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Meine Meinung: Warum Party-Nationalismus total eklig ist

Schwarz. Rot. Gold. Ab Samstag kommt wohl kaum einer mehr an diesen Farben vorbei. Denn ab dann spielt die deutsche Fußballnationalmannschaft um die Europameisterschaft. fudder-Autorin Heng geht das auf die Nerven. Sie findet Party-Nationalismus total eklig.



Die EM ist momentan in aller Munde, die Verabredungen zum Public Viewing laufen bereits und die Vorfreude des Fußballfandoms wächst ins Unermessliche. Selbst, wenn ich diesen Sport nicht leiden kann, muss ich sagen: Jeder solle das tun, was er liebt. Die einen sehen gern Musikern beim Rumturnen auf der Bühne zu, die anderen haben Spaß daran, 20 Männern einem Ball hinterherrennen zu sehen.


Wofür ich aber überhaupt kein Verständnis habe, ist der immens steigende Nationalstolz. Der brave Deutsche fährt sein Fähnchen hoch, die Schminke liegt einsatzbereit und in den Geschäften wird so ziemlich alles in schwarz-rot-gold angeboten. Wer kein Fußball guckt, wird entweder mitgeschleppt oder ausgeschlossen. Wer allerdings gegen Deutschland ist, wird gedisst.

„Man darf ja auch mal ein bisschen stolz auf sein Land sein“, wütet man empört. „In anderen Ländern ist das doch auch so!“ Wen will man mit solchen Floskeln überzeugen?
Erstens ist es nicht wichtig, was andere Länder so treiben: Man muss nicht bei jedem Scheiß mitmachen. Zweitens ist Patriotismus im Allgemeinen und Party-Nationalismus im Speziellen total eklig.

Das Wir-Gefühl

Was viele an Fußballmeisterschaften so super finden, ist das Wir-Gefühl. Endlich sind mal alle gut gelaunt, helfen einander, das friedliche Miteinander wird gestärkt, die sonst so kühlen Deutschen wärmen auf – so erzählt man.

In Wirklichkeit wird ein Pseudo-Gruppengefühl erzeugt, eine Euphorie, die so stark verblendet und verdummt, dass die Leute nicht mehr richtig denken können. Gemischt mit dem üblichen Alkoholkonsum und dem entstehenden Übermut wird die Macht der Masse stark unterschätzt. Es heißt zum Beispiel „Wer nicht springt, der ist kein Deutscher“, und plötzlich tobt die Menge. Allerdings kann man diesen Pluralismus auch in eine aggressive, sehr gefährliche Richtung lenken.

Mir kann keiner erzählen, dass die ausländerfeindlichen Tendenzen innerhalb dieser Zeit nicht steigen, erinnern wir uns allein an die Zwischenfälle während des Spiels Türkei gegen Deutschland bei der letzten Europameisterschaft. Es wurde gepöbelt und geprügelt bis zum Gehtnichtmehr.

Jetzt mal ehrlich: Welchen Grund gibt es, stolz auf sein Land – oder auf gerade dieses – zu sein? Die Geschichte kann es ja schon mal nicht sein, die Politik fällt eher mager aus, von einer kollegialen und von Zivilcourage geprägten Öffentlichkeit kann man nicht wirklich sprechen und trainiert habt ihr die Nationalmannschaft auch nicht persönlich. Warum seid ihr denn so stolz auf euch und „eure Jungs“?

Raven gegen Deutschland

Was für mich dann die Spitze des Eisberges ist, sind jene sogenannten Fußballfans, die noch vor zwei Monaten auf Konzerten von Egotronic oder Frittenbude – zwei Bands, deren politischer Gehalt gerne von ignoranten Jugendlichen übergrölt wird, weil sie denken, es sei reine Partymusik – gegen Deutschland geraved haben.

Ohne Gewissen, nur den Spaß und die Richtung des Stroms vor Augen, geht es den Leuten nur darum, keine Sauf-Möglichkeit zu verpassen, in allem ganz vorne mit dabei zu sein und einen auf hart zu machen, auch wenn Widersprüche entstehen.

Gleichzeitig Frittenbude und CDU auf Facebook zu liken, vom Egotronic-Konzert zum Public Viewing für Deutschland zu stolpern, so tun, als lebe man für den Staat und gleichzeitig für Audiolith-Musik (Anmerkung: ich möchte das Label nicht auf diese beiden Bands reduzieren, aber leider sind es fast die einzigen, die diese Partyfans kennen) – das alles geht nicht. Es ist heuchlerisch, es ist inkonsequent, es zeigt fast schon: „Hey Leute, ratet mal wer keine Ideale hat?“ (Nein, ich übertreibe nicht, ihr müsst euch mal anschauen, mit was für einer Überzeugung diese beiden Gegensätze verfolgt werden.)

Um noch ein letztes Wort zur Geschichte zu schreiben: Alle beschweren sich darüber, dass man so langsam mal vom Nationalsozialismus absehen könnte und nicht wegen jedem Kleinkram den Zeigefinger hebt. Doch solange es noch Überfälle von Neo-Nazis gibt, so lange Piraten von „dem Juden an sich“ twittern, sprich so lange das faschistische Gedankengut nicht ein für alle mal aus den Köpfen gewaschen wurde, darf man ruhig kritisch gegenüber dem Patriotismus stehen. Und anstatt das Geld für Fanartikel aus dem Fenster zu werfen, kann man sein Umfeld und sich selbst über die lokale Fascho-Szene informieren. Dazu gibt es zwar nicht das passende Dosenbier, doch haben wenigstens alle etwas davon.



Zur Person

Hengame Yaghoobifarah, 20, ist eigentlich ein Nordlicht und kam im Oktober 2011 zum Studieren nach Freiburg. Nebenbei schreibt sie als freie Autorin für fudder.de sowie SPIESSER und bloggt. Sie geht gerne anderen Leuten mit ihren Anti-alles-für-immer-Texten auf die Nerven und wartet teetrinkend auf die Reaktionen der angepissten Leute. Damit lädt sie ihre negativen Gedanken ab und kann sich so auf mehr die Liebe in der realen Welt konzertieren - zum Beispiel, indem sie selbstgebackene Muffins verschenkt und Herzen zum Abreißen aufhängt.

EM-Orakel: Wollsau Emma tippt Deutschland - Dänemark




"Meine Meinung"

Mit "Meine Meinung" will fudder Menschen eine Plattform bieten, um ihre Meinung zu einem Thema, das in Freiburg debattiert wird, dazulegen. Es handelt sich bei dem Beitrag um die Meinung des jeweiligen Autors, nicht um die der Redaktion.

Mehr dazu


[Bild: © drubig-photo - Fotolia.com]




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 101
Mittwoch, 06.06.12 16:24
 

http://tinyurl.com/flufa

Don't Feed The Troll!


Strandkorb hat den Kommentar am 06.06.2012 um 16:25 bearbeitet
Mittwoch, 06.06.12 16:30
 

Guter Kommentar! Danke.

Mittwoch, 06.06.12 16:37
 

Auch noch nicht gewusst:

Anja & Tanja

Definition

Anja & Tanja (A&T) sind Mädchen oder junge Frauen, die sich bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft oder generell bei Fußballspielen mit Eventcharakter einfinden.

http://tinyurl.com/c8k7vs4


supermanuel hat den Kommentar am 06.06.2012 um 16:37 bearbeitet
Mittwoch, 06.06.12 16:52
 

"Welchen Grund gibt es, stolz auf sein Land – oder auf gerade dieses – zu sein"

Würdest Du diese Frage an Türken, Holländer, Engländer, Portugiesen, Schweden usw. stellen, würdest Du von jedem einzelnen genügend Gründe genannt bekommen, warum sie stolz auf ihr Land sind.

Daher wüsste ich nicht, warum die Deutschen nicht stolz auf ihr Land sein dürfen.
Keine Frage, die Vergangenheit sollte und darf man nie vergessen, aber dennoch finde ich es müssig, dieses Thema dauernd wieder auszugraben.

Es gab (und gibt) schließlich nicht nur Nazideutschland.

Sollen die Leute doch feiern und Spaß haben. Und wenn sie dabei Fähnchen schwingen und Dosenbier in Massen saufen - who the fuck cares ?

In nicht mal 4 Wochen ist alles wieder zu Ende.

Moralapostel stinken mir gewaltig...

Mittwoch, 06.06.12 16:54
 

Also das Konzept, welches hinter der Kategorie "Meine Meinung steckt" finde ich an und für sich ziemlich gut, allerdings sollte man - so man die eigene Meinung zur Diskussion stellt - doch mehr darauf achten, dass man sich nicht selber widerspricht möchte ich meinen.

Nur ein Beispiel:
Im Absatz 6, sogar durch Fettdruck hervorgehoben (als wäre es nicht schon genug solche pauschal zu unterstellen), weist du auf ausländerfeindliche Tendenzen hin und schreibst dann im direkt folgenden Abschnitt fast polemisch über die Politik, die Geschichte sowie über die Zivilcourage "gerade dieses Landes" - das ist doch völlig daneben und untergräbt jegliche Glaubwürdigkeit?
Denn: Setzen wir doch mal "ausländerfeindliche Tendenzen" gleich mit der Ablehnung anderer Kulturen - dann kann man bei Dir, indem du "dieses Land" herunterschreibst, genau die gleichen ausländerfeindlichen Tendenzen feststellen wie du sie vielen/einigen/den Fußballbegeisterten (übrigens viel zu verallgemeinernd) unterstellst.

Ich habe leider nicht viel Zeit gerade um auf alles einzugehen was ich an deinem Artikel bedenklich finde, deswegen hier mal ein paar Vorschläge, über die Du Dir Gedanken machen solltest:

1. Fünfter Abschnitt: "Pseudo-Gruppengefühl", was willst du damit sagen? Das impliziert doch, dass es auch "Echte Gruppengefühle" gibt? Damit liegst du falsch. Gefühle sind nie und (gleichzeitig) immer Real! Sie sind nie greifbar oder materiell, sie sind immer Pseudo und genau deswegen gibt es keine Pseudo-Gefühle. Das ist keine Ying und Yang-Geschichte hier. Damit bröckelt deine Argumentationgrundlage.

2. Letzter Abschnitt: Patriotismus und Nationalsozialismus sind zwei unterschiedliche Dinge (deswegen sinds auch unterschiedliche Begriffe, und da - einen Schritt weitergedacht - Begriffe bekanntermaßen Entscheidungen in der Sache selbst sind, ist es völlig falsch diese hier zu vermischen.) Du unterscheidest zwar einmal zwischen Patriotismus im Allgemeinen und Party-Nationalismus im Speziellen, solltest hier aber nicht pars pro toto denken. Das sind zwei wirklich unterschiedliche, nicht zwingend zusammengehörende Erscheinungen.

3. Was ich mit am wichtigsten finde: Die Entwicklung deines Textes ist völlig daneben. Du fängst an mit "Jeder soll tun was er liebt" und dem steigenden Nationalstolz bei Fußballspielen...und endest mit dem Aufruf, keine Fanartikel zu kaufen aber dafür sich und sein Umfeld über die lokale Faschoszene zu informieren.

Das grundlegende Problem verkennst du dabei: Es ist trotz allem nur Fußball, Idioten gibt's überall. Wenn viele Menschen zusammenkommen, findet man natürlich dementsprechend auch mehr Idioten. Aber mit der Überstigmatisierung die du betreibst, verfehlst du das Thema.

Mittwoch, 06.06.12 16:57
 

Immer wieder interessant, wie intolerant die sogenannten toleranten Menschen sind.

"rutscht sie schnell auf die sarkastische Schiene und beleidigt Menschen, ohne dass sie es so aufnehmen."

"Mir kann keiner erzählen, dass die ausländerfeindlichen Tendenzen innerhalb dieser Zeit nicht steigen, erinnern wir uns allein an die Zwischenfälle während des Spiels Türkei gegen Deutschland bei der letzten Europameisterschaft. Es wurde gepöbelt und geprügelt bis zum Gehtnichtmehr."

Also halten wir fest, du pöbelst gegen Dumme Menschen, welche eine andere Art zu leben haben, verurteilst es aber wenn "andere" selbst rumpöbeln.

Mittwoch, 06.06.12 17:05
 

Nationalismus ist, war und bleibt scheisse. Ob mit oder ohne Fussball.

Mittwoch, 06.06.12 17:07
 

@ supermanuel: Anja & Tanja? Sind die Namen nicht etwas altbacken?
Ich dachte immer, die heißen Leonie und Lena. Oder Joelle und Noelle. Oder sowas in der Art. Aber treffend beschrieben ;-)

Mittwoch, 06.06.12 17:10
 

@cat: keine ahnung, hast vielleicht recht :) hab das auch erst gerade irgendwo aufgeschnappt. und fand's auch durchaus treffend. schön ist auch das männliche pendant: der "ingo".

Mittwoch, 06.06.12 17:24
 

Endlich mal wieder ein richtig guter Artikel auf Fudder.

bin schon mal sehr auf die Kommentare gespannt. Aber die ersten richtig guten kommen ja schon:

tomtom:
"Würdest Du diese Frage an Türken, Holländer, Engländer, Portugiesen, Schweden usw. stellen, würdest Du von jedem einzelnen genügend Gründe genannt bekommen, warum sie stolz auf ihr Land sind."

Genau. Fragt mensch Türken, Holländer, Engländer, Portugiesen, Schweden würde ich also genügend Gründe bekommen. Dabei wird allerdings nicht hinterfragt was für Gründe das sind. Würde ich Holger Apfel fragen warum er Stolz auf Deutschland ist, würde ich auch genügend Gründe bekommen. Also unreflektierter geht es ja fast nicht.

tomtom:
"Daher wüsste ich nicht, warum die Deutschen nicht stolz auf ihr Land sein dürfen. "

Das finde ich fast noch besser, nur weil angenommen wird das Menschen aus anderen Ländern aus irgendwelchen Gründen stolz auf ihren jeweiligen Nationalstaat seien (was allerdings wahrscheinlich leider genauso der Fall ist wie in Deutschland) wird daraus dieses "Recht" auch für Deutschland gefordert.
Super dann frage ich doch mal Menschen aus der ehemals regierenden Schicht in Ägypten ob und warum sie Stolz waren auf das Regime von Mubarak vor dem Sturz. Aber eigendlich reicht es dazu den Artikel zu zitieren:

„In anderen Ländern ist das doch auch so!“ Wen will man mit solchen Floskeln überzeugen?
Erstens ist es nicht wichtig, was andere Länder so treiben: Man muss nicht bei jedem Scheiß mitmachen. Zweitens ist Patriotismus im Allgemeinen und Party-Nationalismus im Speziellen total eklig.


Sascha_89 hat den Kommentar am 06.06.2012 um 17:29 bearbeitet
Mittwoch, 06.06.12 17:45
 

und wehe der fussballer hat rasierte waden...

kleins spässle, diesmal stellenweise sehr treffend und gut geschrieben. 5er in die kritiker-kaffeetasse.

kus
Mittwoch, 06.06.12 17:50
 

verkrampfte Waden tun weh, und ich habe sowieso multiple Sympathien bei dem Turnier.

GLAAAAAAAAND!

Mittwoch, 06.06.12 17:55
 

Du vergisst vielleicht, dass man auch nur auf das Team stolz sein kann, bzw. sich freut wenns gewinnt. Und wenn sich Fans prügeln muss das noch lange keinen rassistischen Hintergrund haben (s. letzte Ausschreitungen). Ich habe bisher auch nicht Fähnchen geschwenkt, aber wenn man dadurch verdummt sollte ich es mal testen. Dumme Menschen sind ja bekanntlich glücklich ;).

Mittwoch, 06.06.12 18:01
 

@Sascha: Wieso findest du Nationalstolz eigentlich so schlimm?

Wenn ich das richtig verstehe beschwerst du dich dass TomToms Argumentation nicht reflektiert genug sei... dabei suchst du um deine Argumente zu untermauern nur Negativ-Beispiele. Ich meine: wie abgedreht ist es denn, den Nationalstolz im Umfeld von Fußballspielen zu verurteilen, indem man das Mubarak-Regime als Referenz und Beispiel nimmt?

Nationalstolz an sich ist nichts schlimmes, wie es aber im Leben so ist kann alles - in der falschen Dosis - verhängnisvoll werden. Scheinbar schaut niemand mehr auf den Sinn und Zweck (mal von den finanziellen Interessen abgesehen) einer solchen FußballWm. Das ganze ist ein Spiel. Bei einem Spiel sympathisiert man nunmal mit der ein oder anderen Partei = mit einem der Teams.

Da man nicht selber spielen kann und auch der eigene Sohn nicht in der Mannschaft ist, sympathisiert man eben mit den Sportlern des eigenen Landes und was haben die alle gemeinsam? Genau, die Nationalität. Ist bei Olympia nicht anders. Oder bei der Papstwahl (hey "WIR sind Papst").
Was wenn man es umbenennt? In Nationaleifer, oder Nationalitätensymphatie?
Oder ist es das "National" in Nationalstolz das aufstößt? Man könnte "Fußballstolz" draus machen.

Was ich damit sagen will ist folgendes: Diese ganze Nationalstolzdebatte ist total überzogen, die meisten freuen sich doch einfach darüber, dass diejenigen Spieler die uns schlichtweg am nächsten (geographisch gesehen meinetwegen) sind, gewinnen. Einfach weil es kategorisch näher liegt, mit diesen zu sympathisieren als mit anderen Spielern.

Mittwoch, 06.06.12 18:08
 

an was hat die frau eigentlich nichs auszusetzen?
soll doch jeder den fussball oder jeden anderen sport zelebrieren oder nicht..

Mittwoch, 06.06.12 18:26
 

ich denke, es spricht nichts dagegen, für eine fussballmannschaft leidenschaftlich zu brennen und ein turnier wie die euro2012 mit glühendem eifer für das "eigene team" zu verfolgen. was mich jedoch befremdet sind auswüchse wie dieser ganze 1-euro-plastik-schrott, der seit wochen von discountern, supermärkten, aber auch bäckereifilialen und dergleichen angeboten wird. kein taschentuch mehr ohne deutsche flagge, kein brot mehr ohne "em-tüte". des weiteren: (gross)veranstalter stilisieren einen einfachen (wenn auch teilweise spannenden) wettkampf zum event mit spasscharakter herauf, bei dem es um nicht viel mehr geht als einen grösstmöglichen umsatz an den bierzapfhähnen und - wiederum - fanartikelständen. für sich genommen alles schön und gut, aber die damit verbundenen dynamiken behagen mir überhaupt nicht, und bei so beschissenen spielchen wie "steht auf, wenn ihr deutsche seid", wird im zustand völliger alkoholisierung leider sehr oft die grenze zu einem ungesunden nationalismus überschritten. da braucht man nur mal mit jemandem ein spiel zu schauen, der a) kein deutschlandtrikot an hat (weil er keine lust darauf hat, weil er glühender anhänger der englischen mannschaft ist, weil ihn fussball eigentlich nicht interessiert, u.s.w.), der b) möglicherweise nicht stereotyp deutsch aussieht, c) vielleicht sogar dunkelhäutig oder asiatischer herkunft ist, wird man sehr schnell von den sogenannten fans angefeindet, bekommt sprüche jenseits der stammtischgrenze zu hören, oder - worst case - wenn die begleitung weiblich ist, fallen frauenfeindliche sprüche. und, ja, so etwas ist zum kotzen!

Mittwoch, 06.06.12 18:26
 

es vielleicht ist ein bißchen gemein von der redaktion, das mädchen mit seinen, zugegeben rührenden, 20jährigen-meinungen in dieser art vorzuführen. nazis rasieren sich die muschis und kucken fussball, aber die autorin weiß, sie ist zu schlau dafür und macht alles richtig: jubelt für linksextremisten und trägt die sündenbürste bis zum knie.


boatmurdered hat den Kommentar am 06.06.2012 um 18:38 bearbeitet
Mittwoch, 06.06.12 18:29
 

haha :D

Mittwoch, 06.06.12 18:39
 

Ap­ro­pos "liken" und facebook: Das finde ich z.B. total eklig. Trotzden verbiete ich es niemanden und halte nicht alle für grenzdebil die es trotztdem tun ;). Aber wie schon der erste Poster gemeint hat, ist wahrs. Freitags-/Feiertags-Trollerei und man sollte ihn nicht mit Heringen füttern!

Mittwoch, 06.06.12 18:56
 

schöner artikel, trifft ganz meine meinung. ob ich fußball oder deutschland langweiliger finde? wer weiß..

ausserdem weiß ich garnicht wie und wieso man auf etwas stolz sein kann was nicht direkt eine eigene leistung ist. wobei mir "stolz" ansich nicht fremd ist, ich bin stolz wenn ich ein hotdog wettessen unter freuden gewinne.
falls mir das jemand erklären kann würd mich das freuen.

Mittwoch, 06.06.12 19:12
 

"Immer wieder interessant, wie intolerant die sogenannten toleranten Menschen sind."

Das trifft den Nagel mal wieder auf den Kopf.

Mittwoch, 06.06.12 19:48
 

Nach dem Wildknutschen nun die Fußballfans....
Ich schaue kein Fußball finde aber die Aussage, daß denen es Gleichgültig ist, was bei der EM passiert gedisst werden übertrieben. Mir gehts zumindest nicht so.

Gibt es einen Unterschied zum Stolz auf eine deutsche Nationalmannschaft und den Stolz auf kulturelle Werke wie z: B. von Goethe, Schiller, Ringelnatz, Wagner (ah ne darf man ja nicht, wegen Antisemitismus) oder im Technikbereich z. B. TV, Computer, Magnetschwebebahn, Düsentriebwerk (ah ne, darf man auch nicht: Nazitechnologie)...

Auf was darf ich denn als Deutscher stolz sein? Auf unseren wirtschaftlichen Erfolg? Geht zu lasten anderer armer Menschen.
Auf unser Bildungssystem? Es gibt immer noch Leute ohne Abitur...
Auf unser stabiles politsches System? Nicht mal ein gültiges Wahlrecht haben wir...

Es gibt immer was zu motzen, immer was auszusetzen, zu kritisieren , zu verhindern, auszubremsen, in Frage zu stellen und darauf können wir wirklich Stolz sein, denn dies ist es was uns ausmacht: Den Deutschen, der sich ständig selbst hinterfragt, ob sein Handeln denn nun gerade korrekt ist , der vor sich selbst in die Hosen scheißt, aus Angst, die Welt könnte ihn einen Augenblick für zu groß halten, sich kleinkariert mit Blockwartmentalität sich über die Nachbarschaft beschwert ( im großen, international wie im kleinen in der Schrebergartensiedlung).
Warum kann man nicht einfach Leben lassen, nur weil einem das Tun oder der Scheiß der anderen in dem Moment nicht gefällt? Warum sich damit auseinandersetzen, warum bis zum Ausscheiden des Teams oder 4 Tage nach dem Finalgewinn eine gewisse Gruppe in etwas anderen Höhen schwebt. Machen lassen, in Ruhe lassen, für sich selbst was anderes finden und sich nicht ärgern, nur weil im Moment auf dem Globus was anderes vorherrscht.

Mittwoch, 06.06.12 20:24
 

Vielen Dank "liebe" Autorin für diesen sehr reflektierten und ausgewogenen Artikel.

Grüße von einem "total ekligen" "Party-Nationalisten", der denkt "Jeder solle das tun, was er liebt", solange nicht ein "alles in schwarz-rot-gold"-"Wir-Gefühl", welches natürlich "verblendet und verdummt" in "ausländerfeindliche Tendenzen" überschwenkt, hervorgerufen wird. Einen Grund "stolz auf sein Land" zwischen "Egotronic oder Frittenbude" und der nächsten "Sauf-Möglichkeit" zu "Audiolith-Musik" zu sein hat NIEMAND (!), da dies immer von "faschistischem Gedankengut" begleitet wird (1000 Ausrufungseichen)

Toleranzgrenze überschritten?
Die Umerziehungslager für die "total eklige" breite Bevölkerungsmitte (Proletariat) würden wohl bald eröffnet werden, wenn die selbsternannten toleranten an der Macht wären. "Antifaschismus" ist Faschismus in Reinstform.

never forget:
1) Hasta la victoria siempre, ¡Patria o Muerte! (Che Guevara)
2) Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (Rosa Luxemburg)

my2cents zu diesem hochwertigen Artikel...

Mittwoch, 06.06.12 20:26
 

@tattoocheck, sei doch einfach stolz auf deine bezaubernde familie oder andere schöne dinge die du erreicht hast. reicht das nicht? oder hast du zufällig selbst das düsentriebwerk entwickelt, dann wäre es ja völlig nachvollziehbar darauf stolz zu sein.

@"Immer wieder interessant, wie intolerant die sogenannten toleranten Menschen sind."
toleranz gegenüber deutschtümelei find ich komisch und irgendwie gefährlich

@s'vögele, um fußball gehts ja nun wirklich nur den wenigsten. klassische meinung "fußball interessiert mich eigentlich nicht, nur em und wm schau ich an". mein verdacht: überlegenheit der nation zu demonstrieren (wenn se denn gewinnen), "wieder wer zu sein"

Mittwoch, 06.06.12 20:28
 

ich vergaß: Achtung Sarkasmus

Mittwoch, 06.06.12 20:35
 

NYHC, es war nur ein Beispiel... man soll einfach mal gewisse Dinge gelassener sehen. Man könnte meinen, nach dem Public Viewing kommt ein Herr mit braunem Hemd und Schnauzer auf die Bühne und erzählt dem Volk was von Lebensraum im Osten... und selbst wenn, mit uns ist doch kein Krieg mehr zu gewinnen.... *g*

Mittwoch, 06.06.12 20:57
 

ok bei dem herrn in braun musste ich lachen ;)
aber schön wärs wenn der wandel so offensichtlich stattfinden würde, das wäre einfacher zu unterbinden als das was seit jahren schleichend stattfindet.
mit "uns" ist vielleicht kein krieg mehr zu gewinnen, aber schlimm genug wenn mit "uns" noch ein krieg zu verlieren ist..

aber es muss wohl erst dresden wieder in schutt und asche gelegt werden damit allen klar wird dass deutschland nicht geil ist

Mittwoch, 06.06.12 21:03
 

tu mir den gefallen und zeige so in umrissen die kausalkette auf von fußballnationalmannschaft gut finden zu dresden.

Mittwoch, 06.06.12 21:05
 

Meine "Lieblingserinnerung" an die Klassenfahrt nach Prag 2006:
Besoffene deutsche Jugendliche verbrennen aus Frust über die Niederlage ein Italien-Trikot und tanzen darauf herum.
Verabscheuenswürdig.
(Platz zwei: Neben mir hebt einer den rechten Arm und gröhlt "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus." In Prag.)


esther87 hat den Kommentar am 06.06.2012 um 21:06 bearbeitet
Mittwoch, 06.06.12 21:11
 

NYHC, die Bevölkerung hat keinen Bock und unserer Regierungen liesen sich aus falscher Solidarität in Abenteuer ziehen, für die die BW nicht gemacht ist...
Wir sind kuriert, nur meinen andere, wir wären noch die Landser von früher und geil aufs Blutvergiesen.

Mittwoch, 06.06.12 22:25
 

Einfach nur unausgewogen und schlecht. Die einen haben Spaß daran und freuen sich, die anderen eben nicht und machen lieber was anderes.
Aber warum muss man immer alles schlecht machen, was der Masse Spaß macht?

"Damit lädt sie ihre negativen Gedanken ab..."

Mach es doch wie andere Menschen und betreibe ein bisschen Sport um Frust abzulassen?!
Ich denke das diese Art der Gefühlsbewältigung in deine Schublade am Schreibtisch, auf einem guten alten Stück Papier gehört und nicht hier publiziert und unterstützt werden sollte.

Ist mir schon bewusst liebes Fudder Team, dass dies hier die "Hau ich mal alles was mir gerade irgendwie in den Sinn kommt Plattform ist" aber ich denke manchmal solltet ihr auch mal einfach nein! sagen.
Und wo die nette Dame doch mal wieder auf das Lieblingsthema Nummer 1 aller " toleranten" Nörgler gekommen ist, würde ich gerne fragen ob ihr auch den Schrott den NPDler so produzieren hier veröffentlichen würdet, einfach nur damit sie ihre Meinung kundtun könnten.

Könntet euch ja mit dem gerne beliebten "Es handelt sich bei dem Beitrag um die Meinung des jeweiligen Autors, nicht um die der Redaktion" blablabla Gewäsch aus der Affäre ziehen.

Ich verspreche euch hiermit, wenn ich bald mal Urlaub habe, schreibe ich einen Artikel über diese eeeeeeeeewige Nörgler-Kultur auf Fudder. :)

Mittwoch, 06.06.12 22:27
 

Hengame, willkommen in Freiburg -- ich glaube wir werden uns hier gut verstehen.

Mittwoch, 06.06.12 22:47
 

Was macht denn Hengame Spaß??? Zuhause sitzen und das Muster der Raufasertapete auswendig lernen???
Oder im Glauben zu schwelgen, man wäre der Allgemeinheit geistig überlegen, aber über die ungebildete Leserschaft ein paar Euronen verdienen wollen.

Unvergessen:
http://tiny.cc/q50hfw

Mittwoch, 06.06.12 22:52
 

Ich find dieses EM Dreck scheisse, aber ne Fahne würd ich schon hissen, warum auch ned.

Mittwoch, 06.06.12 23:20
 

Danke Tatoocheck das du mich darauf hingewiesen hast das dieser Artikel auch von ihr stammte. Hatte ich nicht mehr in Erinnerung.
Für mich rundet sich das Bild so viel besser ab.
Die Dame wettert also gegen die EM, die Liebe und ihr Land.
Ich stelle mir gerade einen kleinen Raum vor, ob mit oder ohne Fenster lass ich hier mal außen vor. Mitten in diesem Raum sitzt eine junge Frau, die in ihrem Alter soziale Kontakte knüpfen, ihre Freizeit draußen verbringen und ihre ersten Erfahrungen mit der Liebe machen sollte. Doch das tut sie eben nicht, sondern sitzt da und genießt die Annehmlichkeiten des Staates. Sei es nun durch Zahlungen von Kindergeld oder einfach nur die Sicherheit, für die andere Menschen den Kopf hinhalten.



Donnerstag, 07.06.12 00:34
 

Ich finde es seltsam dass sich die Fans von einer Veranstaltung die von einem Konzern ausgetragen und von Staaten mit Sportlern ausgestattet wird, so dazu einspannen lassen dass sie die Farben "ihres" Landes auf ihre Haut malen, auf großen Hüten ausstellen oder um die Rückspiegel ihrer Autos drapieren.

Es stellt sich mir zwangsläufig die Frage welche Faktoren dazu beitragen. Der Spaß am Fußballspiel kann es nicht allein sein sondern zentral ist wohl das Gemeinschaftsgefühl, der "eigenen" Mannschaft beim Spielen zuzusehen. Dabei gehört so gut wie nichts den Fans, kaum ein Aspekt an dem Spiel ist ihr "Eigen"tum oder durch sie kontrollier- oder auch nur beeinflussbar. Von der Machart des Balles bis zu den Eintrittspreisen werden die Regeln von einem einzigen Konzern, der UEFA, gemacht, der seine Regeln zum Teil auch - etwa bei der Auswahl der Fans - vom Staat durchsetzen lässt. Ähnlich geht es den Menschen ja wohl mit dem Staat Deutschland - was gehört den Fans denn an Deutschland oder ist durch sie beeinflussbar, außer gelegentliche Wahlen und vielleicht 'ne Parzelle Land? Die Fans benehmen sich als würden sie einer Person den sportlichen Erfolg wünschen, aber es geht um Profit und Staatsinteressen. Bewerben die sich auch alle zu DSDS?

Total seltsam, bei sowas mitzumachen. Und gruselig, wirklich.

mza
Donnerstag, 07.06.12 08:38
 



Mir völlig egal wer EM-Meister wird, Hauptsache Baden wird Weltmeister...

Oder ist Lokalpatriotismus auch eklig?

----

Mal ehrlich, soll ich mich auch noch für mein Land schämen? Für die Farben? Mit vorgehaltener Hand sagen "Mnmnmmm, ich bin Deutsche(r), pssssschhht!"

Fazit: Lächerlich, peinlich und völlig struub!

Ergo: Stimme @tomtom völlig zu...

Dosenbier!!!!

Donnerstag, 07.06.12 09:59
 

eklig. eklig. eklig. heng, ich schenke dir bald ein paar neue vokabeln. ich finde deinen ansatz für deinen aufsatz nicht schlecht, aber die argumente zu verschwurbelt. 99% der schwarzrotgoldpappbechertrinker versteht doch deine komischen partybandvergleiche gar nicht, geschweigedenn möchte/kann mit ihnen in Verbindung gebracht werden. ich auch nicht. aber ich fände das bestimmt eklig.

Donnerstag, 07.06.12 11:45
 

Das ist so ne typische akademische ich-seh-alles-aus-kritischer-Distanz-Überheblichkeit.

Ich würde der Autorin empfehlen sich in den nächsten vier Wochen einfach mal unter die Leute zu mischen und sich auch mit selbigen über das Thema "Nationalismus" vs. tragen von Fanartikel zu unterhalten. Da könnte vielleicht der eine oder andere aha-Effekt bei heraus kommen (Der Gerüstbauer oder die Friseurin in deren Betrieb mehrere Nationalitäten zusammenarbeiten).

Lieber wird aus beobachtetem Verhalten gleich allgemeingültige massen- und idividualpsychologische Schlüsse gezogen:

"von einer kollegialen und von Zivilcourage geprägten Öffentlichkeit kann man nicht wirklich sprechen"

Kann man nicht? Oder will man nicht weil es nicht in das eigene Weltbild passen würde? Fakten die auf gegenteiliges hinweisen werden da still schweigend in die Tonne getreten und damit die vielen ehrenamtlichen Engagierten in Deutschland gleich noch mit abgewatscht. (Ehrenamtliches Engagement gibt es in diesem Ausmaß in keinem anderen Land)

Dazu wird das Phänomen "Gruppendynamik" gleich mal für die eigene Argumentation vor den Karren gespannt. Fanpatriotismus ergibt gruppendynamische Massenlenkung mit gefährlichen nationalistischen und ausländerfeindlichen Tendenzen.
Wenn auf einer Antifa-Demo Steine fliegen, bei einer anstehenden Räumung ein Seil über die Straße gespannt oder Mülltonnen und Autos angesteckt werden ist das kein unreflektierter, gruppendynamischer Prozess sondern eine wohlüberlegte politische Zeichensetzung nur weil es aus der "richtigen" politischen Ecke kommt?

Aber vermutlich findet sich in der Gedankenwelt akademisch-theoretischer Gesellschaftskritiker auch dafür entsprechende Entkräftungsmodelle. Die kritische Distanz machts möglich solange die Betrachtung aus größt-möglicher Entfernung statt findet.

Donnerstag, 07.06.12 11:55
 

Unglaublich, was hier passiert. Kann sich keiner mehr daran erinnern, daß es noch vor 2006 für jeden der zumindest Abitur hatte, quasi zum guten Ton gehörte, Fußball uncool zu finden und vor allem, noch viel zentraler, wirklich nur die ganz krassen Kernprolls bei solchen Fußballveranstaltungen mit Flaggen und Deutschlandfarben geschminkt durch die Straßen gezogen sind? Und inzwischen muss man selbst in einer Studentenstadt wie Freiburg Menschen mit der Lupe suchen, die dem ganzen Deutschland-Hype wenigstens im Ansatz kritisch gegenüberstehen.

Danke für diesen Artikel, Hen! Ich kann dem nur voll und ganz zustimmen und mich ist jetzt schon schlecht, wenn ich an die nächsten Wochen denke. Die Reaktionen in den Kommentaren sind der beste Beweis dafür, wie nötig es ist, daß sowas ab und zu noch gesagt wird. Und besser eine überzogene, provokante Meinung, als das Problem garnicht mehr zu benennen, nur weil man damit plötzlich außerhalb des Diskurses geraten ist.

Daß fremdenfeindliche Einstellungen und Aussagen während Fußballveranstaltungen zunehmen, braucht man nicht mal nur als These zu formulieren, sondern dazu gab es schon Studien. Das trifft leider zu. Und nur weil Nationalpatriotismus in anderen Ländern normal ist, wird er nicht besser. In vielen anderen Ländern Europas sind bekanntermaßen auch schon seit Jahren rechte Tendenzen in der Politik zu beobachten, und trotzdem hoffe ich, daß Deutschland von solchen Entwicklungen verschont bleiben wird. Daß aber Nationalstolz, selbst wenn er nur im Rahmen eines Spieles vorkommt, politisch anschlussfähig werden kann, ist mehr als gut vorstellbar - Party hin oder her. Von den bereits metaphorischen Ähnlichkeiten zwischen Fußball und Krieg, oder der Tatsache, daß Fußballspiele tatsächlich sogar schon im Zusammenhang mit Kriegen eine Rolle gespielt haben (Google: Fußballkrieg), mal ganz zu schweigen...

Sehr bezeichnend, aber leider kaum verwunderlich für das Verschwimmen dieser Grenzen finde ich übrigens auch die Beispiele von Esther87. Da wo ein Gruppengefühl entsteht, wird automatisch immer auch ein Außen konstruiert, eine Gruppe der Anderen, die die Identität der eigenen Gruppe per se in Frage stellt. Vielleicht sollte wieder mehr 'Masse und Macht' von Canetti gelesen werden, dann müsste man solche Debatten garnicht erst führen...

Donnerstag, 07.06.12 12:28
 

@boatmurdered, warum kausalkette? fahnen schwenken reicht mir schon als grund um dem pöbel einen schuss vor den bug zu setzen (zb indem man dresden bombardiert). leider/zum glück verfüge ich nicht über suffiziente luftstreitkräfte um das durchzuführen, deshalb müssen wir wohl unsere hoffnungen auf die elbflut setzen (wobei die pädagogische wirkung aufgrund des nicht ganz einfach zu erkennenden zusammenhangs recht gering ausfallen würde). oder harris ausgraben und frankensteinmäßig wiederbeleben. welch ein spaß!

Donnerstag, 07.06.12 12:28
 

@ Hektoliter

Du sprichst mir aus der Seele! Es stimmt schon nachdenklich, dass man das Thema Nationalismus kaum ansprechen kann.
Und zwar generell, nicht nur auf Deutschland bezogen.

Was ist daran so verkehrt, die Nazion (upps, freudscher Ausrutscher, lass ich mal so stehen ;)) als identitätsstiftendes Merkmal zu hinterfragen?

Ich hör immer nur: "Aber ein gesunder Patriotismus", "nur wegen den Nazis", bla bla bla...
Null Argumente, nur Reflexe.

"Frittenbude" und "Egotronic" (jetzt mal stellvertretend für eine gewisse politische Strömung, der die Autorin wohl angehört) sind da übrigens nicht weiter im Denken.

Donnerstag, 07.06.12 13:34
 

also wenn ich auf ein justin bieber-konzert gehe, zieh ich mein justin bieber-tshirt an und trinke aus einem justin-bieber-becher, im idealfall bieberonade oder einen anderen marketin"gag". und ich "singe" (= gröhle) seine lieder mit in einem meer von manipulierbaren teenies mit ähnlichen tshirts und "belieber"-schriftzügen auf der stirn. dass sich alle in einem ausnahmezustand befinden, einige kollabieren und andere schrei-/wein-/beideskrämpfe bekommen, kann mir nur recht sein, dann ist mehr platz für mich. wobei ich die anderen belieber schon auch mag, wir sind ja im selben bus angerollt und haben auf der fahrt mehrstimmig versucht, was er ganz allein schafft und davon geträumt, dass justin bieber nach dem konzert vielleicht ja unser (mein!) boyfriend ist :) aber man muss auch sehen, wo man bleibt... egal, ich schweife ab. wollte nur mal sagen, dass ich jedes land dieser welt gern gegen justin bieber-land eintausche und wenn er röhrenjeans befiehlt, dann gilt das! oder morgen ausgefallene sneakers, ich will der willkür meines idols keine grenzen setzten und jeder kann ruhig sehen, zu welchem lager ich gehöre! wenn dann einer mit nem greyson michael chance-shirt (koooooooooooooootz!) an uns vorbeiläuft, ist es nur selbstverständlich, dass ich mindestens pöble!

Donnerstag, 07.06.12 13:50
 

1. klar können fans eines passivsports für "ihre" manschaft brennen. wenn keine nationalflaggen als symbole herhalten würden wäre auch alles weniger problematisch.

2. stolz auf ein land sein geht meist richtung nationalismus, wenn andere menschen in anderen ländern stolz auf ihr land sind, sind es oft nationalisten. brenzlig wird es dann bei der frage ob der nationalismus inklusiv oder exklusiv ist. http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalismus

3. vergleiche mit anderen ländern (dort ist das normal) sind keine argumente sondern vergleiche. wenn dann entsprechend als antwort ein anderer vergleich mit den folgen ders nationalismus in osteuropa kommt, wo roma-siedlungen mit mauern umzäunt werden, darf das auch nicht als argument gegen fussballnationalismus gewertet werden, sondern ist eben auch nur ein vergleich. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41261031.html

4. das schöne "wir-gefühl" führt zu deindividuation, was beispielsweise dazu führen kann das plötzlich flaggen verbrannt werden und alle mitgröhlen. oder menschen. http://de.wikipedia.org/wiki/Deindividuation

5. geschichte egal? nationalismus nicht immer ausgraben? okay, lassen wir uns auf das dumme spielchen ein. wo beginnen wir dann, statt in den 30ern vielleicht in den 90ern? roststock lichtenhagen? http://de.wikipedia.org/wiki/Ausschreitungen_von_Rostock-Lichtenhagen
wie das passieren konnte? siehe oben, nationalismus, angst, xenophobie, prekäre lebenssituation und dann deindividuation in der masse. oder ist das auch schon geschichte die wir nicht immer ausgraben müssen, weils ja schon fast 20 jahre her ist. dann aber bitte auch nicht den uralten deutschen WM-sieg ausgraben.

6. das problem sind nicht die feiernden fussballfans, sondern die nationalisten unter ihnen, die das gefühl haben das alle die gleiche meinung haben und deutschland eben doch was tolles ist. und die tolleranz außenrum für extremere positionen. ich bin kein fan von der aktuellen (nationalistischen) israelischen politik, aber bei einem fiktiven fussball-endspiel zwischen israel und deutschland würden sich manche fans vermutlich mit peinlichen beschimpfungen und slogans überbieten.

7. stolz sein auf deutschland wegen kant und goethe? und dann stolz sein auf freiburg weil schäuble und till schweiger hier geboren sind? oder weil in freiburg schon 1334 juden vertbrannt wurden? wiki: "Der Stolz entspringt der (subjektiven) Gewissheit, etwas Besonderes, Anerkennenswertes oder Zukunftsträchtiges geleistet zu haben oder daran mitzuwirken." http://de.wikipedia.org/wiki/Stolz - also hört bitte auf zu behaupten ihr währt stolz auf etwas zu dem ihr NICHTS beigetragen habt außer in dem land oder der stadt geboren zu sein.

fazit: nichts gegen sport, fans und begeisterung, nichts gegen publik viewing und partys nach einem gewonnenen spiel. aber wer fahnen schwenken toll findet, sollte keine fahne in die hand bekommen. egal was für fahne.
und hier noch was für die trolle: "hoch die antinazionale solidarität " ;-)

Donnerstag, 07.06.12 13:56
 

Nette, leider etwas platte Provokation auf Teeniepunk Niveau.
Die Autorin geht ja relativ ausführlich auf das Audiolithlabel ein, da musste ich schon schmunzeln. Wer hört denn Egotronic?
12 jährige Scheidungsopfer, die ihren Schmerz auf den Staat projezieren, vielleicht noch zurückgebliebene Oberstufenschüler, aber doch sicher keine ambitionierten, emanzipierte Nachwuchsakademikerinnen...
Und wenn wir schon dabei sind , will ich auch mal ein bisschen provozieren:
Die widerlichsten antisemitischen,homophoben,sexistischen und chauvinistischen Aussagen die ich in den letzten Jahren gehört habe , kamen zu einem Grossteil von unseren muslimischen Mitbürgern.
Ich unterhalt mich gern mal mit denen , wenn sie steif in der Ecke von der Disse stehn , Frauen anglotzen , sie als Schlampen bezeichnen u.s.w.
Ich mach mir dann den Spass zu fragen ,ob sie schon mal was mit Männern hatten oder ob sie wussten dass
de Chef vom Facebook ein Jude ist, da hat man dann schnell eine lebhafte Diskussion.
Zurück zum eigentlichen Thema: Mir ist es lieber wenn die "Masse der Normalos" ab und zu mal ein bisschen patriotisch sein dürfen, als daß hier ein Vakuum entsteht, welches wohl nur von Rechtsextremen gefüllt würde.
Ähnliches Prinzip gilt wohl auch für die BILD und die CDU/CSU.

Donnerstag, 07.06.12 15:10
 

Habe mal eine etwas längere Antwort auf diesen Artikel geschrieben: http://wp.me/p2jNBN-ev


lorenzkuehnert hat den Kommentar am 07.06.2012 um 15:13 bearbeitet
Donnerstag, 07.06.12 15:56
 

@ lorenzkuehnert: wunderbar zusammengefasst, das! ´nuff said.

Donnerstag, 07.06.12 16:14
 

die autorin hat schon irgendwie recht.mir ist der ganze (künstliche) hype in den letzten jahren auch aufgefallen.früher haben hauptsächlich fußballer em und wm geschaut. heutzutage ist es "in" em und wm zu schauen.das find ich grundsätzlich auch ok. aber mich nervt dieses übertriebene fangemache und patriotismus(egal welchen landes).allgemein finde ich patriotismus eher lächerlich.
rechtsradikalismus oder was in die richtung geht, hat im fußball nichts zu suchen.diejenigen, die in diese richtung denken, sollen doch bitte mit nazis auf eine demo gehen.
ich als fußballer schau mir natürlich gern die em an.auch public viewing.auch mit netten mädels.aber diese pseudofanproleten nerven mich.
ich wünsche allen eine schöne und friedliche em.

http://www.youtube.com/watch?v=C532kGa7j1A


Dietmar Müller hat den Kommentar am 07.06.2012 um 16:36 bearbeitet
Donnerstag, 07.06.12 17:34
 

Ich bin stolz auf diese Zitate:

"Sie sollen nicht glauben, das sie Brasilianer sind, nur weil sie aus Brasilien kommen." (Paul Breitner)

"Die Luft, die nie drin war, ist raus aus dem Spiel." (Gerhard Delling)

"Es ist schon an der Grenze zum Genuss, den Koreanern zuzusehen." (Johannes B. Kerner)

"Wer hinten so offen ist, kann nicht ganz dicht sein." (Werner Hansch)

"Die Viererkette ist nur noch ein Perlchen." (Johannes B. Kerner)

"Da haben Spieler auf dem Platz gestanden, gestandene Spieler." (Günter Netzer)

"Da geht er, ein großer Spieler. Ein Mann wie Steffi Graf." (Jörg Dahlmann)

"Sie sollten das Spiel nicht zu früh abschalten. Es kann noch schlimmer werden." (Heribert Faßbender)

Donnerstag, 07.06.12 19:48
 

zum Thema:
»Natürlich sind zehn Deutsche dümmer als fünf Deutsche.«
Heiner Müller

Donnerstag, 07.06.12 19:51
 

Fußball ist nicht meine Welt - mir einfach viel zu eigenartig und mit gewaltigen Menschenansammlungen verbunden.

Ob sich die Fans jetzt nationalistisch oder sonstwie gebärden ist mir nicht bekannt.

Wundere mich allerdings über die mangelnde Bereitschaft der Fans für "IHR" Land auch sichtbar-öffentlich einzustehen.

War zum Jubilee WE in London und die dort herrschende Begeisterung für England war ansteckend und keinesfalls dumpf-national-beschränkt.
Mir hat es richtig Spaß gemacht in London sein zu dürfen und die Begeisterung für England war sehr ansteckend. Auch Menschen aus den zahlreichen Commonwealth Ländern konnten sich für die Queen begeistern und es gab keine Misstimmungen.

Warum können die Deutschen nicht endlich so ein Bewußtsein wie die Engländer für IHR Land entwickeln?


vdp1100 hat den Kommentar am 07.06.2012 um 19:52 bearbeitet
Donnerstag, 07.06.12 20:38
 

da wo ich herkomm, sagt man zu sowas Chauvinismus...

Donnerstag, 07.06.12 23:24
 

"Und anstatt das Geld für Fanartikel aus dem Fenster zu werfen, kann man sein Umfeld und sich selbst über die lokale Fascho-Szene informieren. Dazu gibt es zwar nicht das passende Dosenbier, doch haben wenigstens alle etwas davon."

*prust* Hab selten so gelacht... :D Bester Schlusssatz der Welt. Ach, ich wär auch gern wieder 20...

Freitag, 08.06.12 01:46
 

in freiburg gibts glücklicherweise kaum eine fascho-szene. das liegt aber nicht an den fussball fans, die, wie weiter oben suggeriert ähnlich der BILD und der CDU faschismus verhindern (stattdessen machen sie eher semi-faschistische sprüche salonfähig), sondern an den aktiven anitfas in freiburg, die wiederum - jetzt kommts - auch teilweise extreme fussballfanatiker sind (vll. auch fanatikerinnen, wer weiß). mit deutschlandfahnenkauf wird man diese aber kaum beschäftigt sehen, nicht weil sie stattdessen das umfeld über die fascho szene informieren, sondern weil deutschland-fanartikel einfach nach wie vor nur absurde kacke sind :)


truth hat den Kommentar am 08.06.2012 um 01:48 bearbeitet
Freitag, 08.06.12 10:07
 

tiptop artikel/meinung für fudder!
face it: fussball ist der krieg des kleinen mannes.

Freitag, 08.06.12 10:42
 

Dieser Nationalmasochismus nervt total! Kein Land der Welt versteht diese sinnfreien Diskussionen. Meine güte, wem tut es denn weh, wenn zur WM oder EM paar Leute mal gut gelaunt Fahnen schwenken? Haben die Südländer schon immer getan. Von deren Lockerheit sollten sich mal einige ne Scheibe abschneiden. Manchmal wär ich gern Italiener und würd meine eigenen Landsleute, die sich solche Gedanken ernsthaft machen, bei nem Glas Rotwein auslachen und den Kopp schütteln!

Freitag, 08.06.12 10:50
 

Jedenfalls hat Heng viele Kommentare und Klicks produziert. Krawalljournalismus?

Ich werd ab heute abend eine Sonnenbrille und Ohrstöpsel dabeihaben um mich vor visueller und akkustischer Belästigung zu schützen. Toleranz hat ja was mit "dulden" als schwacher Form von "leiden" zu tun, dumpfe Gleichgültigkeit ist keine Toleranz.

@Marks: < 3

Freitag, 08.06.12 10:55
 

"Tolerare" heißt ja auch "ertragen".

mfy
Freitag, 08.06.12 12:16
 

Die dämliche Popkultur-Referenz zu Audiolith schießt den Vogel ja noch ab. Wenn Egotronic (gerade mal ca. 20.000 Fans auf Facebook - von nennenswerter Relevanz kann man dann mal ab dem zehnfachen mal sprechen) eine der beiden Bands ist, die "fast die einzigen [von Audiolith sind], die diese Partyfans kennen", dann glaube ich kaum, dass der große Ansturm der Massen gesellschaftlich schizophrener Besucher beim Public Viewing ein ernstzunehmendes Thema ist. Aber immerhin hast du damit deine eigene Individualität betont, chapeau.

Also druck dir doch die Flyer der Anarchistischen Gruppe aus und reiß mit denen in Wild-West-Manier die Flaggen von den Autos. Scheint ja mehr dein Ding zu sein, als diese Autorengeschichte hier - denn für Toleranz zu werben und sich dann hier lang und breit über alles auszukotzen, was nicht auf deiner Linie liegt, ist nicht nur absurd, sondern tut auch der Fudderschen Glaubwürdigkeit nicht gut. Denn "es ist heuchlerisch, es ist inkonsequent". Dieses unreflektierte Blubbern regt nicht zum nach denken an, sondern schürt Hass.

Von jemandem, der weder in den Eschholzpark gegangen wäre, noch irgendwas in Deutschland-Farben besitzt :).

Freitag, 08.06.12 12:31
 

Ich steh dazu : ich hab einen Button in Schwarzrotgold.
Von da http://hambacherfest.de/ , in memoriam.
Vor 180 jahren war das ja durchaus befreiend.

Freitag, 08.06.12 13:15
 

Ein wenig unausgereift, der Meinungsbeitrag. Drei Absätze zu Frittenbude & Co. in einem Artikel, bei dem Fußball(nationalismus), Fantum,... im Mittelpunkt stehen sollten, sind einfach zu viel.

Freitag, 08.06.12 14:09
 

ich finde es grundsätzlich gut, wenn die leute für ihr land fiebern und feiern.aber dieses pseudoundbedingtdazugehören ist halt..

Freitag, 08.06.12 14:38
 

Man kann sich über alles aufregen.
Mir geht das ganze Fussballzeug sonstwo vorbei, wers mag gut wer nicht auch gut.

Nationalstolz scheint irgendwie zum Fussball dazuzugehören.
Ob es Nationalismus ist, keine Anhung, war aber schon mal wesentlich schlimmer in Deutschland.

In Griechenland verprügelt ein rechter Politiker im Fernsehen eine Politikerin und hier echauffiert man sich ob man 67 Jahre nach Kriegsende die Flagge schwenken darf.

Freitag, 08.06.12 14:40
 

hengame.

vermutlich weißt du schon seit deiner pubertät, dass du dein umfeld etwas besser durchschaut hast als der großteil der gesellschaft.

aber um es in ein primitives gleichnis zu verpacken: wenn mein penis 25 cm misst, ist es dann tatsächlich noch von nöten, ihn ständig in der fußgängerzone raushängen zu lassen?

Freitag, 08.06.12 14:50
 

Was Popo uns heirmit sagen will, wird ewig ein Geheimnis bleiben!

Freitag, 08.06.12 14:58
 

"Steht auf, wenn ihr Deutsche seid" ... und so sieht das dann aus:
http://youtu.be/wradDRU3jrI

Die brauchen keine "Fan-Utensilien", die haben Deutschland im Herzen.

Freitag, 08.06.12 15:06
 

Hektoliter (und nicht Hengame) hat aber zuerst das Wort "Diskurs" gebraucht.

Wer da im aktivem Wortschatz hat, hat den Rubikon überschritten. Da kann man die Hose in der Fussgängerzone ruhig zulassen, das spricht für sich.

Freitag, 08.06.12 15:16
 

sicherlich "kann" man dann die hose zu lassen, aber oft sind es gerade diejenigen, die das wort diskurs im wortschatz haben, die mit ihrem vermeintlichen intellekt und ihrer nonkonformität hausieren gehen. und diesbezüglich lässt hengame m.e. keine gelegenheit aus - verschwendete energie, die sie besser in eine stringentere argumentation fließen lassen könnte.

Freitag, 08.06.12 16:55
 

@Björn harris: fuck ist das ekelhaft o_O
@popo: wir sind uns also einig, dass DAS keine 25cm sind?

Freitag, 08.06.12 17:20
 

Irgendwie verwechseln die Leute immer eine Nationalmannschaft mit dem Land, für welches die Mannschaft spielt.

Wenn bei einem Länderspiel die Worte 'Sch...ß Italiener' fallen, dann finde ich das nicht schlimm. Weil in den allerwenigsten Fällen damit das Land Italien oder seine Einwohner gemeint sind, sondern einfach die Spieler der italienischen Nationalmannschaft.

Niemandem würde man unterstellen, ein Rassist zu sein, der beim Spiel BVB-Bayern München 'Scheiß Bayern' brüllt. Es ist klar, dass derjenige keinen Hass gegen die Einwohner des Bundeslandes Bayern hegt.

Ich mag auch eher Vereinsfussball. Länderspiele sind nicht so mein Fall. Ich suche mir eigentlich die Mannschaft, die ich unterstütze nicht durch meinen Geburtsort aus.
Dass man dann als 'Deutscher' gleich als Fan der deutschen Nationalmannschaft betrachtet wird finde ich eben auch albern.

"Jetzt mal ehrlich: Welchen Grund gibt es, stolz auf sein Land – oder auf gerade dieses – zu sein? "

Sowas finde ich dann aber ziemlich albern. Und hier verwechselt eben auch die Autorin Land und Nationalmannschaft.

Warum sollte man nicht stolz (oder glücklich) sein, wenn die Mannschaft, die man unterstützt, ein gutes Spiel abliefert oder sogar das Turnier gewinnt? Dies dann mit irgendwelchem Nazi-Kram (Stolz, Deutscher zu sein) zu vergleichen, ist absolut lächerlich. Dann kann man auch gleich den Eurovision Song Contest verbieten. Da bewertet man ja sogar andere Länder! (Darf Deutschlan Israel überhaupt 0 Punkte geben oder sind WIR dann gleich alle Anti-Semiten?)

Was ich allerdings auch absolut nicht nachvollziehen kann, ist dieser Party-Hype, den es seit ein paar Jahren gibt. Und da geht e meiner Meinung nach auch nicht mehr um Fussball, da geht es um Events.

Ist wie bei Festivals (Rock am Ring etc.) auch. Da geht doch keiner mehr wegen der Musik hin. Da gehn die Leute hin, weil es ein tolles Event ist. Muss man sich einfach nur mal das Publikum dort anschauen (nicht alle, aber die Tendenz ist steigend).

Frag mal beim Public Viewing jemanden, wer vor Oliver Kahn bei Deutschland im Tor stand oder wer vor (Eeesgibnuuuraiiiiin) Rudi Völler Nationaltrainer war. Wie gesagt, um Fussball gehts da nicht mehr. Und das ist eigentlich schade.

Zum Schluss dann noch das unschöne Thema Gewalt! Dass es die gibt, auch (oder speziell) gegen 'Ausländer' (für mich sind Menschen, die lange in Deutschland wohnen eigentlich keine Ausländer, deshalb die Anführungszeichen) will ich gar nicht verleugnen. Ich glaube aber nicht, dass diese Taten durch den Fussball entstehen, sondern von Tätern durchgeführt werden, die auch ohne Fussball ausländerfeindlich sind und einfach die Gelegenheit eines Großevents nutzen, um ihre Aktione durchzuziehen. Evtl. sind es villeicht sogar Frusthandlungen, die aufgrund einer Niederlage entstehen. Dann war das Potential zu so einer Tat aber schon vor dem Spiel vorhanden. Wegen einer niederlage alleine wird keiner zum ausländerfeindlichen Prügel-Nazi!

Freitag, 08.06.12 17:23
 

Es ist doch nicht eklig - jeder der WILL feuert seine Mannschaft an, dass ist doch total schön =) Ich finde auch das er super ist in der Gemeinschaft auf Public Viewings Fußball zuschauen wie daheim vor dem Fernseher, es ist natürlich nicht jeder Geschmack aber ich finde es eine schöne Sache.

Freitag, 08.06.12 17:23
 

und los geht die party
http://tinyurl.com/chzzh6m

und ja ich weiß, es waren vermutlich keine deutschen fans. macht das nen unterschied?

Samstag, 09.06.12 00:23
 

@mahok
ich nehm dir das nicht übel wenn du verstehst, das das mit dem "scheiß italienern" vielleicht von der person die es rief nur als hinweiß auf die fussballerische leistung gemeint war. oder so. aber es gibt auch andere, die das nicht so reflektieren. es gibt kinder, die so lernen, das es okay ist zu sagen jemand wäre aufgrund seiner herkunft scheiße. und und und
sprachbewusstheit und sprachaufmerksamkeit können helfen berechtigtes entsetzen zu schüren, wenn jemand sag "scheiß italiener". ich hab in bayern schon öfters erlebt das menschen ohne böses zu meinen sagen "das mach ich nicht, ich bin doch nicht dein neger", in freiburg "ich bin doch nicht dein bimbo". das ist dann die nächste stufe. sprachlich fixierter "nicht bös gemeinter" rassismus bildet aber oft nährboden für die akzeptanz der nächst radikaleren gedanken. es scheint übertrieben sich über sowas aufzuregen, aber die diskussion ist nötig. es istnatürlich falsch "scheiß italiener" zu schreien, aber auch zu schockoküssen "mohrenkopf" oderscheinbar noch harmlosere sprachspiele und redegewohnheiten sollten thematisiert werden. nicht im bösen, sondern im guten, gerade wenn der ausspruch nicht verletzend gemeint war. aber was ist verletzender als selbstverständlich, beiläufig und von allen hingenimmen aufgrund seiner herkunft, ethnie, sexuellen orientierung usw. beschimpft zu werden.

Samstag, 09.06.12 10:10
 

Das Problem an sich ist halt schon gegeben, wenn du zwei Nationen gegeneinander antreten lässt. Wie gesagt, ich bin kein Freund von Länderspielen und Nationalmannschaften, alleine schon, weil ich es irgenwie seltsam finde, dass man in dem einem Team nur spielen darf, wenn man dessen Nationalität hat.

Ist wie gesagt beim Song Contest nichts anderes. Nur, dass dort ein anderes Publiukum zuschaut und es nicht ein so großes Ereignis ist wie Fussball.

Ich wette, dass auch beim Song Contest öfter was von 'Sch... LandXYZ gibt sein Punkte immer den gleichen' zu hören ist.

Nett ist das sicher nicht. Aber wie beim Fussball darf man das halt eben nicht auf das Land übertragen, sondern muss es im Rahmen des Wettbewerbes verstehen.

Ansonsten bleibt nur noch die Möglichkeit, dass man verbietet, dass Länder in Wettbewerben gegeneinander antreten.

Samstag, 09.06.12 10:14
 

"und ja ich weiß, es waren vermutlich keine deutschen fans. macht das nen unterschied?" Für Dein Weltbild vermutlich nicht.

Samstag, 09.06.12 13:28
 

@Björn Harris: Ekelhaft, keine Frage, aber sicher nichts explizit Deutsches - das kannst Du in jedem Land der Welt erleben (was es keinen Deut besser macht). - Der Zusammenhang zur EM erschließt sich mir allerdings nicht...
Edit: Könnte den Pfeifen im Video mal jemand sagen, das sie alle selber Wirtschaftsflüchtlinge sind?

Samstag, 09.06.12 16:48
 

da jetzt sowieso der teil anfängt, wo mit dem durchrutschen des artikels auf seite zwei nur noch die menschen hier weiter diskutieren, die sich selber beteiligen oder aktiv für den inhalt interessieren, statt weiterer unausgegorener meinungen und halbwahren behauptungen lieber den start für eine kleine essaysammlung, für alle die weiter lesen wollen, was andere menschen zum thema schwarz-rot-gold geschrieben haben:

die von mir hochgeschätzte juli zeh mit ihrer meinung, das die kritik an deutschland unser nationalgefühl ist und das man das land weder hassen noch lieben muss: http://www.zeit.de/online/2006/40/dlf-schwarzrotgold-juli-zeh/komplettansicht

und hier die studie für alle die behaupten(!) es sei ja wohl nur eine behauptung, dass EM und fussballnationalismus irgendwelche folgen für rassismus hätten. http://www.sueddeutsche.de/kultur/studie-zur-fussballweltmeisterschaft-fussballtaumel-und-fremdenfei[..] ist es ein fehler, solche fakten einfach wie behauptungen aufzustellen (das geht an die autorin), aber wie dummdreist ist es dann, einfach mit eigenenen behauptungen den text an stellen zu hinterfragen, wo es nicht nötig ist (der text ist übrigens sowieso egal, er hat diskussion angeregt, zweck erfüllt, stillpunkte werden dadurch natürlich nicht erhöht). bevor etwa als behauptung "entlarvt" wird und die diskussion mit meinungen und halbwahrheiten weiterhet, lieber mal GIYFF und selber nachsehen ob es denn eine behauptung ist oder vielleicht belege gibt. hilft weiter.

allen fussballfans eine schöne zeit, allen anderen - nutzt die spielzeit für ausflüge usw. - alles schön leer! und thematisiert doch BITTE freundlich wenn irgendwelche rassistischen beleidigungen unter dem deckmantel des sportlichen wettstreits geäußert werden :)

Samstag, 09.06.12 18:48
 

Ein ganz interessanter Artikel, sozialpsychologische Sicht (und die Autorin hat ein ganzes Buch darüber geschrieben, das tu ich mir aber nicht an:
http://jungle-world.com/artikel/2012/23/45605.html

mfy
Samstag, 09.06.12 18:52
 

Hey Heng, wie steht es eigentlich um deine Meinung dazu, dass Menschen heute nicht in die KTS zum "Delicious Offbeat Vibration Festival" gelassen werden - weil sie ein Deutschland-Trikot tragen? Hast du für "Party-Antifaschismus" eigentlich mehr übrig? :)

Eigentlich sollte man sich an einer Diskussion, die man selbst anstößt, auch beteiligen. Naja.

Samstag, 09.06.12 20:40
 

ach was hab ich freiburg vermisst :-)

Samstag, 09.06.12 21:26
 

mfy, hat sie doch noch nie gemacht... sie sitzt vor dem Monitor und berauscht sich an unseren Kommentaren und meint sie besitzt die geistige Überlegenheit, weil wir uns über ihre Meinung aufregen und diese nicht teilen können.

Sonntag, 10.06.12 00:08
 

Lorenz, der eine Antwort auf seinem Blog geschrieben hat, habe ich eine sehr ausführliche Rückmeldung gegeben.
Was soll ich denn groß zu Leuten wie Tatoocheck sagen? "Ich lerne das Muster von Raufastertapete nicht auswendig, weil ich durchaus andere Dinge zu tun habe"?

Natürlich sind einige Aspekte von mir überspitzt worden, hätte ich geschrieben "Ich finde Party-Nationalismus nicht gut, aber jeder soll wissen, was er macht", gäbe es ja keine Diskussion. Meinungs-Formate brauchen nun mal pauschalisierte und polarisierende Fragestellungen.

Mein Verdacht, dass man sich, wenn man sich als "anti-national" outet, Feinde macht, hat sich im Übrigen auch bestätigt, zumal ich bei Facebook Nachrichten bekommen habe, die meilenweit entfernt von jeglicher Argumentation einfach mal ausländerfeindliche und anderweitig diskriminierende Appelle beinhalten.

Viele Diskussionspunkte wurden schon von anderen Usern beantwortet, zum Beispiel dass man nur stolz auf Dinge sein kann, zu denen man selbst etwas beigetragen hat. Ich glaube kaum, dass jemand von euch Goethes Verleger war.

Der Zivilcouragenpunkt bezieht sich auch nicht nur auf Freiburg, sondern auf Gesamtdeutschland. Abgesehen von Großdemonstrationen (d.h., sobald eine Masse dahinter steht und der kleine Bürger nicht alleine agieren muss), ist es eher die Seltenheit, dass Passanten bei einem Überfall auf einer belebten Straße eingreifen.


@mfy: Dass das KTS Leute im Deutschlandtrikot nicht reinlässt, hat was mit dem politischen Hintergrund zu tun. Es stimmt schon, dass da jemand ausgeschlossen wird, aber was soll ich sagen?
Der Artikel war auch ursprünglich auf die Doppelmoral von vermeintlichen Frittenbude-Fans geschrieben, aber da die Band hier im Süden nicht so bekannt ist wie um Hamburg, wäre es für viele nicht ganz nachvollziehbar gewesen. Vielleicht hätte ich den Absatz für die neuere Version rausstreichen können, aber das lag mir auf dem Herzen.

Ich finde übrigens auch nicht, dass der Satz "Jeder soll tun, was er liebt" mit dem Statement, dass es sinnvoller (!) wäre, sich über Rechtsextremismus und dessen Wurzeln zu informieren, im Widerspruch steht. Nur weil ich darüber schreibe, dass ich Party-Nationalismus (oder obszön knutschende Menschen) scheiße finde, heißt es ja noch lange nicht, dass ich es verbieten lassen möchte oder dass jeder, der sich eine Deutschlandfahne ins Gesicht malt, ein schlechter Mensch ist. Leider verhalten sich hier einige Leute so, als hätte ich deren Mütter beleidigt und gleichzeitig deren (zukünftigen) Kindern den Ausbildungsplatz weggenommen. Diese Empörung darüber, dass das Thema überhaupt angesprochen wird, zeigt doch gerade, dass der Artikel gar nicht mal so Fehl am Platz ist.
Es ist verdammt noch mal eine Ansicht zu Dingen und wenn andere Leute dem ganzen total widersprechen würden, hätten nicht über 1.500 Leute auf Facebook den "Gefällt mir"-Button gedrückt.

Sonntag, 10.06.12 01:45
 

facebook hat halt keinen "dislike"-button, wie immer wieder bemängelt wird.
das problem ist ja die form. die mehrheit wird dir zustimmen, dass man niemanden aufgrund seiner herkunft ablehnen kann und dass - wenn so etwas geschieht - es überhaupt nicht klar geht.
"leider" schlägt man sich nicht gern auf die seite der mangelnden recherche und plattitüden/billige klischees/an den haaren herbeigezogene verknüpfungen.
aber du sagst ja selbst, dass du polarisieren wolltest.
ob das ein guter grund ist, zu schreiben, beantwortest du sicher anders als ich.
ich denke, es tut der sache selbst letztendlich nicht gut.

Sonntag, 10.06.12 06:30
 

Heng, dann darf man nur Stolz sein auf das selbst erreichte?
Also darf ich nicht mich über die Leistung meiner Kinder, meiner Geschwister oder Eltern definieren bzw Stolz auf das von ihnen vollbrachte?
Ich habe das mit Goethe gebracht, weil ich dazu eine schöne Erinnerung habe...
Vor 6 Jahren waren wir in Dubai, vom Flughafen nach Ras al Khaimahkamen wir mit unserem Fahrer aus Pakistan ins Gespräch. Woher, was für Gründe hier zu sein usw... Smalltalk.
Und aus dem nichts kam: O es ist mit der Ferne wie mit der Zukunft! Ein großes dämmerndes Ganze ruht vor unserer Seele, unsere Empfindung verschwimmt darin wie unser Auge, und wir sehnen uns, ach! unser ganzes Wesen hinzugeben, uns mit aller Wonne eines einzigen, großen, herrlichen Gefühls ausfüllen zu lassen. - Und ach! wenn wir hinzueilen, wenn das Dort nun Hier wird, ist alles vor wie nach, und wir stehen in unserer Armut, in unserer Eingeschränktheit, und unsere Seele lechzt nach entschlüpftem Labsale.

Der Pakistani hatte keine Ahnung von dem was er da zitierte und wir habnes dann mit ihm versucht, weil er den Inhalt begreifen wollte...
Ich habe erst viel später mal rausgebracht, daß er den Werther und seine Leiden zitiert hat.
Da war ich dann doch ein bischen Stolz auf "unseren" Goethe...

Sonntag, 10.06.12 09:22
 

http://tinyurl.com/76p25wy

leute auf public viewings haben zumeist keine ahnung von fußball! aber jeder der will soll hingehen, ich kann das halt nicht ab. jedoch ist es wohl in 95% der fälle kompletter schwachsinn, den leuten zu unterstellen sie seien "party-nazis"...es sind einfach diese "party-fans", die mittlerweile alle 2 jahre was feiern wollen.

@heng: ich finde deinen artikel nicht besonders gut, da du weniger durch den inhalt (geht insgesamt sicherlich in die richtige richtung) als vielmehr durch eine unerträgliche, zur arroganz neigende schreibe polarisierst. und so etwas ist, gerade bei einem solchen thema, definitiv nicht hilfreich. außer um klicks zu generieren.....

Sonntag, 10.06.12 11:19
 

"Leider verhalten sich hier einige Leute so, als hätte ich deren Mütter beleidigt und gleichzeitig deren (zukünftigen) Kindern den Ausbildungsplatz weggenommen."
ausgesprochen schöne formulierung, muss ich mir unbedingt merken!

@mfy, es gibt allerorts locations wo man mit fußballtrikot nicht rein kommt bzw em/wm/kreisliga freie zonen. das ganze gibts ja auch bezüglich karneval und verkleideten zeitgenossen. das hat in den meisten fällen (kts möglicherweise ausgenommen) nicht mit politik sondern mit kultur zu tun.
ich meine mich zu erinnern das einem bekannten von mir mit sc trikot der eintritt ins räng teng teng verwehrt wurde.
aber die gute nachricht: es gibt hunderte orte wo man mit deutschland trikot herzlich willkommen ist!

Sonntag, 10.06.12 11:56
 

Was ich schade finde: Eigentlich bin ich ja deiner Meinung.

Hier

"ist Patriotismus im Allgemeinen und Party-Nationalismus im Speziellen total eklig. "

und

hier

"Ohne Gewissen, nur den Spaß und die Richtung des Stroms vor Augen, geht es den Leuten nur darum, keine Sauf-Möglichkeit zu verpassen, in allem ganz vorne mit dabei zu sein und einen auf hart zu machen, auch wenn Widersprüche entstehen."

stimme ich dir voll und ganz zu. Auch in anderen Teilen des Textes.

Leider sind das aber nur wenige Pasagen. Im Rest des Textes verwurstest du dann Arguemente, Verallgemeinerst und scherst alle Fussballfans über einen Kamm. Ich als (links) politischer Fussballfan fühle mich da verarscht und diskrimkinert. Du kennst da aber keinen Unterschied. Das finde ich traurig.

Cih verstehe es, wenn Leute die Deutsche Nationalmannschaft gut finden. Wie schon in meinem Beitrag davor angesprochen, bin ich da kein großer Fan von. Dass es Leute gibt, die einfach nur den Fussball mögen kommt dir scheinbar nicht in den Sinn.

Muss man das Land Deutschland gut finden, wenn man die deutsche Nationalmannschaft gut findet?

Ich sehe da einen großen Unterschied zwischen 'unserer' Nationalmannschaft und unserem Land. Du scheinbar nicht.

"Und anstatt das Geld für Fanartikel aus dem Fenster zu werfen, kann man sein Umfeld und sich selbst über die lokale Fascho-Szene informieren."

Kann man denn nicht aus beides machen?
Und wer sagt denn, dass es nicht Leute gibt, die sogar beides machen? Ich sehe hier absolut keinen Zusammenhang. Das ist bei deinem Artikel leider durchgängig so.

Wie schon gesagt, eigentlich stimme ich dir bei großen Teilen zu. Nur leider ist dieser Artikel ziemlich schlecht geschrieben. Hätte man besser machen können/müssen!

Sonntag, 10.06.12 13:52
 

@Don A*

Danke für den Link und volle Zustimmung!

Sonntag, 10.06.12 16:47
 

das argument "dass man nur stolz auf Dinge sein kann, zu denen man selbst etwas beigetragen hat" verfehlt den kern der sache nur knapp. während ich nicht abstreite, dass nationalstolz für viele leute, die sonst wenig haben, auf das sie stolz sein könnten, eine krücke darstellt, ähnlich wie rasse oder 1500 facebooklikes oder viele andere sachen, würde ich nicht sagen, dass es in erster linie darum gehen soll, sich selbst aufzuwerten.

denke im idealfall geht es darum, dass man sich sein gemeinwesen in raum und zeit ansieht und sagt yep, das sind coole leute, mit denen identifiziere ich mich, denen eifere ich nach und daran will ich mitarbeiten - etwas beitragen eben. idr schält sich ja ein kanon von leuten heraus, die für das stehen, was der herausschälende für nachahmenswert hält (zur not interpretiert man sie ein bißchen neu), also zb der arme goethe, weil er irgendwie abstrakt für bildung steht, aber aktueller und brd-spezifischer zb NS-widerständler. so baut man sich sein quasisäkulares pantheon und seinen metaphernvorrat staatsmetaphysischen diskurses.

dass das im kontext eines emotional und alkoholisch hochaufgeladenen massenereignisses in gruppenbezogene menschenfeindlichkeit kippen kann ist klar - in diesem land werden jedes wochenende leute vermöbelt, weil sie aus der falschen stadt kommen - und stellt das system nicht unbedingt in frage denke ich. gruppendenken und gewaltneigung sind wahrscheinlich in gewissem umfang eine anthropologische konstante.

aus dem kts-umfeld kommt es ja auch ohne nationalstolz - bzw eben aus dessen spiegelbildlicher verkehrung heraus, was ja quasi dasselbe ist, vgl zb diesen zeh-essay in der zeit, der weiter oben glaube ich verlinkt wurde - zu nicht ganz unerheblicher gruppenbezogener menschenfeindlichkeit, und es ist ja, wenn man den artikel liest, offensichtlich wieso: nur weil man lautstark der nation abschwört ist man noch nicht intelligenter, friedfertiger, demütiger oder einfühlsamer geworden.

Sonntag, 10.06.12 19:57
 

"zu nicht ganz unerheblicher gruppenbezogener menschenfeindlichkeit, und es ist ja, wenn man den artikel liest, offensichtlich wieso: nur weil man lautstark der nation abschwört ist man noch nicht intelligenter, friedfertiger, demütiger oder einfühlsamer geworden." das bringt es sowas von auf den Punkt, wunderbar...

Sonntag, 10.06.12 20:15
 

also mal provokant ausgedrückt nach obigen "nationalstolz" -erklärungen.
der prototyp des "natinalstolzen" fussballfans ist also beruflich erfolglos, hässlich und leidet unter vorzeitigem samenerguss ?
und z.b nationen wie italien oder england sind deswegen so stolz auf ihre mannschaften weil sie sonst nix auf die reihe bekommen ?
vielleicht erklärt sich ja auch daraus das gebildete menschen so gerne golf und tennis spielen ?

unterm strich ist es eben nicht so einfach und kommt überheblich und arrogant rüber, was teilweise die reaktionen auch erklärt.

meistens ist die masse nicht das gefährliche, sondern die paar wenigen ( übrigens oft sehr intelligente , gebildete ) leute die sie lenken.

natürlich hat "unser" land seine vergangenheit, dazu gehört aber nicht nur das dritte reich und die braune gefahr auf die es manche gerne reduzieren.
künstlerische,wissenschaftliche errungeschaften werden da gerne weggelassen ,sowie
politisch und ideologisch motivierte taten, wie bombenanschläge, flugzeugentführung, attentate auf botschaften oder staatsangestellte, oder einfach nur auf menschen die den klassenfeind vertreten aus unsere jüngeren werden da gerne ausgeblendet.

und nicht das "scheiss italiener/etc. geplärre von ein paar besoffenen deppen ist das problem sondern die alltägliche fremdenfeindlichkeit hinter vorgehaltener hand.

und zum thema stolz: manche junge eltern sind stolz wenn der kleine racker seine windel mal so richtig vollgekackt hat , andere sehen darin halt nur einen haufen braune scheisse.

irgendwo hatte ich es schon mal erwähnt; schaut euch mal den film " der gott des gemetzels " an, da wird sehr schön dargestellt was passiert wenn man sich oder seine art zu leben als überlgen oder die einzig richtige erachtet.


Wolke hat den Kommentar am 10.06.2012 um 20:23 bearbeitet
Montag, 11.06.12 16:28
 

ich kann jedem Menschen empfehlen, sich einmal, sich einmal mit der holistischen »Integralen Theorie« des Amerikanischen Autors Ken Wilber auseinanderzusetzen. Nach dieser Theorie (in der er die Gedanken von vielen anderen aus allen möglichen Breichen aufgegriffen und logisch geordnet hat) ist Nationalbewusstsein eine Zwischenstufe auf dem Weg zum »weltzentrischen Bewusstsein«, das u. a. verstanden hat, dass alle Menschen gleichwertig sind. Ein Rassist wäre demnach auf einer Zwischenstufe der Entwicklung des menschlichen Bewusstseins auf neurotische Weise »hängengeblieben«. Wilber beschreibt diese Entwicklung sowohl in Bezug auf das Individuum (vom Neugeborenen zum Erwachsenen, der sich immer weiter entwickeln kann) als auch in Bezug auf das Kollektiv (die historische Entwicklung von der Urmenschengesellschaft bis hin zu unserer postmodernen Gesellschaft und weiter zu dem, was hoffentlich noch kommt). Als Einstieg in die Thematik empfehle ich Wilbers Roman »Boomeritis«.

Stolz bin ich nur auf das was ich selbst geschafft/geschaffen habe. Das was aus Deutschland in die Welt gekommen ist (und das war weit mehr als das Unheil der Jahre 1933–1945), z. B. Bach, Beethoven, Goethe, Schiller, um nur einige Beispiele zu nennnen, gehört allen Menschen und alle Menschen können es verstehen, wenn sie sich darauf einlassen.
»Alle Menschen werden Brüder [und Schwestern],
wo Dein sanfter Flügel weilt«

Damit wären wir beim Fussball angekommen, auch wenn sich die Freude da oft recht plump ausdrückt. Ein Wir-Gefühl ist nur dann schlecht, wenn es beim »Wir gegen die« bleibt und sich nicht zu einem »Wir alle« entwickelt.

Interessant in diesem Zusammenhang ein Zitat aus einem Guardian-Artikel zur EM 2012:

»The ugly xenophobia is keeping fans from outside Poland and Ukraine away from Euro 2012, but anti-racist campaigner Pankowski sees the tournament as a "historic event. It is forcing people to have a positive confrontation with multiculturalism."«

http://www.guardian.co.uk/world/2012/jun/02/euro-2012-antisemitic-football?IN[..] Artikel zeigt auch, dass es Rassismus überall gibt, nicht nur in Deutschland. Und dass wir ihn überall überwinden müssen …

Montag, 18.06.12 12:38
 

@Griptape LOL

Dienstag, 19.06.12 16:58
 

das eine schliesst das andere nicht aus...

schweinelustiger artikle grip !

Dienstag, 26.06.12 17:43
 

@Griptape:
Anstatt Tippfehler der Jugendlichen auf Papierflyern zu kritisieren, sollte die Springer-Presse sich vielleicht auf eine einheitliche Schreibweise der Antifa einigen (wenigstens innerhalb eines Artikels).

Donnerstag, 29.05.14 23:36
 

6202 Likes - bald geht's wieder los :-) !

Sonntag, 15.06.14 16:11
 

Auch die SZ greift das Thema jetzt auf: http://bit.ly/TO4ZFa

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