Wir stellen regelmäßig irgendwelchen Leuten in Freiburg die Frage: Was ist dein Stil? Diesmal: Frederik.




Ihr geht mir mit diesesm Kirchengedöns derzeit mächtig auf die Nerven. Man kann es auch übertreiben.
Und der Ring?
Das ist der aus „Herr der Ringe“. Der hat aber mit dem Ministrieren nichts zu tun. Ich darf ihn dabei aber anbehalten.
Ha, erwischt, abergläubischer Tand, heidnisches Teufelswerk, wenn das der Papst mitbekommt...
@loki:
es ist popeweek! ab montag ist wieder alles ganz profan.
ps: ich mag das messdienergewand. v.a. die schwarzweiße version des priesterseminars. minimal rules! (wobei: für meinen geschmack nen tick zuviel faltenwurf.)
@schnoog:
ich glaub, der papst geht damit wie seine kirche um: einfach den stempel "katholisch" draufmachen und umbenennen.
so wie:
der sonntag als ruhetag (ursprünglich heidnisch => sonnentag)
weihnachten (ursprünglich geburtstag des unbesiegbaren sonnengottes [sol invictus])
ostern (altgermanischen ursprungs)
etc.
Ja das diese Woche Popeweek ist habe ich durchaus mitbekommen. Jedoch nervt es dennoch gewaltig, überall dieser Scheiß. Überall wo man rumläuft grinst einen diese Fratze an.
Echt ein individueller Stil. Wen interviewt ihr als nächstes ? Nen Arzt im Kittel oder ne Polizistin ( neudeutsch : Bullette)...
bei der kutte sollte die rubrik eher heissen
" wo ist dein stil"
abgesehen davon das mich das ganze popegedöns auch nervt
finde ich es mutig von dem guten mann.
im bezug auf diese rubrik ist fudder ja fast wie der circus maximus in dem die christen den löwen zum frass vorgeworfen wurden.
@nakedcat: nen arzt interviewen wir erst, wenn der deutsche ärztetag nach freiburg kommt.
@wolke: witzig. wie ich gestern schon anderswo schrieb: uns wird an einem tag vorgeworfen, wir seien pro papst, am anderen, wir seien contra.
und: die christen, die den löwen zum fraß vorgeworfen wurden, waren nicht die anhänger jener (all-)mächtigen kirche, die sich ab dem 4. jahrhundert entwickeln sollte, und die bis heute bestand hat.
@NYHC: Vielleicht hat die Kirche ja die Fantasy-Welt für sich entdeckt? Oder der Spruch
"Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkle zu treiben und ewig zu binden."
klingt für die katholische Kirche so vertraut nach Mittelalter. Da war die Welt ja noch in Ordnung. Es gab zwar hin und wieder zwei Päpste, aber Häretiker wurden noch verbrannt und diesen Martin L. aus E. mit seiner kirchenspalterischen Ketzerbewegung gab es auch noch nicht.
@jan k.:
ach ja, das dunkle mittelalter, in das wir all unsere ängste und all das schlechte projizieren. dabei hat die wissenschaft diese sichtweise schon lange als mär entlarvt. aber wir sind nostalgiker und hängen gerne überkommenen sichtweisen an. vielleicht auch, um dem grausamsten aller jahrhunderte zu entkommen: dem 20.
hexenverbrennung und spanische inquisition waren übrigens eine fast exklusive angelegenheit der frühen neuzeit. humanismus, renaissance etc. - hach, der mensch bleibt mensch. und grönemeyer rules.
@jan k, großartig, das passt echt gut zur kirche, nur das mit dem "sie alle zu finden" klappt heute nicht mehr so gut.
@supermanuel, ich glaube nicht das das 20. jahrhundert das grausamste jahrhundert war. gut die zwei weltkriege haben ganz schön reingehauen, aber ein paar jahrunderte zuvor gab es halt permanentes gemetzel. ausserdem waren vergangene jahrhunderte aus nicht (primär) mensch gemachten gründen viel grausamer (hunger, pest). ich denke wenn man die letzten paar tausend jahre mal genau vergleichen würde, gäbs keine großen unterschiede an zwischenmenschlicher grausamkeit, ganz nach hobbes: homo homini lupus
@nyhc:
"ich denke wenn man die letzten paar tausend jahre mal genau vergleichen würde, gäbs keine großen unterschiede an zwischenmenschlicher grausamkeit, ganz nach hobbes: homo homini lupus."
da stimm ich mit dir überein.
was mir als historiker aber auf den sack geht, sind diese immer wieder selben undifferenzierten aussagen über vergangene epochen. als ob es jedes jahr ernteausfälle und pestilenz gegeben hätte, jeden tag überall dauernd jemand verbannt wurde, die kirche oder der adel machen konnte, was er wollte - etc. das stimmt nicht. ernteausfälle, natur- oder technikkatastrophen, schlimmste gemetzel, der versuch, bestimmte rassen gänzlich und systematisch auszurotten - puh, das 20. jahrhundert ...
@supermanuel: Ich hab mich auch schon stückweise mit der Lebenswirklichkeit im MIttelalter auseinandergesetzt. Heißt: Ja, ich weiß es selbst besser, als es den Anschein hat.
Nichtsdestotrotz finde ich überkommene Klischees schön, um eine Institution auf die Schippe zu nehmen, die sich an ein 2000 Jahre altes Buch klammert und erst 1992 anerkannt hat, dass sich die Erde um die Sonne dreht :)
@ NYHC: Quantitativ muss ich da Supermanuel zustimmen. Was die Anzahl der Toten angeht hat das 20. Jahrhundert echt den Vogel abgeschossen. Da waren selbst der dreißigjährige Krieg und solche Späße harmlos dagegen. Qualitativ ist es aber sicherlich eine andere Sache, jemandem mit Hieb und Stichwaffen eins drüberzuziehen im Vergleich zu automatischen Schusswaffen. :)
@jan k.: OK. misunderstood you :)
@tommy: welches wort würdest du gebrauchen?
wikipedia:
Gewand kann folgendes bedeuten
- Kleidung, im österreichischen Deutsch bezeichnet „Gewand“ alle Arten von Kleidung, im bundesdeutschen Deutsch dagegen nur eine besonders prächtige oder historische Bekleidung.
- Das Gewand, Monumentalfilm des amerikanischen Regisseurs Henry Koster aus dem Jahr 1953
"...was mir als historiker aber auf den sack geht, sind diese immer wieder selben undifferenzierten aussagen über vergangene epochen."
Man kann darüber denken was man will, aber HEUTE hat es eindeutig die besseren Zahnärzte !
Und das "Gewand" ist sicherlich durchdacht !
Wenn's mal schnell geheh muß ...
;-)
@biber:
wir brauchen heute auch bessere zahnärzte. brauchte man damals so nicht. (witzig finde ich immer, wie in jedem film, der im mittelalter spielt, die menschen schwarze zähne haben.)
und: ich würde mal in andere länder gehen. da herrschen zahnarztmäßig ganz andere verhältnisse. => die gleichzeitigkeit des ungleichzeitigen.
PS: ich bin aber generell nicht gegen technischen / wissenschaftlichen fortschritt. glaube aber, grundsätzlich ist dieser oft nötig, weil sich bestimmte dinge verändern / verschlimmern. und: fortschritt bedeutet immer auch rückschritt. was traurigerweise heißt: wir menschen treten seitdem wir hier sind auf der stelle. die umstände ändern sich. was zur illusion führt, dass wir menschen uns ändern - gar: verbessern. ist halt auch ne art von glauben.
PPS: zum glück ist das aber eine alte, schon oft geführte diskussion und wir sind nicht die ersten, die pro und contra gegeneinander abwägen. ist aber gut, dass wir's tun! sonst bräuchten wir ja gar nicht mehr miteinander reden und müssten bloß immer auf diese oder jene philosophische abhandlung oder sekundärliteratur verweisen.
supermanuel:
Ach, ich glaube es kommt garnicht so sehr auf die Epoche an, sondern eher auf die Schicht, der man angehört(e).
Als Fürst lebte es sich damals sicher auch nicht schlechter als heute mit Hartz 4, aber auf meinem heutigen Zahnarzt bestehe ich :-)
Und die Zeit der Handwerker und Zünfte hätte mir sicher auch sehr gut gefallen - keine Computer, sondern alles noch handmade aus Holz und nicht "made in prc" :-))
Und ob man Herrn Rübsamen mit einem damaligen Menschen in ähnlicher Position vergleichen kann ?
Die Strafen waren jedenfalls deutlich unangenehmer, Rädern und Vierteilen hätte ich sicher als ziemlich unhygienisch empfunden...
Und es gab damals Zeiten, da gab es zwei (!) Päpste - wie unangenehm !
damals, in vorindustriellen zeiten, war sozusagen alles von manufactum. und man brauchte noch so wenig, um glücklich zu sein. hach ...
Am Brunnen vor dem Tore,
Da steht ein Lindenbaum:
Ich träumt’ in seinem Schatten
So manchen süßen Traum.
Ich schnitt in seine Rinde
so manches liebe Wort;
Es zog in Freud und Leide
Zu ihm mich immer fort.
Ich mußt’ auch heute wandern
Vorbei in tiefer Nacht,
Da hab ich noch im Dunkel
Die Augen zugemacht.
Und seine Zweige rauschten,
Als riefen sie mir zu:
Komm her zu mir, Geselle,
Hier findst Du Deine Ruh!
Die kalten Winde bliesen
Mir grad in’s Angesicht;
Der Hut flog mir vom Kopfe,
Ich wendete mich nicht.
Nun bin ich manche Stunde
entfernt von jenem Ort,
Und immer hör ich’s rauschen:
Du fändest Ruhe dort!
Da die durchschnittliche Lebenserwartung im MA bei unter 40 Jahren lag (@supermanuel: bitte korrigieren, falls das nicht stimmt) hatten die Leute wohl vornehmlich andere gesundheitliche Probleme als Zahnschäden.
@zebra:
die durchschnittliche lebenserwartung war sogar niedriger: 30 jahre. da sind aber auch die vielen säuglinge drinnen, die damals starben. hatte man das kritische alter von zwei, drei jahren überwunden, konnte man gut 40 bis 60 jahre alt werden.
ich glaube aber, die lebenserwartung war bis ins 19. jahrhundert relativ gleichbleibend niedrig. in der wikipedia steht's wie folgt:
"Die durchschnittliche menschliche Lebenserwartung hat sich in vorhistorischer Zeit nicht, in historischer Zeit zunächst kaum geändert, stieg tendenziell und von Rückschlägen durch Epidemien und Kriege begleitet sehr langsam, ab dem 19. Jahrhundert immer schneller an."
ich erinnere mich auch an j.s. bach. der hat insgesamt 20 kinder gezeugt, von denen nur 10 überlebten. und seine erste frau starb ebenfalls, so dass er noch einmal heiratete. und das war gegen 1700 in einer gesellschaftsschicht, die wir heute als mittelschicht beschreiben würden.
na ja. ich hör schon auf mit der klugscheißerei.
;)
aber interessante diskussion!
Bist du sicher ?
Moses und Co. wurden doch angeblich alle mehrere hundert Jahre alt, also muß doch die Lebenserwartung erst mal gesunken sein und ist immer noch nicht wieder auf dem alten Stand. :-)
Na ja, hing vielleicht auch mit der Ernährung zusammen - ganz viel Manna und kein Rindfleisch
"wegduck"
Und wenn du dich sogar noch an Johann Sebastian erinnerst - wie alt bist du denn ?
@biber:
haha @ manna!
aber: rindfleisch schon - nur kein schweinefleisch (siehe levitikus 11):
http://www.bibel-online.net/text/luther_1912/3_mose/11/
Was hat das jetzt mit der Stilfrage zu tun?
Christliche Vertreter tragen in der Regel ein von der Kirche vorgegebenes Gewand und haben keine eigene Entscheidungsfreiheit. Lediglich die drunter befindliche Wäsche ist frei wählbar - aber das wird hier nicht gezeigt. Zum Glück!
Mich persönlich nervt die klerikale Stimmung bei fudder derzeit gewaltig - überall Popen und Anverwandte - NÖ - das muss jetzt nicht sein!
Frederik in seinem Alltagsgewand wäre deutlich interessanter gewesen!
Im Übrigen empfehle ich ihm mehr Handpflege, die abstehenden Hautteile sind unverteilhaft aussehend und hinterlassen beim Gegenüber ein schlechtes Bild. Und ein Gang zum Friseur wäre auch vorteilhaft - seine Frisur passt nicht zur Brille.
Und genau um den Style gehts hier in der Stilfrage - wenigstens etwas zur Erscheinung kritisieren ;-)
@vdp. hier gibts alles, was man braucht:
http://fudder.de/artikel/2008/10/31/freiburger-warenwelt-18-priesterbekleidung-bei-rudolf-[..] also nicht ganz mit den absoluten vorschriften.