Einmal durften sie noch mit, die Eltern: beim Erstsemester-Begrüßungsnachmittag der Albert-Ludwigs-Universität waren auch Mamas und Papas willkommen. Neugierde, wo der Sohn oder die Tochter die nächsten Jahre verbringen wird oder auch wehmütige Gedanken an die eigene Studentenzeit hatten die Eltern nach Freiburg und am Freitagnachmittag in die Uni gebracht. Doch es gab auch Erstis, die den Tag ohne elterliche Unterstützung meisterten. Christina war für fudder dabei:





Dass sich Erwachsene von 20 Jahren und mehr solcher Peinlichkeiten nicht zu schade sind... Werden sie auch zum ersten Vorstellungsgespräch beim künftigen Arbeitgeber noch die Eltern mitbringen?
erinnert mich iwie daran, dass ich im erasmus-semester in frankreich gefragt wurde, ob meine eltern zur wohnungsbesichtigung mitkommen würden. mit 24 jahren. bin dann doch nicht hingegangen:-)
Dass sich Kapitän Bromf für solch einen Kommentar nicht zu schade ist...
Der Grund, warum Eltern heute ihre Kinder zum (in den meisten Fällen) endgültigen Abschied aus dem Elternhaus und somit dem Rest des "Kind seins" begleiten, liegt m.E. vor allem daran, dass heutzutage ein sehr entspanntes Verhältnis zwischen den Generationen herrscht. Das war nicht immer so. Es zeugte aber wenig von größerer Reife oder Unabhängigkeit, wenn das früher anders war. M.E. bedeutet "reif" auch, dass man völlig souverän mit seinen Eltern umgehen kann und sich nicht für sie schämen muss. Das ist m.E. eher pubertäres Gehabe.
Meine Eltern haben mich vor 5 Jahren zwar nicht zum Ersti-Begrüßungstag begleitet, aber sind trotzdem ein Wochenende zum Start nach Freiburg gekommen, um mir Stadt & Region zu zeigen. Der einfache Grund: sie haben früher auch hier studiert & schwelgten natürlich in Erinnerungen.
Na dann kann man tatsächlich seine Eltern auch zum ersten Vorstellungsgespräch beim künftigen Arbeitgeber mitnehmen. Und wenn der Personalchef dann fragend schaut, erklärt man ihm einfach das mit dem entspannten Verhältnis zwischen den Generationen.
Die Eltern waren doch offiziell eingeladen...
In meinen Augen sind die kindischer, die sich nicht mit ihren Eltern dort sehen lassen wollen.
das ist ein begrüßungsnachmittag, also eine art repräsentativer akt und nicht ein technischer anlaß wie wohnungsbesichtigung oder unieinschreibung etc. warum sollen die eltern da nicht mitkommen?
Ist doch nichts anderes, als ein Tag der offenen Tür in einer Firma. In meiner Ausbildung sind meine Eltern dort auch erschienen, weil es sie interessiert wo der "Bub" eben arbeitet.
Loki, sie sind aber nicht an Deinem ersten Arbeitstag mit, oder?
Das wird irgendwann genau so wie bei den Einschulungen mittlerweile: Irgendwann sind Oma und Opa, Gotti und Götti und die Geschwister mir dabei. Und dann kommt auch Bibers Schultüte wieder ins Spiel.
die Eltern wollen ja schließlich wissen, wo und wie sie ihr Geld ausgeben - da sollten die Eltern übrigens auch mal bei der einen oder anderen Party anwesend sein... danach würden sie sich das sicher nochmal überlegen...
Als der Ersti-Elterntag zum ersten mal stattfand, glaube das war 1998, haben einige Studenten sich noch ironisch als Leih-Eltern angeboten für jene, die ohne Mama und Papa kamen. Die Uni-Leitung fand das nicht so gut...
Ich glaube ja, dass das ein Phänomen der klammernden ein-Kind-Elternschaft ist. Vor 20 oder 30 Jahren hätt's das nicht gegeben.
Muß Zebra recht geben. Je weniger Kinder, desto überhöhter wird der Nachwuchs dargestellt.
Cat, Einschulungen sind ja mittlerweile schon echte Events... was da manche Eltern für einen Zauber veranstalten, Extra gemieteter Photograph, Restaurant gebucht oder Cateringzelt im Garten... mehr Highlife als am Weißen Sonntag.
Dazu noch der Schulförderverein mit Sektstand, Kaffee und Kuchen....
Vor 20 oder 30 Jahren waren auch die Umstände ganz andere. Damals glaubte man zu wissen was die Zukunft bringt, zumindest hatte man noch das Gefühl, dass es stetig aufwärts geht.
Wenn wir heute die Nachrichten einschalten wissen wir ja nicht mal ob uns nächste Woche nicht eine Rezession überrollt.
Ich finde es klasse, dass sich Eltern auch bei diesem Schritt in eine neue Lebensphase noch für das interessieren, was auf ihre Kinder zukommt und die Studienanfänger wissen heute, anders als vor 20 Jahren, nicht mehr so genau ob es noch Jobs für sie gibt.
Vor 30 Jahren war die Welt genauso unberechenbar wie heute.... Die RAF bombte und schoß sich durch Deutschland, USA und UdSSR sahen Europa als Schlachtfeld, es gab mehr Kindesentführengen, Saurer Regen, Atomunfälle, Säureverkappung im Meer, Chemieunfälle in Basel und Bopal, Seveso Dioxin auf Abwegen, Gasexplosionen auf spanischen Campingplätzen, keine Airbacks in Autos, in der F1 starb jedes Jahr mind 1 Fahrer, in Freiburg gab es staatlich befohlenes Doping, die Arbeitslosenzahl überstieg die 2 Mio usw usf....
Die Unsicherheit bezieht sich ja auch nur auf die ökonomischen Aussichten der Menschen.
Da sah es vor 30 Jahren noch sehr gut aus. Wachstum, Innovation, Jobgarantie bei geeigneter Qualifikaton, sogar mit nem Hauptschulabschluss konntest du noch Industriemechaniker oder Arzhelferin werden.
Vor 30 Jahren zog der Computer in die Büros und machte erstmal Arbeitsplätze überflüssig.... Wachstum gab es, aber gleichzeitig auch Rationalisierung. Ganz so sorglos wars dann doch nicht...
Kommen die Eltern auch mit, wenn die Kinder ihr Studium abbrechen???
Ich denke schon, dass das eine bestimmte Entwicklung illustriert. Die Kinder werden doch inzwischen jeden Morgen mit dem Auto in den Kindergarten oder die Schule gefahren und können keinen Schritt mehr unbegleitet und unbeobachtet tun. Die Erziehung zur Selbständigkeit bleibt dabei auf der Strecke.
Und @Mikey: was die Begleitung durch die Eltern mit unsicheren Zukunftsaussichten zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht.
Zebra und wenn man seine Kinder alleine losschickt wird man sofort als Rabeneltern fertig gemacht...
Beispiel: Mein Ältester geht seit diesem Jahr in die Schule, zufällig befindet sich im gleichen Gebäude die örtliche Betreuung für Kinder unter 3 Jahren. Anfangs lief er mit mir und meinem Jüngsten noch mit und lies sich auch dann aus der Kernzeit abholen. Nach einer Woche schlug er vor, er liefert den kleinen Bruder ab und bringt ihn wieder nach Hause... hat alles wunderbar geklappt, bis sich einige Eltern echauffierten. Viel zu gefährlich, zuviel Verantwortung usw.... der Weg ist 120 m lang, abseits der Straße.... kein Risiko.