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Spätschicht am Plattenteller: Beruf Partyveranstalter

Party machen – für die einen heißt das entspannt abfeiern, für andere einen Haufen Arbeit. Bevor die Feierlustigen auf die Tanzflächen der Stadt strömen, stecken die Partyveranstalter eine Menge Schweiß, Zeit und Adrenalin in ihre Events. Ob tatsächlich viele Leute kommen und die Party dann nicht nur lustig wird, sondern sich auch finanziell lohnt, ist nicht vorhersehbar. Der Beruf des Partyveranstalters birgt Risiken, trotzdem übt er eine Faszination aus.

Christoph Gersch DJ Funkmessiah

Die Party rockt, alle sind gut drauf, sogar Christoph Gersch. Das war vor einer Stunde noch anders, da tanzten nämlich nur wenige Menschen auf dem Dancefloor des Erntefunkfests in der KGB-Bar an der Kaiser-Joseph-Straße. Gersch, den man im Freiburger Nachtleben als "DJ Funkmessiah" kennt, veranstaltet das Fest zusammen mit seinem Kollegen Matthias Adam (29). Die beiden machen das nicht nur zum Spaß, es ist ihr Beruf. 2008 haben sie zusammen ein Gewerbe angemeldet und arbeiten seitdem als Veranstalter.

"Wenn ich so nervös während meiner Partys bin, dann ist mein Kopf gerade beim Kalkulieren", sagt Gersch. Denn für jedes Fest, das er und sein Partner schmeißen, legen sie erstmal 500 bis 2000 Euro aus. "Die Flyer, Plakate, Türsteher, die Miete für Sound- und Lichttechnik, die Gage für den Gast-DJ. Da kommt einiges zusammen", rechnet der 31-Jährige vor. "Dazu die vielen Stunden, die wir in die Vorbereitung stecken", sagt Adam. "Und nach dem Fest geht die Arbeit ja weiter. Wir müssen bis in die Morgenstunden abbauen. Und dann noch richtig viel abhängen. Also die Plakate."

Alexander Hässler PornoladenerbeAlexander Hässler, in der Partyszene unter dem Pseudonym "Pornoladenerbe" unterwegs, kennt das Gefühl, nervös auf seiner Party zu stehen und darauf zu warten, dass das Feiervolk einläuft. Er veranstaltet die "Neon-Tanzbar" im Klub Kamikaze an der Salzstraße und das "Basskonforme Lotterleben", das auch in der KGB-Bar stattfindet. Der 32-Jährige hat Sozialarbeit an der Katholischen Fachhochschule studiert und abgeschlossen, ist über Interesse an Musik, Gastro-Jobs und Kontakte zu Veranstaltern "klassisch quereingestiegen". Er meint, dass Freiburg ein unberechenbares Pflaster für Partyveranstalter sei. "Einerseits gibt es hier viele junge Leute, viele Studenten, die feiern ja gerne. Andererseits ist in Freiburg ständig irgendwas los. Wenn dann Fest auf dem Grethergelände ist oder es 35 Grad hat, kann es passieren, dass keiner kommt."

"Da steckt viel Herzblut drin"

Die Party-Macher legen sich ins Zeug in Sachen Konzept, DJs buchen und Werbung in der Stadt und auf Facebook machen, aber das Risiko bleibt. Allein vom Veranstalten kann keiner der Drei derzeit leben. Hässler jobbt auf dem ZMF, Gersch steht als Barmann hinter der Theke und Adam arbeitet für eine Sicherheitsfirma. Gersch und Adam übernehmen inzwischen auch andere Jobs, machen nicht nur Partys. Im Mai haben die beiden im Auftrag eine Messe für spezialangefertigte Fahrräder in Freiburg veranstaltet, ab Oktober kümmern sie sich um das Nachtprogramm des Clubbereichs im E-Werk.

Im Nachtprogramm des Jazzhaus in der Schnewlinstraße taucht regelmäßig der Name Raimund Flöck auf. Er steht am Plattenteller als DJ Raimund Flöck und ist so was wie ein Freiburger Party-Veteran. Der 51-Jährige legt seit Mitte der 80er Jahre in Freiburg auf, seit Mitte der 90er veranstaltet er Partys selbst. Und das erfolgreich, er kann von seinen Veranstaltungen wie der "Funky Dance Night", der "90er Party" oder dem "Jungle Club" leben. Von Festen in Freiburg allein zahlt Flöck seine Rechnungen aber nicht. "Ich bin ein Party-Konzept-Exporteur", sagt er. Mit seinen Ideen geht er in Clubs nach Offenburg, Basel, Zürich oder London. Trotz wenig familienfreundlicher Arbeitszeiten ist Flöck verheiratet und hat einen einjährigen Sohn. "Es ist wie Schichtarbeit", sagt er.

"Die Arbeit im Nachtleben kann schon sauanstrengend sein. Und die Arbeitszeiten sind auch, sagen wir mal, anders", sagt Matthias Adam. Das gibt nicht nur Ringe unter den Augen, sondern auch manchmal Stress mit der Freundin, wenn man erst bei Sonnenaufgang nach Hause kommt. Oder enttäuschte Freunde, mit denen die Party-Veranstalter nicht feiern gehen können, weil sie abends arbeiten müssen.

Trotzdem – den Job zu wechseln, darüber denkt keiner der Jungveranstalter nach. Das Business hat einen besonderen Reiz, kann bei vollem Haus für Adrenalinkicks sorgen. "Ich mach mein Geld und verbringe meine Zeit mit Dingen, die mir Spaß machen", sagt Gersch. "Mit Musik, mit vielen coolen Leuten – und es ist unser eigenes Ding. Da steckt viel Begeisterung und Herzblut drin. Mit der Kohle wird das auch irgendwann klappen." In seinem Kopf laufen wieder Kalkulationen. Und dieses Mal wirkt er überhaupt nicht nervös.


[Bild 1: Michael Bamberger; Bilder 2 und 3: Ingo Schneider]




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 4
Samstag, 09.07.11 00:57
 

Da habt Ihr lauter gute und auch noch sympathische Veranstalter rausgesucht.

Ich habe letztes Jahr auch meine Erfahrungen als Veranstalter gemacht: Mir hat das zu viele Nerven und Zeit gekostet. Ich bin halt doch lieber DJ, Produzent und Remixer.

Respekt an alle, die für viele gute Veranstaltungen und neue Konzepte sorgen.

Samstag, 09.07.11 01:08
 

is der jungle club nich eigentlich jemand anderes baby? oder reicht mein geschichtsbewußtsein noch nicht so weit? bitte aufklären!




































Samstag, 09.07.11 13:55
 

hi jass
hinter dem jungle club verbirgt sich die breakbeat movement crew
und raimund hilft uns immer sehr im november bei uneren geburtstagssausen,die finden nämlich immer im jazzhaus statt

Samstag, 09.07.11 17:14
 

thx:)

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