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Coworking: Selbständig arbeiten, aber nicht allein

Ist von neuen Arbeitsformen die Rede, fällt häufig das Wort Coworking. Wörtlich aus dem Englischen übersetzt, bedeutet es nicht viel mehr als „zusammen arbeiten“. In Deutschland gibt es mehr als 70 dieser Coworking-Spaces mit rund 1850 Arbeitsplätzen, die in weniger als fünf Jahren eröffnet wurden. Die Tendenz ist steigend. Wie sieht es in Südbaden mit Coworking-Angeboten aus? Bernhard Amelung hat sich auf die Suche gemacht.

Das Prinzip Coworking ist schnell erklärt: Junge Einzelunternehmer, Freiberufler  und selbständig Arbeitende aus den unterschiedlichsten Branchen schließen sich zusammen, mieten einen für ihre Projekte und Zwecke geeigneten Arbeitsraum und sorgen dafür, dass dieser über eine Grundausstattung wie Tische, Stühle, W-LAN, Telefonflatrate, Drucker, Scanner und Aufbewahrungsmöglichkeiten verfügt. Oftmals ist auch ein Besprechungszimmer mit Beamer und Flipchart für Präsentationen und Referate dabei. Je nach persönlichem Bedarf können die Arbeitsräume dauerhaft oder zeitlich begrenzt angemietet werden.

Also doch eine klassische Bürogemeinschaft? Nein.  Denn ein Coworking-Space – also eine Art Arbeitsraum – ist lediglich ein Büro mit Kollegen. Es unterscheidet sich von der Bürogemeinschaft durch seine offenen Strukturen und den Faktor Zeit. Dieser Ort möchte produktives Arbeiten fernab von Hierarchie- und Konkurrenzdenken ermöglichen und eine Plattform für kreativen Austausch und Networking bieten.  Auf Grund der Projekt- und Zeitbezogenheit der Arbeit ist eine Coworking-Gemeinschaft nicht auf Dauer angelegt.

Für solch innovatives Zusammenarbeiten in  Freiburg verzeichnen soziale Netzwerke wie Facebook und Xing keine Einträge. Die Schlagwortsuche mit Worten wie „Coworking Freiburg“, „Flexible Office Freiburg“ oder „Desk Share Freiburg“ verläuft ergebnislos. Die Googlesuche bringt jedoch Erfolg. Sie führt zu der Internetadresse coworkingfreiburg.de. Dahinter steckt ein Coworking-Space in bester Innenstadtlage: an der Mehlwaage 2, gleich hinter dem Martinstor. Gegründet haben ihn Mathias Doenitz und Thomas Schlenkhoff, die sich hier mit ihrem kleinen Unternehmen für Mobilfunkkommunikationslösungen niedergelassen haben. Seit Januar 2011 bieten die beiden Arbeitsraum samt Infrastruktur wie Internet und Telefonflatrate zu einem  Preis von 225 Euro im Monat an.

„Leider sind wir zurzeit so gut wie ausgebucht“, sagt Schlenkhoff. „Die Nachfrage nach zeitflexibel anmietbarem Arbeitsraum in Freiburg ist enorm.“ Doenitz ergänzt: „Wer bei uns für einige Monate oder auf unbestimmte Zeit arbeiten möchte, muss sich leider etwas gedulden. Doch tageweise haben wir immer wieder ein Plätzchen frei.“ Die Tagespauschale beträgt 12 Euro. Dies und die verkehrsgünstige Lage tragen dazu bei, dass Schlenkhoff und Doenitz schon jetzt auf „unzählige Alumni“ zurückblicken, wie sie ihre ehemaligen Mitmieter bezeichnen.

Die weitere Suche nach Coworking-Spaces in Freiburg verläuft unbefriedigend. Das Technologiezentrum Freiburg, getragen von der Freiburg Wirtschaft, Touristik und Messe  GmbH, vermietet weder monats- noch tageweise. Ein weiterer Anbieter hat in einem Selbstaushang auf seine Arbeitsräume aufmerksam gemacht. Telefonische Anfragen und mehrere E-Mails bleiben aber unbeantwortet. Weitere Tipps und Hinweise auf Objekte mit günstigem Büroraum erweisen sich als nicht zwecktauglich. Bei ihnen handelt es sich um klassische Bürogemeinschaften. Deren Gründer wollen von einer monatsweisen Anmietung nichts wissen. So wird bei der Suche deutlich: Das Coworking-Phänomen ist vielen Freiburgern noch unbekannt.

Diese Erfahrung, allerdings aus Anbietersicht, hat auch Thorsten Karas gemacht. 2010 hat er eine Initiative zur Gründung eines Coworking-Space gestartet. Doch das Projekt kam nie zustande. Der Grund: Die hohen Geschäftsraummieten in Freiburg. „Diese schrecken Jungunternehmer und Freelancer gerade in der Anfangsphase ab, den Schritt in ein eigenes Büro zu wagen“, meint Karas. Zum anderen würden Büroräume, die außerhalb des Fadenkreuzes Bertoldstraße/Kaiser-Joseph-Straße liegen, nicht nachgefragt: „Zähringen oder Littenweiler – das ist für viele schon zu weit weg.“



Etwas einfacher ist es im Vergleich dazu, als Kunstschaffender oder Kreativberufler in einer Ateliergemeinschaft unterzukommen.  Moritz Esser und Silke Jaspers von der Alten Blechnerei verstehen sich jedoch nicht als klassische Coworking-Anbieter. „Wer bei uns einen Platz zum Arbeiten nachfragt, sollte bevorzugt im Bereich Grafik und Design tätig sein“, so Esser. Silke Jaspers ergänzt: „Wir verstehen uns als WG. Deshalb suchen wir kreativ tätige Menschen, die langfristig in unserem Atelier arbeiten.“

In der Region Südbaden ist die Angebotslage ähnlich dünn. Hier gibt es das Leitwerk in Emmendingen, das auch Tagesbüros anbietet, sowie das Kreativbüro für Design und Kommunikation von Christian Bucher in Waldkirch . Es befindet sich auf dem Gelände des Unternehmenszentrums „Fabrik Sonntag“, auf dem zahlreiche Jungunternehmer, Ateliers, aber auch Praxisgemeinschaften untergebracht sind. Daher bezeichnet Bucher sein Büro auch als „Coworking-Space im Coworking-Space“. Seit er als selbständiger Designer und Creative Director in einem Coworking-Office arbeitet, möchte er dessen Vorteile nicht mehr missen.

„Wenn du mit Freiberuflern aus unterschiedlichen Branchen zusammen arbeitest, ergänzen sich die Kontakte gegenseitig.“ Außerdem sei immer jemand da, der einen kritischen Blick auf die Arbeit werfen und Post oder Anrufe entgegennehmen könne, wenn man einmal bei einem Termin ist.
So unterschiedlich die Menschen und Berufsbilder sind, so einheitlich formulieren Bucher, Schlenkhoff und Jaspers die Quintessenz des Coworking: „Wir wollen selbständig arbeiten, aber nicht alleine sein.“  

Coworking in Freiburg und Umgebung

Coworking in Freiburg
An der Mehlwaage 2
79098 Freiburg
coworkinginfreiburg.de
info@coworkinginfreiburg.de


Die Alte Blechnerei
Brombergstraße 21
79102 Freiburg
alteblechnerei.de
Facebook: Alte Blechnerei


KHRi8! more playgrounds
Kreativbüro für Design & Kommunikation
Fabrik Sonntag 4b
79183 Waldkirch
khri8.com
Facebook:KHRi8!


Leitwerk Emmendingen
Forum für Kommunikation
Denzlingerstraße 27
79312 Emmendingen
lwem.de
info@lwem.de

UKS Fabrik Freiburg
Am Kreuzsteinacker 2 – 8
79117 Freiburg
uks-fabrik.de
kontakt@uks-fabrik.de  




Foto-Galerie: David Cibis

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 11
Mittwoch, 11.01.12 09:31
 

artgerechte hipsterhaltung ^^

Mittwoch, 11.01.12 09:40
 

„Coworking Space“
„Flexible Office“
„Desk Share“

Alleine die Bezeichnungen klingen schon nach Erfolg und Kompetenz.

Und wenn es dann doch nichts wird gibts halt Down-Under-Replacement mit Workless-Support.

Mittwoch, 11.01.12 10:03
 

„Leider sind wir zurzeit so gut wie ausgebucht“ - sagt ein (klein-)Unternehmer? Aus seiner Sicht wäre es doch wohl eher
„Zum Glück sind wir zurzeit so gut wie ausgebucht“ - gerade weil seine Kosten ja wohl vor allem Fixkosten sind: Miete, Einrichtung (Abschreibung), Heizung, Netzanschluss ...

Mittwoch, 11.01.12 11:00
 

@Christian: Tom Schlenkhoff ist kein kommerzieller Anbieter von Co-Working-Plätzen und würde liebend gerne die starke Nachfrage bedienen können. Daher das "leider". Ansonsten ist er natürlich zufrieden, gerade auf Grund der Fixkostenreduzierung.

Mittwoch, 11.01.12 11:13
 

Ja vielleicht ist das sowieso die bessere Idee - wenn einer der selbst in einer solchen Lage ist das was er früher gerne gehabt haette, in der Zwischenzeit irgendwie bekoemmen hat, und jetzt anderen Leuten die ähnlich sind wie er anbietet.

Im Gegensatz zum fachfremden Profi - also zum Beispiel wenn eine Hotelkette Situngszimmer oder gar Schlafzimmer in Coworking-Arbeitsplaetze verwandeln würde. Oder wenn das Holla-die-Waldfee zu einer Grossraum-Coworking-Lounge wird. Mit Afterwork- (also ab 23 Uhr) Party im Büro.

Mittwoch, 11.01.12 12:31
 

Dinge die die Welt nicht braucht...

Mittwoch, 11.01.12 13:02
 

Mich wuerde mal interessieren, was das fuer leute sind die solche dienste in anspruch nehmen (ein buero fuer ein Tag, etc..) Wenn bei uns freelancer oder allgemein externe herangeholt werden, stellen wir denen immer bei uns einen vollwertigen beuroarbeitsplatz bereit, also fallen solche freelancer schon mal weg. Wer hingegen was "festes" macht wird sich ja eher eine klassische Buerogemeinschaft suchen oder gleich selbst etwas anmieten oder?

Donnerstag, 12.01.12 10:20
 

danke für die bilder, sehr beeindruckend. menschen an ihrem arbeitsplatz [und apple-produkte]

warum nennt man das ganze nicht einfach unter- oder zwischenmiete von büroraum?

Donnerstag, 12.01.12 10:50
 

weil "unter- oder zwischenmiete von büroraum" ein seltsamer Begriff ist, schwer auszusprechen, und viel länger als "Coworking"?

Ernsthafter: wenn schon der WG Vergleich kommt: ich denke dass ein Hauptproblem sein koennte: verschiedene Geschmaecker wegen Musik oder lauten Telefonaten am Arbeitsplatz, wer spült das Geschirr, ist es O.K. sich vom Tisch des anderen einen Schreibstift zu nehmen, räumt man alles gleich auf oder ist es O.K. wenn Pilze aus der alten Pizzaschachtel herauskriechen? Kann ich dem Eintagesmieter vertrauen dass er mir nicht den USB Stick klaut? Die ganz kleinen praktischen Dinge halt.

Donnerstag, 12.01.12 12:04
 

wobei untermiete von büroraum genau dass ausdrückt was gemeint ist, nämlich eine reine dienstleistung.

coworking dagegen erweckt den eindruck von zusammenarbeit, der ja expliziet nicht gegeben ist...

schade, dass der Artikel keine möglichen "Nutzungsfelder" aufzeigt. Mir fällt wirklich wenig ein, wo ich ein Büro nur für 1-2 Tage brauchen würde...

Freitag, 13.01.12 10:54
 

Versteh nicht ganz, warum man sich gegen neu aufgemotzte Ideen wehrt. Wenn es nur der Begriff ist, dann liegt das doch nicht an der Sache selbst. Natürlich stossen manche dieser modernen englischen Begriffe auf, aber der Freelancer, die AfterWork Party und das Car Sharing gehen mittlerweile einfach von den Lippen.
Die Sache des CoWorkings ist vielleicht einfach nur die Bürogemeinschaft 2.0. NetWorking hat sich als Begriff in der Arbeitswelt vollkommen etabliert und ist auch nur Zusammenarbeit 2.0.
CoWorking bedeutet für mich, die perfekte Ausnutzung von vorhandenen Ressourcen, innovatives Denken am Puls der Zeit, fach-spezifische und -übergreifende Kommunikation, Disziplin, Teamfähigkeit und Flexibilität.
Aus meiner Erfahrung bilden sich in etlichen Bereichen Schnittstellen, welche eine Eigendynamik entwickeln und somit eine grosse Bereicherung darstellen. Oftmals ergibt sich daraus ein gemeinsames Projekt, eine Vermittlung von Jobs untereinander oder einfach nur ein kreativer Austausch.

Beispiele für CoWorking:
- Inhaber und Kommunikationdesigner Vollzeit.

- Ein selbständiger Mediendesigner und Familienvater nutzt den CoWorking Platz für 3 Tage die Woche, da er den Rest von zu Hause macht und somit 3 Tage konzentriert Arbeiten kann und den Rest der Woche seine Familie integrieren kann.

- Ein selbständiger Grafiker und Photograph aus Berlin hat ein Projekt von 1 Woche hier im Ländle und benötigt etwas mehr Infrastruktur als nur sein Laptop und seine Kamera.

- Ein Diplomand schreibt seine Abschlussarbeit und braucht den Anreiz eines Arbeitsplatzes, um sich auf seine Sache besser konzentrieren zu können.

- Ein freier Texter nutzt einen Platz gelegentlich für redaktionelle Arbeiten, um für ein Buch zu recherchieren und zu verfassen.

- Ein Verein nutzt die vorhandene Infrastruktur, um seinen bürokratischen Aufwand zu erledigen.

Folgende Schnittstellen und Vorteile ergeben sich:
Der Mediendesigner arbeitet bei aufwändigen Projekten mit mir und dem freien Texter. Ich tausche mit dem Mediendesigner Wissen aus und wir unterstützen uns in kreativen Bereichen und Gesprächen. Zudem besitzen wir beide eine hervorragende Kameraausrüstung und gehen zu manchen Shootings zu zweit und können somit effizienter arbeiten. Der freie Texter schreibt oder korrigiert Texte, die anfallen, wenn die Zeit dafür vorhanden ist. Der Verein profitiert von ehrenamtlichen grafischen Dienstleistungen und kann alle vorhandenen Kontakte zu Unternehmen vor Ort nutzen. Der Diplomand öffnet einen detaillierten Einblick in ein wissenschaftliches Thema. Alles in allem ist das eine "Win-win-Situation".

"Move your ass and your mind will follow." (Mitropamusik)

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