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Wie werde ich (Werbe-)Sprecher?

Wir tun es jeden Tag, manche mehr, andere weniger: sprechen. Martin Magestro verdient damit sein Geld: als 'Station Voice' von ProSieben spricht er Trailer und Jingles für den Sender. Auch für Werbespots, zum Beispiel für Fernseher oder Rasierer, gibt er seine Stimme her. fudder hat er verraten, wie er dazu gekommen ist.

Schaltet man den Fernseher ein, sieht man Martin Magestro zwar nicht auf dem Bildschirm, dafür hört man oft seine Stimme. Zum Beispiel in Werbe-Clips von Gillette oder Samsung, sowie in Trailern und Musikempfehlungen auf ProSieben, deren 'Station Voice' er ist. Ab und an spricht er auch Rollen in Hörspielen – allerdings nur, wenn die Textlänge überschaubar ist. „So was wie Harry Potter hätte ich nie gesprochen“, sagt er, „der Text wäre mir viel zu lang gewesen.“

Martin Magestros Leidenschaft für das Nach-Sprechen fing schon im Sandkastenalter an, als er Hörbücher angehört und nachgeplappert hat. Das rät er übrigens auch Leuten, die sich für den Beruf interessieren. Dabei sollten sie nicht die Stimme sondern vielmehr die Satzmelodie imitieren. Wer das ganze aufnimmt, kann am Ende auch sein eigenes Ergebnis mit der Originalvorlage vergleichen und so von den Profis lernen. Eine schöne Stimme allein reicht allerdings nicht, um auch davon zu leben.

„Viele Leute gehen davon aus, dass die einzige Vorrausetzung für diesen Beruf eine gute Stimme ist“, sagt Martin Magestro, „aber nur weil die Freundin sagt, man habe eine gute Stimme, heißt das noch lange nicht, dass man Sprecher werden kann. Für diesen Beruf machen die Stimme und das Talent nur etwa zwanzig Prozent aus. Der Rest ist Gefühl für Melodie – und das innerhalb von Sekunden, denn Angaben müssen sofort umgesetzt werden.“ Am Ende soll der Spot aus einem Guss sein, dafür müssen Gefühl, Melodie, Haltung und Rhythmus beibehalten werden.

"DIE TUDORS: Die letzten Tage des Königs" - ProSieben Trailer "Shakespeare"
Quelle: YouTube



„Das Sprechen gleicht dem Singen“, sagt Magestro. „Wenn ich einen Text lese, höre ich in meinem Kopf schon eine bestimmte Melodie.“ Die Verbindung zu Musik kommt nicht von Ungefähr: Der ProSieben-Sprecher hat früher Gesang studiert und wie eine ganze Reihe seiner Sprecher-Kollegen in verschiedenen Bands gespielt. Hat einer der Kollegen Kenntnisse in Musik oder Schauspiel, fällt das Magestro oft auf, nicht nur bei anderen Sprechern, sondern auch bei Cuttern: „Es gibt Cutter, die den Schnitt perfekt auf das Timing der Musik abstimmen.“

Ein Gefühl für Satzmelodie, Übung und die Macht des Zufalls – das ist das leicht vage Rezept für eine Karriere als Sprecher. Eine gängige Ausbildung gibt es nämlich nicht. Sprecher-Akademien garantieren nur eines: Hohe Kosten. Die Aussicht auf Aufträge danach fällt dennoch oftmals ernüchternd aus.

Auch Martin Magestro ist in das Sprecher-Business eher zufällig reingerutscht: Im Musikstudio war Not am Mann. Ein Tonregisseur bat Magestro, für einen kurzfristig erkrankten Sprecher einzuspringen. Und von da an wurde er öfter zum Sprechen gebeten. „Ich hab viele Jahre lang so Wald- und Wiesensachen gemacht, für regionale Kunden“, erzählt er. 1998 ließ er es dann drauf ankommen: Magestro ging zu den zehn größten Studios in Deutschland und stellte sich ungefragt vor. „So was würde heute wahrscheinlich nicht mehr so funktionieren.“ Bei Martin Magestro hat es aber geklappt: Einige Studios meldete sich und engagierten ihn.

 
ProSieben Trailer "James Bond: Casino Royal" (lang) :Amok
Quelle: YouTube




Der Durchbruch in der Sprecherszene gelang ihm unter anderem durch einen Werbespot für Colgate. Seitdem arbeitet er für einen Großteil der Studios in Deutschland. Als erfolgreicher Sprecher kann der Freiburger sich seinen Terminplan quasi selbstständig zusammenstellen und sein eigener Chef sein. „Na ja, ziemlich zumindest“, sagt er, „wenn meine Stimme irgendwann nicht mehr gefragt sein sollte, ist es damit auch vorbei. Aber bis jetzt war das zum Glück nicht der Fall.“

Magestros raue Stimme ist gefragt. „Vor einer Aufnahme rauche ich immer drei, vier Zigaretten“, sagt er, „einem Teenager könnte ich so natürlich keine Stimme verleihen, auch für Werbungen mit Märchenonkel-Stimme bin ich der falsche Mann.“ Aber Werbungen sind vielfältig; Texte, die gesprochen werden müssen, gibt es en masse, bis die gesprochen in der Kiste ist, wird viel hin und hergefunkt zwischen Werbeagentur, Studio und Sprecher. Typischerweise läuft das ungefähr so ab: Werbeagenturen, die auf der Suche nach einem Sprecher sind, teilen den Verantwortlichen der Studios die gewünschten Vorstellungen der Sprecher-Stimme mit, zum Beispiel „rau und männlich“. Das Studio wirft einen Blick in seine Datenbank, schaut, wer zu Text und Anforderungen passt und schickt der Werbeagentur Demoversionen mehrerer geeigneter Sprecher. Sollte sich die Werbeagentur dann für Martin Magestro entscheiden, ruft das Studio ihn an.

Samsung 3D LED TV Werbung Deutschland
Quelle: YouTube



Nun gibt es drei Möglichkeiten, den Auftrag des Kunden zu bearbeiten: Martin Magestro könnte ins Studio fahren und dort einsprechen – inzwischen macht er das aber fast gar nicht mehr. Stattdessen bekommt er den Text per Mail. Entweder spricht Magestro ihn dann in Eigenregie ein und schickt die fertige Tondatei zurück, oder es gibt eine Art Schalte zwischen ihm und dem Studio, eine Link-Übertragung: Dabei werden Audiodateien über mehrere Telefonleitungen übertragen und gebündelt. Das kommt dann im Studio an wie live gesprochen. So kann der Auftraggeber noch während der Aufnahme Einfluss nehmen und Wünsche äußern.

„Manche wollen dann, dass die Stimmung ruhiger, erotischer oder werblicher klingt, das berücksichtige ich dann“, sagt Magestro. „Nur Aussagen wie 'ein bisschen emotionaler, bitte' kann man nicht umsetzen. Es kam auch mal vor, dass ich gemerkt habe, dass die Werbeagentur eigentlich eine ganz andere Stimme haben wollte. Da wird man dann auch schon mal wütend und sagt denen die Meinung: 'Pass mal auf! Such dir einen anderen Sprecher – denn mich willst du ja offensichtlich nicht haben.' Das kommt aber zum Glück nur sehr selten vor.“

Mit einigen Kunden, zum Beispiel Gillette, arbeitet Martin Magestro auch schon über viele Jahre hinweg zusammen. Das tut auch dem Geldbeutel gut: Das Honorar hängt nämlich nicht von der Anzahl der Sätze ab – der Kunde kauft vielmehr das 'Recht an der Stimme', allerdings immer nur für einen begrenzten Zeitraum. Je nach Ausstrahlungsmedium und -häufigkeit fällt das Honorar höher oder niedriger aus. Dabei macht es zum Beispiel einen Unterschied, ob ein Spot im Radio oder im Fernsehen ausgestrahlt wird, im Inland oder im Ausland.

Martin Magestro würde den Job am liebsten für immer machen: „Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder in bekomme Kehlkopfkrebs oder ich falle irgendwann tot um, bis dahin habe ich nicht vor in Rente zu gehen.“

Exklusiv: Paul Biedermann im neuen Gillette TV-Spot (Olympische Spiele London 2012)
Quelle: YouTube
 




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