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Klaus Polkowski, Festivalfotograf

Klaus Polkowski, 47, ist seit 1999 Haus- und Hoffotograf des Zelt-Musik-Festivals auf dem Mundenhof. Er dokumentiert nicht nur das Geschehen auf der Bühne, sondern bekommt die Stars des ZMF auch Backstage vor seine Hasseblad. Wie viel Zeit er hatte, um James Brown zu fotografieren, wie der gelernte Krankenpfleger Fotograf wurde, und welche Rolle Mutter Teresa dabei gespielt hat, verriet er fudder-Autor Alex im Interview.

 

Klaus, wie war das Wetter 1999 bei deinem ersten ZMF?

  Das Wetter? Das weiß ich nicht mehr. Es war ganz, ganz oft glühend heiß beim Aufbau, wie in der Wüste. Und dann, pünktlich zur Eröffnung, kam der Platschregen.

Wie kamst du zum ZMF?


Zum ZMF bin ich über den Kunstmarkt in der Oberen Altstadt gekommen, dort verkaufe ich immer Anfang September meine Bilder, Polyethylen-Abzüge für einen fairen Preis. Da hat mich jemand vom Pianohaus Lepthien gefragt, ob ich beim 50. Geburtstag von Heiner Sanwald, dem Chef des Hauses, fotografieren wollte. Das habe ich dann gemacht.

Unter anderem war auf einem Bild der Alex Heisler zu sehen, der das ZMF gegründet hat. Den habe ich dann gefragt, ob ich mal den Aufbau fotografieren darf. ‚Ja, kommsch‘ vorbei, machsch‘ paar Bilder von den Bauarbeitern. Kann man immer gebrauchen‘, hat er gemeint.

Ich hab geschafft wie ein Brunnenputzer und ihm 20 Abzüge überreicht. Dann, unmittelbar vor Festivalbeginn, hat er mich gefragt: ‚Was machst du die nächsten drei Wochen?‘ Da war ich engagiert.

Wie viele Bilder hast du fürs und vom ZMF bislang gemacht?


Das ZMF geht immer so 18 Tage, sagen wir 20, das ist einfacher zu rechnen. Ich drücke jeden Tag 500 bis 800 Mal ab, seitdem ich digital arbeite. Das ist seit fünf, sechs Jahren der Fall. Ich würde mal sagen: Zwischen 10.000 und 14.000 Bilder mache ich pro ZMF. Vorher habe ich circa fünf Filme am Tag verknipst, macht 100 Filme pro Festival.

Die analoge Kamera habe ich immer im Backstagebereich abgeschlossen im Schrank liegen. Erst mache ich mit der Digitalen ein paar Snaps, dann hole ich die Hasselblad.

Wie viele Künstler, Bands und Artisten hast du wohl insgesamt fürs ZMF aufgenommen?

Ganz einfach: vielleicht vier Bands pro Festivaltag: eine im Zirkuszelt, eine im Spiegelzelt und zwei auf der Actionbühne – oder eine dort und eine Vorband. Das macht: 4 x 18, das sind 72, sagen wir der Einfachheit halber 75, jetzt Mal vierzehn...

...dann hättest du nach diesem Festival die Tausender-Marke geknackt. Nicht schlecht.


Ja, stimmt.

Wie bist du überhaupt zum Fotografieren gekommen?


Geld verdienen mit Fotografieren tu' ich seit 20 Jahren. Die letzten fünf, sechs, sieben Jahre ist es wie ein Turbo losgegangen, etwa seit ich 40 bin. Davor fotografierte ich Kindergeburtstage und Hochzeiten. Und davor, in den 90er Jahren, fotografierte ich vor allem im Ausland und verkaufte meine Fotos auf Handwerksmärkten.

Als ich 12 war, schenkte mir mein Vater eine Konica T4-Autoreflex. Damit ging’s los. Als Kind habe ich hunderte Dias gemacht, und schon Vorträge bei uns im Dorf gehalten, zum Beispiel in der Schule oder im Gemeindehaus. Ich komme aus Öflingen bei Bad Säckingen. 1986 bis 92 war ich in Berlin und habe eine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht.

Eine spannende Zeit zum Fotografieren...


Du wirst es nicht glauben: von meinem 18. Lebensjahr bis zum Ende meiner Berlin-Zeit habe ich die Kamera aus der Hand gelegt. Ich stand am 9. November 1989 auf der Berliner Mauer... Danach, in den 90er Jahren, habe ich 100 bis 200 Filme pro Jahr verknipst. Damals wurde auch ganz anders fotografiert. Da hatte keiner eine Kamera dabei, nur die Profis. Heute jeder. Dabei bin ich gar nicht unglücklich über die digitale Bilderflut. Man ist zwar abgestumpfter wegen der vielen Bilder, aber richtig gute Bilder führen beim Betrachter halt zu einem ‚Aha! Oho!‘

Weil ich Krankenpfleger geworden bin, bin ich letztendlich Fotograf geworden. Und zwar weil ich mit Ende 20 ein halbes Jahr Volontär im Mutter-Teresa-Krankenhaus in Kalkutta war. Morgens wurde ich immer von einem Rikschafahrer am Hotel abgeholt und abends ging ich immer ins Star Café, wo die Traveller-Szene rumhing.

Eines Tages kommt ein Typ rein, groß gewachsen, circa 20 Jahre älter als ich, und legt diese Riesenkanone von Hasselblad auf den Tisch. Da kamen wir ins Gespräch. Er war da, um Mutter Teresa, die Ordensschwestern und das Mutterhaus, also das Verwaltungshaus, zu fotografieren. Davon hat er mir dann erzählt. Irgendwann fragt er mich: ‚Und was machst du so?‘ – ‚Ich arbeite in diesem berühmten Sterbekrankenhaus von ihr in Kalighat.‘ Er wurde hellhörig. Denn genau diese Genehmigung, dort Fotos zu machen, hatte er nicht. ‚Machst du auch Fotos?‘ Da habe ich ihm meine Nikon F3 gezeigt. Er hat geschmunzelt. Kurzum: Ich habe für ihn, den Fotojournalisten, in dem Krankenhaus fotografiert, unter dem Vorwand, es wäre für mich, zum Abschied. Zehn Filmrollen habe ich ihm in die Hand gedrückt. Gary hieß er.

Irgendwann kam eine Einladung aus England, zu einer Vernissage. Ich wusste nur, dass dieser Gary diese eine Buchveröffentlichung vorhat. Auf einmal steht da ein stattlicher Herr vor mir, total schick. Gary Woods. Erst da habe ich erfahren, dass er damals der angesagteste Fotograf in England war! Er hat mir gezeigt, wie man Silbergelatine-Abzüge macht, auf Barytpapier. Ich kam nach Hause, hab gespart wie wild und mir für 6.000 Mark meine erste Hasselblad gekauft. Und nach und nach die Objektive dazu und alles, was man so braucht.  

War das dann – vor etwa 15 Jahren, also mit 32 – deine Initialzündung?


Genau. Und hinzu kam noch der Werbefotograf Hartmut Erhart, früher in Emmendingen, heute in Mainz zuhause. Bei ihm habe ich Schwarz-Weiß-Vergrößerung gelernt. Die 90er waren meine Fotolehrjahre.

Wie hat sich deine Arbeit beim ZMF entwickelt?


Nachdem ich engagiert war und viele Konzerte fotografiert hatte, hatte ich Interesse daran, im Backstage-Bereich Fotos zu machen. Aber das ist immer total heikel. Das musst du mit allen Beteiligten vorab abklären, dem Manager und so weiter. Irgendwann habe ich die Erlaubnis bekommen, das mal zu machen. Testweise. Naja, und seitdem ist es so, dass ich die Künstler backstage fotografieren darf.

Wie viel Zeit hast du für so eine Backstage-Fotosession?


Für den einen habe ich dann die absurde Vorgabe, nur 30 Sekunden Zeit zu haben für eine Fotosession. Mit anderen sitze ich eine halbe Stunde oder Stunde zusammen und quastsche. Die 30 Sekunden, das war bei James Brown damals. Dem Manager habe ich gesagt, dass ich mindestens 60 Sekunden für ein gutes Bild brauche. Das beste Bild von ihm habe ich allerdings geschossen, als er neben einer blonden Frau in einer Limousine saß.

Wer war oder ist dein liebstes Fotoobjekt?


Viel Spaß gemacht hat es mit Ben Becker, Klaus Maria Brandauer, Al Jarreau und Nina Hagen. Von der habe ich sogar die private Handynummer. Eines meiner Lieblingsbilder vom ZMF ist das von Thomas D. mit dem Hund.

Welche Technik bevorzugst du zum Fotografieren?


Ich mache beim ZMF etwa fifty-fifty Schwarz-Weiß und Farbe. Alles, was ich analog fotografiere, ist schwarz-weiß. Ich habe zwei Hasselblad-Kameras: eine 503CW und eine 503CX. Wenn du einmal mit der Hassi fotografiert hast, schmiert jedes Kleinbild dagegen ab.

Da guckt man von oben rein.


Ja, aber ich habe ein Prisma, und damit läuft alles ganz normal und geht vor allem schneller. Außerdem habe ich mehrere Optiken, Magazine, Rollfilme und meine Digitale samt Zubehör. Dieses Jahr bin ich zum ersten Mal ‚dual‘ verreist mit analoger und digitaler Kamera. Mein Kamera-Rucksack war 15 bis 20 Kilo schwer.

Und wie aufwändig ist die Nachbearbeitung?


Ich bin absoluter Datenvernichter: Bei einem 4- oder 5-Stunden-Event mache ich 1.200 bis 1.400 Bilder. Davon hebe ich etwa 400 Bilder auf, und der Kunde bekommt dann von diesen Bildern 200 bis 250 Stück. Die restlichen 150 bis 200 sind meine B-Bilder. Faustregel: Wenn ich vier Stunden fotografiere, brauche ich exakt die doppelte Zeit am Rechner. Wenn ich allerdings eine kleine Gruppe vor der Linse habe, drücke ich vier oder fünf Mal ab – und ein Bild sitzt dann.

Du hast auch schon ein paar Ausstellungen gehabt...


Ja, unter anderem in Freiburg, Frankfurt, Wiesbaden, New York, Neu Delhi, St. Moritz, Berlin... Meine erste Riesen-Ausstellung habe ich in Berlin gehabt, für die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), heute GIZ. Das war am 11. September 2001. 500 Gäste waren geladen, das Kulturmagazin „aspekte“ vom ZDF hatte sich angemeldet. Doch kaum einer kam, vielleicht 150 Leute.

Dieser Tag hat mich wahrscheinlich ein Stück weit meine Karriere gekostet. Aber seit fünf, sechs Jahren flattern mir die Sahne-Aufträge entgegen: Ich bin Haus-und-Hof-Fotograf für Fürstenberg und das Fraunhofer-Institut und habe auch den Papstbesuch sechs Wochen lang fotografisch dokumentiert.



 
Zur Person

Klaus Polkowski wurde 1965 in Bad Säckingen geboren. Seit 1992 lebt und arbeitet der gelernte Krankenpfleger als freier Fotograf in Freiburg, Schwerpunkt Portrait- und Reisefotografie. Seit 1999 begleitet er das Zelt-Musik-Festival in Freiburg als Festivalfotograf. Er ist Vater zweier Kinder.

Seit 1993, arbeitet Polkowski auch als Krankenpfleger in der Tumorbiologie Freiburg. Dort hat er eine 25%-Stelle, als Gegenpol zur "Seifenblasenwelt“: „Ich bekomme mehr von den Patienten, als ich geben muss.“

Und er hat noch einen anderen Gegenpol: das Reisen. Seit 1987 bereiste er Asien, Afrika, Australien, die USA, die Südsee und Teile Südamerikas. Zwei Mal im Jahr ist er unterwegs, vier bis sechs Wochen im Frühjahr, nochmal drei Wochen im Herbst. Meist zieht es ihn dann nach Asien, Afrika oder auch Südamerika, in Gegenden abseits der Touristenpfade. 2011 Jahr war er beim Stamm der Hazabe im Westen Tansanias, kürzlich bereiste er Ost-Nepal.








Foto-Galerie: Klaus Polkowski

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 6
bak
Samstag, 07.07.12 12:24
 

wow, großartige Bilder - allesamt.Nina Hagen, Maceo Parker, Thomas D. und Bild 20 - gefallen mir herausragend gut. Allein die digitalen Farbbilder könnte auch jeder beliebige ZMF-Tourist mit ner guten Kamera gemacht haben..
Aber nicht umsonst wird man ZMF Fotograf wie man hier an dieser Auswahl sieht. Gefällt mir echt sehr gut.

Samstag, 07.07.12 12:30
 

Hasselblad, Junge!

Samstag, 07.07.12 12:58
 

Super Fotos

Samstag, 07.07.12 16:08
 

Wow! Ein herausragender Fotograf mit einer tollen Kamera. Danke für diesen sehr interessanten und gut zu lesenden Artikel!

Samstag, 07.07.12 16:12
 

ein paar der reisefotos hab ich schon gesehn, als sie da im "bermudadreieck" ausgestellt waren (oder sind sie's gar noch?)...aber immer wieder schön sie wieder zu sehen, und hab mich auch sehr über die bilder gefreut, die ich noch nciht kannte!

Sonntag, 08.07.12 10:34
 

Ein interessanter Mensch und seine großartigen Berufungen werden in einem symphatisch angenehmen Artikel vorgestellt. Lebensechte Fotos, die sich einprägen.

Vielen Dank.

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