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Oliver Rath: Deutschlands populärster Fotoblogger

Vom Proll-Rapper zum kreativen Paparazzo: Oliver Rath hat in den vergangenen Jahren einen erstaunlichen Wandel hingelegt. Inzwischen ist der Wahl-Berliner ein populärer Fotoblogger - mit seinem Blog und seiner Facebookseite erntet er so viel Aufmerksamkeit wie kaum ein anderer deutscher Fotograf. kus hat Olli in Berlin besucht - und einen spekatkulären Supermarkt-Besuch erlebt...

Oliver Rath

Leila LowfireEine halbnackte Frau in High Heels und halterlosen Feinstrumpfhosen vor dem Kühlregal eines Einkaufszentrums beim Verzehr einer Vollmilch zu fotografieren, steht nicht in Einklang mit der Hausordnung dieses Supermarkts. Und so ahnt Oliver Rath, der die Fotos von dieser jungen Dame schießen möchte: „Wir werden hier in hohem Bogen rausfliegen.“

Also muss alles ganz schnell gehen. Die Regaleinräumerinnen tun so, als sähen sie nichts  –  und alarmieren in einem unbemerkten Moment den Sicherheitsdienst. Wenige Augenblicke später schmeißen zwei Ladendetektive den Fotografen, seinen Assistenten und das Model (bei dem es sich um die Freiburgerin Leila Lowfire handelt) aus dem Laden. Doch im nächsten Supermarkt ist das Guerilla-Shooting erfolgreich – und das Foto erscheint wenige Tage später auf Raths Blog im Internet.

Vom Proll-Rapper zum kreativen Paparazzo

Oliver Rath (33) ist in diesen Tagen einer der populärsten Fotoblogger Deutschlands. Fast 9000 Freunde folgen ihm auf seiner Facebook-Seite. Sein Wordpress-Blog wird täglich  20000 Mal aufgerufen. Viele deutsche A-, B- und C-Promis haben sich von ihm in den vergangenen Monaten fotografieren lassen: der Modedesigner Karl Lagerfeld, der Rapper Denyo, der Starkoch Tim Raue, der TV-Moderator Wolfram Kons, der Freiburger Veranstalter Bela Gurath oder die Schauspieler  Jürgen Vogel und Natalia Avelon. H. P. Baxxter, Frontmann des Dance-Projekts Scooter, hat Rath in dessen Villa fotografiert – und zudem Aufnahmen für das Cover des nächsten Scooter-Albums geschossen.

Die Geschichte von Oliver Rath ist die Geschichte eines jungen Mannes, der sein Leben mit 31 komplett umgekrempelt hat. Der vor 20 Monaten den Mut hatte, Freiburg zu verlassen und in einer fremden Stadt bei Null anzufangen. Und zwar ausgerechnet in Berlin – der „Welthauptstadt der Kreativen“ (Berliner Zeitung), dem „Silicon Valley Europas“ (FAZ), der Stadt mit der schrillsten Clubszene der Erde. Kurz: In einer Stadt, die platzt vor Talent und mit Sicherheit nicht gewartet hat auf einen Hobbyfotografen aus der südbadischen Provinz, der in Freiburg zuletzt in einem Lokal Geschirr gespült hat, ehe er sich entschloss, seinem Leben einen neuen Dreh zu geben.

Die Verwandlung


Als HipHop-DJ war Oliver Rath, der als DJ Al Kapone im Funpark und Kagan aufgelegt hat, keine kleine Nummer im Freiburger Nachtleben. Doch mit seinem bewusst gepflegten Proll-Rapper-Image und zweifelhaften Mixtapes wie „Dreh auf, Du Sau“ erntete er nicht in allen Szenen Anerkennung. „Irgendwann war die Luft sowas von raus“, sagt Rath, der in Emmendingen einen Realschulabschluss gemacht hat. „Der kommerzielle HipHop ist so ekelhaft geworden, dass ich mich als DJ gefragt habe, was ich eigentlich für einen Schrott auflege. Ich war ja der totale Prolet!“ Er bekam Magenprobleme, musste DJ-Gigs abbrechen und operiert werden. Er begann zu fotografieren und richtete sich im Freiburger Güterbahnhof ein kleines Studio ein.


In Berlin angekommen, war Rath zunächst „super pleite“: „Ich habe mein ganzes Hab und Gut in die Fotografie investiert.“ Sein Blog ist seine Bühne, auf der Oliver Rath um Aufmerksamkeit wirbt. Sein Blog macht ihn besonders. Von Beginn an veröffentlicht er täglich zwei bis vier Fotos – ein enormer Output.  „Das ist verdammt hart, jeden Tag neue Bilder rauszubomben.“


Raths Fotos irritieren, provozieren, amüsieren: Sie zeigen nackte Frauen, die mit phallischen Zigarren, Faustfeuerwaffen und absurden Flohmarktrequisiten vor den Kulissen der Hauptstadt posieren. Sie zeigen einen kleinen Jungen, der seine Katze schützend im Arm hält, während ein Gewehr auf den Kopf des Tieres gerichtet ist. Sie zeigen, wie Karnickel vor einem Bikinimädchen auf einer grünen Wiese kuscheln. Das erinnert manchmal an die Werke Helmut Newtons, dessen Bildband „Sumo“ in Raths Wohnzimmer im Berliner Bezirk Wedding auf einem Wandregal steht. Und das gibt ein bisschen die DNA Berlins im Jahr 2011 wieder. Sie ist sexy, anarchisch, unfertig, zügellos, obszön.

„Fotografier mich jetzt sofort!“

Inzwischen kann der gebürtige Heidelberger recht gut von seiner Fotografie leben. Sponsoren unterstützen sein Blog und präsentieren ihre Produkte im Kontext der Fotos  – „Product Placement“ nennt man das. Er verkauft seine Bilder bei Ausstellungen und übernimmt Aufträge aus der Modebranche und der Musikindustrie, die ihm eine Agentin vermittelt. Die Models bewerben sich per E-Mail, wie jene Schauspielstudentin, die in der Betreffzeile fordert: „Fotografier mich jetzt sofort!“

Eine Fotografenausbildung oder Kurse hat Oliver Rath nie absolviert, er hat sich alles selber beigebracht. Bei seinem ersten Fotoshooting wusste er mit den Begriffen Blende und Iso nichts anzufangen – und fotografierte einfach mal im Sportmodus. Wie man Bilder mit Photoshop bearbeitet, hat er durch das Studium von Youtube-Videos gelernt.   „Was bringt dir ein Lehrgang, wenn du keine Ideen im Kopf hast?“ Davon hat Rath jede Menge, er sammelt sie alle in einem Vokabelheft für Grundschüler. Neulich hat er den Staubsaugerlinsenlook erfunden, als er Staubsaugerstaub mit Haarspray auf der Linse seiner Kamera festgesprüht  hat. „Das sieht sehr antik aus, viele Promis stehen zur Zeit darauf.“

Als Künstler sieht sich Oliver Rath nicht – eher als „kreativen Paparazzo“ oder als „Internetfotograf“.  Der Offenburger Streetart-Künstler Stefan Strumbel unterstützt ihn. Die beiden haben sich schon vor 15 Jahren auf HipHop-Jams getroffen. „Durch ihn habe ich die Kunstszene erst kennengelernt. Stefan hat mir schon vor zwei Jahren Arbeiten von Fotografen geschickt, damit ich offener werde und nicht so dorfmäßig fotografiere.“
Das Designmagazin Page fühlt sich bei Raths Bildern an einen Kinofilm erinnert: „Die Fotografien wirken wie Stills aus Filmszenen, mit durchgeplanten Choreographien, Requisiten und Schauspielern.“ Und der Berliner Fotokünstler Yoram Roth urteilt: „Das Beste an Ollis Fotografie ist der Mut zum Humor. In Deutschland fehlt es oft an einer gewissen Lockerheit. Olli scheut sich nicht,  Gefühle und Sex oder das Schöne mit dem Hässlichen zu verbinden.“

Doch nicht alle verstehen diesen Humor. Als Rath kürzlich ein Foto veröffentlichte, auf dem ein Penis in einem Sandwich zu sehen war, stieg ein Sponsor empört aus und beendete die Zusammenarbeit – das hat den Fotografen eine Stange Geld gekostet. „Ich weiß, dass ich kommerziell schwer einsetzbar bin.“ Grenzwertige Bilder erscheinen seitdem nur noch in einem passwortgeschützten Bereich seines Blogs. Vor zwei Monaten ist Rath Vater geworden. Auch die Geburt seiner Tochter Matilda hat er auf seinem Blog dokumentiert. Natürlich ohne Passwortschutz.

Mehr dazu 
Fotos von Oliver Rath (Fotografen: Oliver Rath und Sebastian Marggraf)






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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 23
Mittwoch, 09.11.11 09:58
 

entreizend und duchgehend billig.

Mittwoch, 09.11.11 09:58
 

der gefühlte 100ste Fudder-Bericht über einen, der sich nicht Künstler nennen möchte, weil er auch keiner ist.. zurecht!
Teils ja auch nette Bilder dabei, aber das meiste bekommt man mit ner guten Kamera und nackten Brüsten davor und ein gutes Auge für eine Szene, selbst hin... was Kinder in der pornografisch angehauchte Szenerie zu suchen haben, bleibt mir übrigens ein Rätsel... also dann, bis zum 101sten Bericht!
By the way, dazu passt ganz gut dieses Lied - ich sage nur "Irgendwas im "creative" Bereich - Auf jedenfall!"
http://www.youtube.com/watch?v=0R4B0OXmRF0

Mittwoch, 09.11.11 10:28
 

Passt vielleicht noch besser: http://tinyurl.com/clq83ag
Die Ironie an der Sache; der Herr Rath hat das Artwork zu dem Album gemacht.


loop'nreim hat den Kommentar am 09.11.2011 um 10:30 bearbeitet
Mittwoch, 09.11.11 12:47
 

Na ja - eigentlich keine aussergewöhnlichen Photos - ziemlich trivial und "billig" wirkend.

Liegt das vielleicht an der zu Kopf steigenden Selbstüberschätzung der Berliner Künstlerszene? Bemüht und wenig fundiert - finde dennoch das Photo Nr. 15 ganz nett. Schöne Idee - im Ansatz ne künstlerische Idee drin - sonst nur Allgemeinplätze in mehr oder minder neuem Focus.

Herr Strumbel macht schönere, künstlerischere Dinge!

Mittwoch, 09.11.11 14:42
 

Das ist das schönste an Blogs: man kann sie ganz einfach ignorieren. Ich führ lieber meine Kamera gassi.

Mittwoch, 09.11.11 14:42
 

er hat tatsächlich nen "norma" als location gewählt. ich meine das kadewe hätte es ja zumindest sein können wenn man schon mal in berlin ist...im norma am eisstadion hier in freiburg hätte er wenigstens noch ein bisschen unterhaltung für die dortigen anhänger des "kräuterfreund" bieten können. nichtsdestotrotz hoffe ich nicht nicht dass die gute leila lowfire demnächst noch beim benutzen eines deorollers im schlecker abgelichtet wird...

Mittwoch, 09.11.11 18:48
 

herrlich 8)

Mittwoch, 09.11.11 20:03
 

bild 8.mit freundlichen grüssen aus kolumbien. :)

Mittwoch, 09.11.11 21:12
 

Ich hatte schon mal die Ehre herrn Rath einmal im KLUB KAMIKAZE zu treffen und einwenig mit ihm abzuhängen, er scheint ein smarter sexy Kerl zu sein. Ich fühle mich jedoch beleidigt, dass er mich als freiburger IKONE nicht ablichten möchte. Ich meine wer kennt mich denn nicht in Freiburg? Wer hat mich noch nicht gesehn oder mal über mich gesprochen?

Sorry Oliver, wenn Henning von Berg ein sehr bekannter Fotograf mich zu sich in seiner Villa nach Berlin eingeladen hat um mich abzulichten dann wirdste jawohl auch mal Zeit haben mir wenigstens im Facebook eine Antwort auf meine Nachricht zu schreiben oder? Oder ist das nur purer Aroganz?

Selsbt STEVEN KLEIN ein weltberühmter hat mir schon geantwortet!

Finde deine Arbeit toll, aber weiss nicht so ganz genau ob das mehr eine HOMMAGE an oder eine KOPIE von GUY BOURDIN, HERB RITTS, DAVID LACHAPELLE, TERRY RICHARDSON und STEVEN MEISEL sein soll oder ist!

Mittwoch, 09.11.11 22:15
 

Diese ganzen Kommentare sind ein gutes und studienwürdiges Zeugnis dafür, dass Neid in Deutschland eine Form von Zerfressenheit angenommen hat, die mich anwidert!!! 
 

Donnerstag, 10.11.11 13:39
 

Kurz. Ich mag die Bilder, bin ich jetzt:
a) pervers?
b) völlig unterbelichtet?
c) ein Kunstbanause?

Wobei ich zugeben muss, Staub auf der Linse mit Haarspray zu fixieren ist krank. Aber nur tote Fische schwimmen mit dem Strom :-D

Donnerstag, 10.11.11 13:55
 

"neid" *LOL* neid ist ein beleidigte-kinder-argument, dass, ähnlich der nazikeule, immer dann kommt, wenn sonst kein substantielles argument vorhanden ist.

Donnerstag, 10.11.11 14:12
 

Kontroverse Themen wie anscheinend dieses werden doch nur veröffentlicht um dem gelangweilten Fudder User (höchstwahrscheinlich hat die BZ schrumpfende Userzahlen) mal wieder etwas Nährboden für die Kommentarfunktion zu geben um die Seitenaufrufe zu steigern. Warum sollte sonst eine vermeintliche "Journalistin" Ihre Meinung hier veröffentlichen. Sind wir mal ehrlich. Fudder wird lame. Spannend war gestern. Seit Ewigkeiten der gleiche Fisch, der mittlerweile tranig wird. Lebt der überhaupt noch?!

Donnerstag, 10.11.11 14:21
 

@licht: was ist das problem an kontroversen themen? sind dir konsensthemen (was auch immer das sein soll) lieber?

über 100 kommentare und über 200 mal auf facebook geteilt. lame und tranig erzhiehlen andere ergebnisse.

und: warum "vermeintliche 'journalistin'"?

Donnerstag, 10.11.11 14:52
 

@Supermanuel:
Konsensthemen?! Nein, son Quatsch. Kreative und interessante Berichterstattung. Das ist es worum es geht. Einen Artikel über jemanden schreiben bei dem man eh erwartet dass alle in den Kommentaren abkotzen. Wer braucht sowas. Und wer braucht da die Kommentarfunktion. Das ist nichts anderes als dem Pöbel ein Sprachrohr zu verleihen. Brot und Spiele, und alle machen mit.

Du bestätigst meine Annahme dass dieser Bildzeitungs-Niveu Artikel nur der Steigerung der Seitenaufrufe und der Bekanntheit von Fudder dient.

Und die Frage nach der vermeintlichen Journalistin war rhethorisch gemeint, oder?!

Donnerstag, 10.11.11 15:03
 

Anzahl der Kommentare: 15

Donnerstag, 10.11.11 16:42
 

@It-Boy: Oliver hatte ja schon Freiburger Mädels vor der Kamera (obwohl er in einem früheren Interview ja mal gesagt hat, dass er keine Freiburger Models vor der Linse haben möchte, die sind ihm alle zu prüde), vielleicht solltest du ihm erst ein provokantes Bild von dir schicken, damit er auf dich aufmerksam wird.. :D

Donnerstag, 10.11.11 16:50
 

also, die auswahl seiner brüste mag ich- sehr ästhetisch!
keinerlei kontur- und formloses fettgewebe- sehr schön!
(das wird zwar eine frau genauso viel interessieren, wie sich ein nichtraucher für zigaretten interessiert...)
technisch ist er wohl noch am üben- aber das geht i.o.
beruhigend würde ich finden, wenn ich wüsste, dass er die waffen nachträglich implementiert hat und keinerlei kind beim fotoshooting diesen waffen ausgesetzt war.

Donnerstag, 10.11.11 20:18
 

Wenn die Federn aufm Kopf ausgehen, helfen auch keine Schulterpolster mehr.

Freitag, 11.11.11 17:54
 

ich dachte bela gurath wäre eher ein z-Promi, oder?

frage mich ob das so werbewirksam ist, wenn man als
fotograf bela gurath in seinem portfolio hat.
was sich der Oli wohl dabei gedacht hat …?

Montag, 14.11.11 11:28
 


Mir gefällt es was der Oli da mittlerweile macht.
Er war halt schonimmer ein bisschen anders,das macht ihn durchaus symphatisch.

Samstag, 19.11.11 20:49
 

Bild 17 und 21 sehen interessant aus ...... aber hab das Gefühl das er sich wiederholt .. mal sehen ob mal was neues dazu kommt wenn nicht dann wird es schnell langweilig;)

Samstag, 26.07.14 23:29
 

5 Fragen zur analogen Fotografie mit Oliver Rath
http://bit.ly/1mQr90m

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