zur Startseite
Passwort vergessen?
 

Chris Kilchling: Ein Freiburger designt Unterwäsche in Kapstadt

Früher stand Chris Kilchling im Waldsee hinter der Bar, heute führt er sein eigenes Unterwäsche-Label in Südafrika. Mit 24 ging der geborene Freiburger zum Design-Studium nach Kapstadt, mittlerweile verkauft er seine selbst kreierten Schlüpfer und BHs im großen Stil. Ein Portrait von einem, der auszog, um das Ausziehen zu verschönern.

Undacova
Chris Kilchling
Kapstadt, Juli 2011: „Undacova Lover“ steht auf dem rot-blau geringelten Hintern, der über den Laufsteg schwingt. Auf einem anderen: „Capitano“, samt Anker. Große, schöne Mädchen tragen gepunktete Kniestrümpfe zu Strand-Sandalen und bonbonfarbenen Unterhemden. Wer die Frühjahr/Sommer-Kollektion von "Undacova" auf dem Laufsteg der Cape Town Fashion Week sieht, muss zwangsläufig schmunzeln. „African hedonism“, also : "afrikanische Genusssucht" - so beschreibt Chris Kilchling seine Marke, die er vor drei Jahren mit einem Kumpel gegründet hat.

Freiburg, acht Jahre früher: Chris Kilchling, 24, hängt seinen Job im Waldsee und zwei Jahre Geografie- und Geschichtsstudium an den Nagel. Er verschwindet Richtung Süden, ziemlich weit Richtung Süden: nach Kapstadt. „Ich wollte ans Meer“, sagt der begeisterte Surfer, „und gleichzeitig Grafikdesign studieren.“

„Komm wir machen Unterhosen“

Nach dem Studium arbeitet Chris als Grafiker in einer südafrikanischen Klamotten-Firma, merkt aber schnell, dass er sein eigener Herr sein will. Er tut sich mit Business-Partner Percy Ndaba zusammen und beschließt: „Komm wir machen Unterhosen.“

Die erste eigene Kollektion liegt bald in den Läden. „Wir hatten kein großes Budget damals, ein paar tausend Euro vielleicht“, erzählt Chris. Dafür aber Mut, viele Ideen, gute Beziehungen und die neuen Marketingmöglichkeiten des Internet: twitter, facebook und Co. Innerhalb weniger Wochen sind die lustigen Schlüpfer ausverkauft. Es folgen Foto-Shootings, Marketing-Aktionen, neue Kollektionen, Investoren - und dieses Jahr die Fashion Week in Kapstadt.

Undacova

Chris und Percy besetzen eine echte Marktlücke: Es gibt zu der Zeit keine original südafrikanische Wäschedesign-Firma. Undacova ist die einzige, die in Kapstadt erdacht und in Durban produziert wird. Deshalb lässt Chris seine Kreationen auch mit Städte- und Strandnamen bedrucken. Noch ist das Geschäft überschaubar, aber der Erfolg kann sich sehen lassen. Neben ein paar kleineren Shops, liegt Undacova Wäsche vor allem in den Regalen einer großen Kaufhauskette. Ab 10 Euro kann man hier zum „Undacova Lover“ werden.

Risikobereitschaft als Erfolgsrezept

Seinen Werdegang verdankt der 31-Jährige auch ein bisschen dem kreativen Potential Kapstadts. „In Deutschland wäre meine Karriere bestimmt anders verlaufen. Geregelter, aber vielleicht weniger frei.“ Die Stadt sei für ihn der beste Ort, sich zu entfalten, kreativ zu arbeiten und Unternehmer zu sein. "In Kapstadt leben viele Künstler, alles ist layed back, nicht so stressig und hektisch wie in Johannesburg." Ein guter Ort also, um etwas zu wagen.

Undacova

Obwohl es Chris fast unangenehm ist, von einem "Erfolgsrezept" zu sprechen, verrät er seine wichtigsten Zutaten:„Der Glaube an sich selbst, Mut und manchmal auch ein bisschen Dummheit." Dummheit? „Okay, sagen wir: Risikobereitschaft.“ Er lacht. Auch wenn er keinen konkreten Plan hat, für Chris steht fest, dass er nicht ewig in Südafrika bleiben wird. „Obwohl es hier super ist: Europa fehlt mir“, sagt Chris. „Kopfsteinpflaster, Münstertürme, tausend Jahre alte Kultur: Das vermisse ich! Und meine Familie natürlich.“ Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass der Unterhosen-Designer eines Tages wieder nach Freiburg kommt.  

"Wer weiß, was noch kommt?"

Über seine Zukunft macht sich Chris bisher keine Sorgen. „Mal sehen, wie’s läuft“, sagt er. Er sieht das Leben nicht als Einbahnstraße. „Ich habe viele Facetten und schon ein paar Sachen ausprobiert.“ Snowboardlehrer, Sozialarbeiter, Waldsee-Barmann, Unterwäsche-Designer – Wer weiß, was noch kommt? „Ich bin nicht besessen von der Idee, mein Leben lang Unterwäsche zu machen. Aber zurzeit macht mir die kreative Arbeit richtig viel Spaß.“ African Hedonism eben. Chris Kilchling trägt seine bunten Unterhosen selbstverständlich auch selbst.

Undacova


[Bilder: SDR Photo]


Foto-Galerie: SDR Photo

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.




Artikel als E-Mail verschicken Artikel auf Facebook weiterempfehlen Artikel twittern Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen Diesen Artikel bei del.icio.us bookmarken
 



Kommentare
Anzahl der Kommentare: 1
Freitag, 25.11.11 18:23
 

Gibts die Models zur >Unterwäsche dazu? :D

Um einen Kommentar zu verfassen, benötigst du ein fudder-Profil. Registriere dich kostenlos oben rechts auf fudder.






Diese Funktion steht nur für eingeloggte fudder-User zur Verfügung.

» fudder-Netiquette





» Glitz

re: Was hört ihr gerade?
D.Harry- Heart... http:/...

» Jan K.

re: Badische Zeitung offline?
Naja nachdem ich nicht dr...

» Griptape

re: Badische Zeitung offline?
also bei mir klappts.

» Jan K.

Badische Zeitung offline?
Heyho. Die Badische Zeit...

» christianhauck

re: PN
das war ein Standard-Antw...

» ja/nein

re: PN
lokis gedanken hatte ich ...

» Chuckie

re: Neuer Stammtisch der Piraten
Ist das eine offfizielle ...

» Anon

Scientology-CHRONIK des BÖSEN
Hier dokumentieren wir in...