kein Jugendphänomen mehr. War es vielleicht noch nie. Aber das nur so als Anregung zum Weiterdenken. Jedenfalls ist die Crowd alters- und geschlechtermäßig gut durchmischt. Manche haben Knicklichter dabei, wieder andere tragen ein UV-Tattoo, aber Jungs und Mädels mit dem unsinnigen Feier-Chi-Chi - Schirmchen, Hütchen, Herzle-Haarreifen, Feenstäbe -, sucht man hier vergeblich.

Ach, vielleicht noch etwas: Das Stinnes atmet einen Hauch von Spielplatz-Atmosphäre. Unter Aufsicht mehrerer älterer Damen und Herren, die bei Bier und Zigarette an den Wänden lehnen, können die Techno-Kids die Beweglichkeit ihres Körpers auf dem Dancefloor testen und vielleicht noch einen Partner, eine Partnerin für Paarungsspiele abgreifen.


Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

Eines muss man den Veranstaltern lassen: Die Anlage hat Druck und selbst zur Peaktime noch ordenlich Spielraum nach oben. So etwas genießt in Freiburg und Umgebung Seltenheitswert. Dafür gibt's so viele Pluspunkte, dass alles andere drumherum fast schon nebensächlich wird. Auch der junge DJ, der vor Marcel Dettmann auflegt, bewegt die Anlage nicht in den roten Bereich.



Wer auch immer das war: Sein straighter, schnörkelloser Techno macht Laune, Körper und Geist im Groove zu verlieren. Das Publikum kommt damit allerdings nicht ganz so gut zurecht. Wie denn auch, ist es doch sonst gewohnt, dass DJ Hölzchen und Stöckchen die Effektknöpfe vergewaltigt und durch rüdes Bass-raus-Bass-rein-Spiel im Minutentakt die Stimmung erzwingt.

Wie geschrieben: Der junge Kerl macht seine Sache gut, Dettmann kann an seinen Sound nahtlos anknüpfen und die Nacht zum Höhepunkt vorantreiben. Doch davor bekommt er aus der Vielzahl der Tanzenden heraus ein Zettelchen aufs Mischpult gelegt. Was stand da drauf? "Marcel, ich liebe Dich!", "Marcel, let me be the one!" oder war's doch nur ein schnöder Titelwunsch? Der Berliner Disc Jockey schnippt ein, zwei Mal mit seinen Fingern dagegen und wendet sich wieder dem Mischpult und den Plattenkoffern zu. Vinyl only. Gab's im Stinnes sicher auch schon lange nicht mehr.


An der Bar ...

... steht an diesem Abend mit Sicherheit das mit Abstand unmotivierteste und unfreundlichste Team der ganzen Stadt. Kurz vor ein Uhr ist noch nicht allzu viel los, aber wie lange warte ich auf ein Bier? Zehn, fünfzehn Minuten? Und was mich ganz besonders nervt: Wenn sich die Barmädels alle halbe Minute umarmen, streicheln, liebhaben müssen. Schicksen!


Auf dem Klo um halb drei

Denkste, da geht was, frage ich mich, und mache mich auf die Suche nach den Klos. Diese befinden sich unmittelbar neben dem Haupteingang. Was ich suche? Das wilde, ungezügelte Abenteuer. Das, was mein Vorschreiber auf einer Afterhour im KGB Klub erleben durfte. Wenigstens eine feuchte Zunge in der Ohrmuschel. Aber ich verrichte mein Geschäft. Alleine.


Aufregerle

Die Barmädels. Unglaublich, so etwas!

Aufheiterle

Den Nightlife-Guru kann nichts mehr erheitern. Lol.


Fazit

Ein weiteres Mal holen die Sinnestäuscher und ihr Stützpartner Nitebeat Events einen Elektronikmusiker der Extraklasse nach Freiburg, mit Dettmann vielleicht sogar ihr stärkstes Booking in diesem Jahr. Leider, wie schon so oft, wird das in dieser Stadt nicht mit ausverkauftem Haus goutiert. Soll sich aber niemand, der nicht da war, irgendwann einmal beschweren, wenn Veranstalter ausschließlich auf 'altbekannt und bewährt' setzen, wenn nur noch halbwüchsige Jungen in Matrosentracht die Clubs bevölkern.


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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 5
Montag, 17.09.12 17:25
 

Großartig. Für seinen Abschlusskommentar bekommt der Guru von mir allerhöchste Verehrung, Chapeau, Hugs & Kisses ausgesprochen. Danke.

Montag, 17.09.12 18:46
 

Das wohl stärkste booking des jahres wird wohl am 2. Oktober sein werter guru. such da nochmal den alten baumarkt auf und berichte wieder, ich würd mich freuen :)

Montag, 17.09.12 18:57
 

was ist am 2. oktober?

Montag, 17.09.12 19:04
 

Kollektiv Turmstrasse. Auf jeden Fall hörenswert, aber von der Hochkarätigkeit eines Dettmann doch noch etwas entfernt. Zumindest kein Matrosen-House.

Montag, 17.09.12 19:54
 

vielen dank. [hätte ich nie mit dettmann in direkten vergleich gesetzt. ist aber sicher sehr hörenswert, das kollektiv turmstrasse!]

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