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5 Antworten von Galerist Hans Mayer: Wie kommen eigentlich Preise für Kunst zustande?

4,3 Millionen Euro für "Rhein II" von Andreas Gursky. 120 Millionen Dollar für Munchs "Der Schrei". Manche Kunst ist verdammt viel Geld wert. Diese Höchstpreise für Ausnahmekunst haben wenig mit den Preisen im Rest der Kunstwelt zu tun. Aber wie entstehen Preise für Kunst? Wir haben uns die Sache mit dem Geld von Hans Mayer von der Galerie Hans Mayer in Düsseldorf erklären lassen.

Herr Mayer, inwieweit folgt der Kunstmarkt dem Marktgesetz?


Hans Mayer: Das Marktgesetz spielt sicher eine ganz große Rolle. Bei großer Nachfrage steigen die Preise, aber die Künstler sind inzwischen doch ziemlich vernünftig und sagen, wir machen die Preissteigerung peu á peu.

Es gibt aber eine neue Generation von Künstlern, die sind zwischen 25 und 30 und vielleicht noch an der Akademie. Die verlangen schon als Studenten in den Akademien verhältnismäßig hohe Preise. Bei den ersten Rundgängen an der Akademie in Düsseldorf konnte man noch Arbeiten für 200, 300, 500 Mark kaufen. Das hat sich im Laufe der Jahre unglaublich gesteigert, so dass jetzt, wenn etwas in Akademien verkauft wird, unter 5000, 10000 Euro beinahe gar nichts mehr läuft.

Einmal ist das Leben natürlich teurer geworden, aber die jungen Künstler möchten auch davon profitieren, dass Kunst jetzt mehr Geld kostet als jemals zuvor. Das liegt auch daran, dass das Interesse der neuen Generationen an Kunst ist viel größer ist als jemals zuvor. Die Künstler, denen es gelingt, dass das Bild eine Aura und eine Qualität hat, werden doch innerhalb kurzer Zeit sehr teuer.

Legen Sie den Preis eines Bildes nach Größe fest?


Wie soll man es anders machen? Sollen die Preise danach festgelegt werden, wie viel Rotanteile, wie viel Weißanteile es hat? Es ist nur über die Größe machbar. Wenn allerdings etablierten Künstlern mal ein kleineres Bild richtig gut gelingt, wo sie total begeistert sind oder was sie nicht verkaufen wollen, dann wird das auch sofort über den Preis reguliert. So ein Bild macht der Künstler vielleicht wesentlich teurer als ein größeres Bild. Das hat es immer gegeben.

Meistens legt sowieso der Künstler den Preis fest, nicht der Galerist. Aber als Galerist hat man natürlich einen Einfluss und vergleicht mit anderen Künstlern, die man in der Galerie hat, oder mit denen in einer anderen Galerie. Da gibt es schon immer einen Austausch.

Es gibt ja Unterschiede zu anderen Gütern: keine Sonderangebote, keine 0,99-Preise, und die Preise stehen meistens auch nicht direkt dran…


Wir sind ja auch kein Supermarkt. Und innerhalb der Galerien müssen die Preise eigentlich dranstehen. Aber wenn Sie alles auszeichnen, dann kommen Sie ja gar nicht mehr mit den Leuten ins Gespräch. Und Sie möchten ja mit dem Interessenten ins Gespräch kommen. Das geht über den Preis, indem er zu Ihnen kommt und sagt, 'Das ist ein schönes Bild, das würde mich interessieren. Wie teuer ist es?' Und wenn es in dieser Preiskategorie losgeht, versucht man auch zu handeln, das ist doch ganz klar.

Welche Rolle spielt der Bekanntheitsgrad des Künstlers?


Der spielt eine ganz große Rolle. Man kann ja die Künstler aufteilen: Es gibt die regionalen Künstler, die teilweise auch sehr teuer sein können, es gibt die nationalen Künstler, es gibt die internationalen Künstler. Dass ein internationaler Künstler natürlich eine ganz andere Bekanntheitsnummer hat als ein regionaler oder nationaler, ist klar. Uecker war jahrelang ein nationaler oder europaweiter Künstler. Plötzlich werden seine Bilder weltweit gesucht und gehandelt. Das ist der Sprung.

Der gelingt nicht vielen, aber Uecker ist er ganz fantastisch gelungen. Basel oder Paris oder Miami zum Beispiel sind sehr wichtig für die Künstler und auch für die Galerie. Über Basel ist auch meine Galerie weltbekannt geworden, und das spielt eine große Rolle für den Künstler und für den Galeristen.

Spielt das Internet eine große Rolle?


Ja. Wenn Sie heute einen Künstler anbieten, dann geht der Interessent nach Hause und guckt erst mal im Internet: Wie ist der Lebenslauf, was hat der Künstler sonst noch gemacht, wer zeigt ihn? Das Internet spielt eine große Rolle, allerdings nicht unbedingt bezogen auf den Preis.

Vor vier, fünf Jahren ist viel übers Internet gekauft worden, durch all die neuen, jungen Käufer. Inzwischen haben sie aber festgestellt, dass das Kunstwerk eine Aura hat und man es live sehen muss und nicht als Flachbild auf dem Computer. Und deshalb kommen jetzt so viele Leute zu den Märkten wie der Art Basel, das hat stark zugenommen.









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